Sport-Trend Was bringen Einlegesohlen für Laufschuhe?

Auf bequemen Sohlen läuft es sich besser, versprechen die Anbieter von trendigen Komforteinlagen. Ob sich das Tuning für den Laufschuh wirklich lohnt - der Check.
Missgeschick bei Kipchoges Berlin-Marathon-Sieg 2015

Missgeschick bei Kipchoges Berlin-Marathon-Sieg 2015

Foto: © Hannibal Hanschke / Reuters/ REUTERS

Als Marathon-Favorit Eliud Kipchoge im September 2015 über den Asphalt des Berlin-Marathons zum Sieg lief, ragten bei dem Kenianer die Einlagen aus den Schuhen. Mit jedem Schritt rutschten die Innensohlen weiter heraus - eine Panne, die den Favoriten einen möglichen Weltrekord gekostet habe, hieß es später.

Üblicherweise sieht man Einlagen bei Spitzensportlern sonst nicht. Dabei wird das Tuning mit speziellen Socklinern, wie sie auch genannt werden, bei Läufern immer beliebter. Zumindest werben inzwischen viele Anbieter um die Läufergunst und wollen den Athleten motivieren, nach den Laufschuhen noch einmal Geld für separate Einlagen auszugeben. Denn Komfort ist eines der wichtigsten Kriterien beim Kauf von Laufschuhen, das haben Untersuchungen gezeigt. Mit Einlegesohlen werden die Schuhe noch besser, sagen die Hersteller. Früher wurden sie oft aus Kork und Leder gefertigt, die harten Teile standen in der Läuferwelt nicht gerade für Laufdynamik und Spitzenleistungen.

Dieses Image wollen Hersteller wie Foot Active, Ironman, Sidas oder Currex, Boot Doc, oder Lunge Gomax nun ändern: Die Einlagen machen einen ähnlichen Wandel durch, wie es das Läuferaccessoire Kompressionsstrumpf vorgemacht hat - plötzlich ist es ein farbiges Trendteil, das nichts mehr mit Omas braunen Beinröhren gemeinsam hat, obwohl es nach demselben Prinzip funktioniert. Auch für andere Sportarten wie Radfahren, Skifahren oder Fußball gibt es Angebote. Die Preise reichen von etwa 20 Euro bis in den dreistelligen Bereich - etwa bei teuren Carbonsohlen im Radbereich. Doch was bringen die Teile?

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Komfortsohlen: Joggen und Radeln auf bequemen Sohlen

Foto: currex GmbH Hamburg

Die Hersteller versprechen viel: Die Einlegesohlen sollen vor Verletzungen schützen, den Fuß bei der Kraftübertragung unterstützen, stabilisieren, Laufkomfort bieten oder die Muskulatur stimulieren und die Regenerationszeit verkürzen.

Krankhafte Fehlstellungen oder Verletzungen wie einen Fersensporn können und sollen die Einlagen aber nicht korrigieren, dafür werden Sohlen individuell vom Orthopädietechniker angefertigt. "Es gibt vielleicht fünf Prozent, die orthopädische Problem haben, das ist nicht unser Thema", sagt Sportwissenschaftler Björn Gustafsson, der Entwickler der Currex-Sohlen.

Zudem verweist er darauf, dass die neuen Sohlen deutlich flexibler seien als etwa die Kork-Leder-Produkte aus der Orthopädietechnik. "Nach einer Verletzung konnte ich mit solchen Teilen ganz schlecht laufen. Das war einer der Gründe, warum wir unsere Sohlen entwickelt haben", sagt der ehemalige Triathlon-Juniorenweltmeister.

Doch auch bei den Komfortsohlen gibt es unterschiedliche Konzepte: Einige Anbieter setzen auf Universalsysteme, andere bieten teilindividualisierte Lösungen an (Currex, Sidas, Boot Doc) - sie bestehen etwa aus verschiedenen Modellen, die je nach individuellem Fußgewölbe verwendet werden.

Wie läuft es sich mit den Sohlen?

Der Fuß ist eine komplexe Konstruktion aus 28 Knochen, 31 Gelenken und 23 Muskeln. Doch wer schon einmal die serienmäßig mitgelieferten Einlagen eines neuen Sportschuhs in der Hand hatte, ahnt: Viel Geld kann die labbrige Sohle nicht gekostet haben, eine anatomische Funktion steckt auch nicht drin - das könnte man sicher besser machen.

Da machen die Komforteinlagen einen anderen Eindruck: Wer sie in seine Laufschuh geschoben hat und mit dem Fuß hineingeschlüpft ist, stellt fest: Das fühlt sich gut an, wie der Fuß gebettet wird. Ein deutlicher Komfortgewinn. Auch auf den ersten Metern auf der Laufstrecke macht sich der Unterschied deutlich bemerkbar.

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Achilles' Verse: Die Welt, eine Laufstrecke

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Mit steigender Kilometerzahl verfliegt aber zumindest der spürbare Effekt. Nach 20 Kilometern fühlen sich die Füße zumindest subjektiv genauso erschöpft an wie mit Standardeinlagen.

Das berichtet auch Gert-Peter Brüggemann vom Institut für Biomechanik und Orthopädie der Sporthochschule Köln. Er hat zu solchen Komforteinlagen verschiedene Untersuchungen durchgeführt. "Die Sohle wird häufig als komfortabel empfunden - vor allem wenn die Schuhe gerade angezogen wurden. Sie vergrößern in der Regel die Kontaktfläche des Fußes zum Schuhboden und damit die Fläche zur Lastübernahme. Dadurch wird der gesamte Druck auf die Fußsohle möglicherweise reduziert, was wiederum als angenehm empfunden wird."

Brüggemann vergleicht den Effekt der Sohlen mit dem Barfußstand auf einem Betonboden und auf Gras. "Dort passt sich das Gras dem Fuß besser an, vergrößert die Kontaktfläche und erhöht damit den Komfort", sagt er.

Allerdings darf der Einfluss der Sohlen generell nicht überschätzt werden. Die größte Auswirkung hat die Mittelsohle des Laufschuhs selbst, dort steckt die Technologie drin. "Die Einlage hat gegenüber der Schuhsohle nur einen Minimaleffekt", so der Sportwissenschaftler. Schneller machen sie nicht, genau so wenig schützen sie vor Verletzungen. "Ein systematischer Effekt konnte zumindest bisher nicht nachgewiesen werden. Auch werden durch Einlagen beim Laufen keine Kraftspitzen reduziert."

Dennoch bewertet der Experte Herstellerkonzepte mit teilindividualisierten Lösungen für verschiedene Fußgewölbetypen positiv. Noch besser sind individuell der Fußform und Fußsteifigkeit angepasste Systeme - das hat natürlich seinen Preis.

"Die Komfortsteigerung ist eines der wichtigsten Argumente für die Sohlen - wir helfen den Leuten, sich besser zu fühlen", sagt Gustafsson. Und das ist gerade im Ausdauersport und besonders für Vielläufer etwas wert. Doch Komfort ist immer subjektiv: Deshalb sollten Sportler ausprobieren und nach und nach verschiedene Einlagen testen. Für eine Kaufentscheidung kann sich schon der Laufbandtest in einem gut ausgerüsteten Sportfachgeschäft lohnen.

Aber Vorsicht: Ohne fachkundige Beratung geht es nicht. Denn greifen Läufer zu den falschen Einlagen, kann es etwa zu Hüft- oder Knieproblemen beim Laufen kommen. Das liegt daran, dass dann die Motorik verändert wurde. In gewohnte Bewegungsabläufe sollte aber besser nicht eingegriffen werden, wenn keine Beschwerden bestehen.

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