Gesunde Ernährung Wie bringe ich es meinem Teenager bei?

Übergewicht infolge von schlechter Ernährung ist weltweit ein Problem. Doch wie essen Jugendliche gesünder? Auch zwei Psychologen suchen nach einer Antwort.

Mädchen an der Tafel
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Mädchen an der Tafel


Viel Obst, Gemüse oder Vollkornprodukte essen und Wasser trinken - so wäre es gesund und ausgewogen. Doch statt dessen ist gerade bei Jugendlichen in der Pubertät das angesagt, was die Werbung als cool und trendy verkauft: Fast-Food, gesüßte Getränke, Süßigkeiten. Da können Eltern schon mal verzweifeln. Und auch Präventionsfachleute stellen sich die Frage: Wie erreicht man den Nachwuchs in Zeiten von steigenden Übergewichtsraten schon im Kinder- und Jugendalter mit guten Ratschlägen?

Offenbar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Etwas besser klappt es, wenn Informationen, Tipps und auch Ernährungskampagnen direkt auf die Jugendlichen zugeschnitten sind. Das schreiben Psychologen um Christopher Bryan von der University of Chicago in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Man müsse an Werte appellieren, die bei Heranwachsenden besonders stark ausgeprägt sind - beispielsweise soziale Gerechtigkeit. Zudem bringen generelle Informationen über gesundes Essen den Forschern zufolge wenig.

Bei Kindern noch erfolgreich, bei Pubertierenden erfolglos

Psychologische Vorgehensweisen aus der Verhaltensforschung, die bei Kindern fruchteten, blieben bei Pubertierenden erfolglos, schreiben die Forscher. Deshalb entschieden sich Bryan und seine Kollegen dafür, spezifisch jugendliche Werte anzusprechen.

Ihre Versuche führten die Psychologen in zwei aufeinanderfolgenden Jahren an Schülerinnen und Schüler der achten Klasse einer Middle School (Mittelschule) in Texas durch. Insgesamt waren 536 Jugendliche beteiligt.

Ein Teil von ihnen sollte Zusammenfassungen von journalistischen Texten lesen. In den Artikeln ging es um Methoden der Lebensmittelindustrie: Dass sie Produkte herstellt, die ein gewisses Suchtpotenzial haben, oder dass sie mit ihrer Werbung vor allem Kinder und arme Menschen ansprechen will. Ein weiterer Teil der Schüler erhielt neutrale Informationen über Gesundheit und Ernährung, einige Schüler bekamen keine Infos zu dem Thema.

Versteckter Praxistest auf dem Schulfest

Per Fragebogen fanden die Forscher heraus, dass die journalistischen Artikel Wirkung zeigten: Die Schüler, die sie gelesen hatten, stimmten unmittelbar danach in höherem Maße als die übrigen Schüler Aussagen wie den folgenden zu:

  • "Wenn ich gesund esse, fühle ich, dass ich die Kontrolle über meine Ernährungsgewohnheiten übernehme."
  • "Wenn ich gesund esse, trage ich meinen Teil dazu bei, Kinder zu schützen, die von Lebensmittelunternehmen gesteuert werden."
  • "Ich respektiere gesunde Esser mehr als ungesunde Esser."

Der erste Satz spricht die Autonomie gegenüber Erwachsenen an, der zweite die soziale Gerechtigkeit und der dritte den sozialen Status.

Einen Praxistest zum Verhalten machten die Psychologen einen Tag nach der Befragung mit einer kleine Feier: Hier wurden sowohl eher ungesunde Lebensmittel und Getränke wie Kekse und Softdrinks sowie eher gesunde wie Obst und Wasser angeboten. Die Feier war Wochen zuvor vom Schuldirektor angekündigt worden, damit die Schüler keinen Zusammenhang mit den Befragungen vermuteten.

Dabei wählten die Jugendlichen, die die journalistischen Artikel gelesen hatten, im Durchschnitt 2,13 ungesunde Portionen, die übrigen Schüler jedoch 2,3. Dabei machte es keinen Unterschied, ob Schüler allgemeine Informationen über Gesundheit und Ernährung oder gar keine erhalten hatten.

Weltweit steigt die Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind es in Deutschland rund 15 Prozent. Das sind fast zwei Millionen 3- bis 17-Jährige. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kinder- und Jugendalter in Berlin leiden 8,5 Prozent der 14- bis 17-Jährigen an starkem Übergewicht mit krankhafter Veränderung des Stoffwechsels (Adipositas).

joe/dpa



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