Studie zu Ernährungsgewohnheiten Essen, essen, essen

Forscher ließen sich von Versuchsteilnehmern Bilder ihres täglichen Essens schicken. Das Experiment offenbarte nicht nur erstaunliche Verhaltensweisen, sondern könnte einen Ansatz zum Abnehmen liefern.

Studie mit 300 Teilnehmern: Alle Mahlzeiten per Smartphone fotografiert
Corbis

Studie mit 300 Teilnehmern: Alle Mahlzeiten per Smartphone fotografiert


Während sie wach sind, beschäftigen sich US-Amerikaner einen großen Teil ihrer Zeit mit Essen. Zu dieser Erkenntnis kamen Shubroz Gill und Satchidananda Panda vom kalifornischen Salk Institut für Biologische Studien, als sie das Essverhalten von 300 gesunden Erwachsenen auswerteten. Mit der Studie wollten die Forscher herausfinden, ob die Zeitspanne zwischen erster und letzter Mahlzeit am Tag das Körpergewicht beeinflusst.

Für derartige Untersuchungen sind Wissenschaftler meist auf Fragebögen angewiesen, in denen die Teilnehmer freiwillig über ihre Essgewohnheiten Auskunft geben. Diese Angaben sind aber oft wenig verlässlich, weil kleine Mahlzeiten häufig vergessen werden. Gill und Panda wählten deshalb einen anderen Ansatz: Die Versuchspersonen sollten ihnen mittels einer eigens programmierten App Bilder von allen verzehrten Mahlzeiten und Snacks schicken.

Das klappte offenbar besser, als die Forscher erwartet hatten. "Eine erfreuliche Überraschung war, wie schnell die Teilnehmer sich daran gewöhnten, von allem, was sie aßen oder tranken, ein Bild aufzunehmen", sagt Gill. "Das ist ein Beispiel für eine neue Art von Untersuchungen, die die massive Verbreitung von Smartphones ermöglicht hat."

Schokolade um zehn Uhr morgens

Die meisten Teilnehmer hatten vorab angegeben, vor allem zu den drei Hauptmahlzeiten morgens, mittags und abends zu speisen. Von den Bildern gewannen die Forscher einen ganz anderen Eindruck. Tatsächlich aßen viele Versuchspersonen sehr unregelmäßig und griffen häufig zu Snacks. Jedes vierte Essen nahmen sie nicht einmal eineinhalb Stunden nach der letzten Mahlzeit ein, wie Gill und Panda im Fachjournal "Cell Metabolism" berichten. Die ersten Bilder von Schokolade und Süßigkeiten gingen schon um zehn Uhr morgens ein.

Insgesamt verzehrten die Beteiligten aber nur ein Viertel ihres täglichen Kalorienbedarfs vor dem Mittag. Mehr als ein Drittel entfiel auf die Stunden nach sechs Uhr abends. Bei der Hälfte der Versuchspersonen verteilte sich die Nahrungsaufnahme auf einen Zeitraum von rund 15 Stunden.

Diese lange Zeitspanne könnte Folgen für die Gesundheit der Betroffenen haben, vermuteten die Wissenschaftler. Sie hatten den Verdacht, dass über den ganzen Tag verteilte Essenszeiten die innere Stoffwechseluhr durcheinander bringen könnten. Eine frühere Studie an Mäusen hatte bereits gezeigt, dass eine längere Essenspause während der Nacht Gewichtsprobleme verbessern kann, selbst wenn die Menge der aufgenommenen Nahrung sich nicht ändert.

Längere Pause, weniger Kalorien

Die Studienautoren wollten wissen, ob das auch bei Menschen der Fall ist. Sie baten deshalb acht Versuchspersonen, die alle übergewichtig waren und täglich über mindestens 14 Stunden verteilt aßen, nur noch über zehn bis zwölf Stunden hinweg Nahrung zu sich nehmen. Tatsächlich verloren die Betroffenen innerhalb von 16 Wochen im Durchschnitt knapp mehr als drei Kilogramm Gewicht.

Das dürfte nicht zuletzt daran gelegen haben, dass die Menschen infolge des Verzichts insgesamt weniger Kalorien aufnahmen. Wie stark sich die kürzere Essenszeit auswirkte, muss sich also noch zeigen.

Gill und Panda folgern: Die Zeit für die tägliche Nahrungszufuhr zu begrenzen, könnte ein einfaches Mittel zum Abnehmen sein. Mit mehr Testpersonen könnten sie ihre Vermutung genauer erforschen, hoffen sie. Auf den Mitternachtssnack zu verzichten, ist bis dahin aber bestimmt eine gute Idee.

sou



insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Binideppert? 24.09.2015
1. Soso...
"Das dürfte nicht zuletzt daran gelegen haben, dass die Menschen infolge des Verzichts insgesamt weniger Kalorien aufnahmen. Wie stark sich die kürzere Essenszeit auswirkte, muss sich also noch zeigen." Fazit: Wer weniger isst, nimmt ab. Da wäre ich echt nie drauf gekommen!
CobCom 24.09.2015
2.
Zitat von Binideppert?"Das dürfte nicht zuletzt daran gelegen haben, dass die Menschen infolge des Verzichts insgesamt weniger Kalorien aufnahmen. Wie stark sich die kürzere Essenszeit auswirkte, muss sich also noch zeigen." Fazit: Wer weniger isst, nimmt ab. Da wäre ich echt nie drauf gekommen!
Das alleine wäre trivial. Spannend ist dagegen, wenn, und das ist hier ja passiert, "gefühlte" und tatsächliche Werte massiv voneinander abweichen. Falls es mit modernen Methoden besser und einfacher funktionieren sollte, so etwas ins Bewusstsein zu bringen und dann Effekte abzuleiten (das muss natürlich weiter untersucht werden), gäbe es vielleicht tatsächlich neue Ansätze. So völlig unspannend finde ich diesen Ansatz daher nicht.
AHF84 24.09.2015
3.
Ich stelle mal die These in den Raum, dass die meisten Knabbereien und Süßigkeiten nach 18 bzw. 19 Uhr zu sich genommen werden. Daher denke ich, dass die Gewichtsabnahme mit dem Verzicht auf einen großen Teil der Süßigkeiten einherging und nicht unbedingt durch die Ruhezeit ausgelöst wurde. Es gab doch auch mal den Expertenrat lieber 5-7 kleine Mahlzeiten am Tag zu sich zu nehmen.... Bei Ernährung weiß man nie welchem Experten man glauben soll ;)
Newspeak 24.09.2015
4. ...
Und wieder einmal eine Studie, die einer anderen Lehrmeinung widerspricht. Nämlich der, daß es gut sei, möglichst viele kleine Mahlzeiten möglichst gleichmäßig über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Das hat für mich schon deshalb keinen Sinn gemacht, weil der Mensch biologisch viel eher auf eine stark schwankende Zuckerzufuhr ausgerichtet ist, als auf eine annähernd konstante. Vielleicht sollte man den Teilnehmern der nächsten Studie auch eine andere Vorgabe machen. Nicht das zu fotographieren, was man isst, sondern das nicht zu essen, was man fotographiert ;).
lachina 24.09.2015
5. Intervallfasten
Je weniger Zeit ich zum Essen zur Verfügung habe, desto weniger kann ich rein mengenmäßig essen. Wenn ich 12 Stunden esse und 12 Stunden nicht, ist das eigentlich Intervallfasten - und ja, das ist eine bekannte Abnehm - Methode.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.