Wie deftig und süß sollte es sein? (Symbolfoto)
Wie deftig und süß sollte es sein? (Symbolfoto)
Foto: Jen Grantham / Stocksy United

Ernährungsexperten über Festessen an den Feiertagen Das Schlemmer-Dilemma

Der Festschmaus gehört zu Weihnachten wie Tannenbaum und Geschenke. Was gilt es beim Genuss zu beachten? Drei Ernährungsexperten geben Antworten – und erzählen, was bei ihnen auf den Tisch kommt.
Von Detlef Hacke

Seit fast einem Jahr hält uns die Coronakrise in Atem. Das grassierende Virus hat Menschen getötet. Es hat uns aus dem Büro vertrieben, vielen Mitmenschen entrückt, den Urlaub verhagelt, die Ausgelassenheit abgewürgt. Wir alle haben mal eine Pause von der Pandemie nötig, wir brauchen ein Ereignis, das sich halbwegs normal anfühlt, Corona hin oder her. So gesehen kommt Weihnachten genau richtig. Auch wenn die meisten Menschen nicht mit all jenen feiern können, mit denen sie es gern täten: Immerhin bleibt der geschmückte Tannenbaum, die Geschenke, die engere Familie, das heimelige Gefühl.

Und das Festmahl.

Es wird getafelt, häufig, weil es schon immer so war. Und diesmal sicher deshalb, weil wir uns vergewissern wollen, dass es noch Momente gibt, die wir uns nicht aus der Hand nehmen lassen. Es gibt: Würstchen mit Kartoffelsalat, Gänse- oder Entenbraten, Raclette. Das sind die beliebtesten Gerichte zu Weihnachten . Nicht die leichteste Kost.

Anzunehmen ist, dass sich kaum einer zügeln wird, wenn ordentlich aufgetischt wird. Aber was und wie viel ist noch gesund? Sind zwei oder drei Tage Schmausen schon ein Problem für den Körper? Und kann man mit ein paar Kniffen dafür sorgen, dass man gut speist und nicht am Abend des zweiten Weihnachtstages die Völlerei bereut?

Zwei Expertinnen und ein Experte erzählen, worauf es ankommt und wie sie selbst es mit dem Festschmaus halten: eine Fitnesstrainerin, ein Diabetologe sowie eine Ernährungsmedizinerin.

Die Fitnesstrainerin

SPIEGEL: Was gibt es bei Ihnen, Frau Löppmann?

Löppmann: Wie seit vielen Jahren essen wir an Heiligabend Forelle mit Gemüse und Kartoffeln, ein leichtes Essen, trotzdem etwas Besonderes. Zum Nachtisch machen wir ein Himbeer-Schichtdessert, mit Joghurt oder Quark statt Sahne. An den beiden Weihnachtstagen gibt es mittags jeweils einen Braten. Bei meinen Eltern kommt Gans mit Knödeln und Blaukraut auf den Tisch, am nächsten Tag bei den Schwiegereltern wahrscheinlich Wildschwein mit Spätzle, mein Schwiegervater ist Jäger. Bei uns wird also auf nichts verzichtet. Das gemütliche Zusammensein in der Familie steht im Vordergrund, und dazu gehört ein richtiges Festmahl, finde ich. Dafür essen wir morgens und abends weniger als im Alltag üblich.

SPIEGEL: Was raten Sie?

Löppmann: Ich habe vor allem Frauen unter meinen Kunden, und vor Weihnachten ist es wie vor dem Sommerurlaub. Viele fragen mich: »Was darf ich denn jetzt essen?« Wenn ich antworte, sie sollten alles genießen, nur in Maßen statt in Massen, dann sind die meisten überrascht. Ich halte nichts von strikten Regeln, extremen Plänen und radikalen Diäten. Und ich meine: Man nimmt nicht zwischen Weihnachten und Neujahr zu, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten. Wer das Jahr über darauf achtet, sich gesund zu ernähren, darf ruhig ein paar Tage über die Stränge schlagen. Wann sonst, wenn nicht an Weihnachten? Wer isst da denn bloß Salat? Es müssen ja nicht gleich drei Knödel zum Braten sein, vielleicht reicht einer. Aber den sollte man sich schmecken lassen, ohne schlechtes Gewissen. Denn ein schlechtes Gewissen erzeugt Stress, und Stress ist nicht gut fürs Essverhalten.

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