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Fitnessmesse Fibo Mission Knack-Po

Krabbeln mit Gummiseil, Vakuumtherapie gegen Cellulite und ein Trainingsgerät extra für einen knackigen Hintern: Anna Achilles war zu Besuch auf der Fitnessmesse in Köln - und lernte dabei, wieder Kind zu sein.

Mein Bauch, mein Hintern - mein ganzer Körper steht unter Hochspannung. Auf allen Vieren hocke ich auf dem Boden, aufgestützt auf Händen und Füßen. Um die Brust trage ich ein Gummiseil, dessen Ende an einer Stange hinter mir befestigt ist. Das Seil ist gespannt. Halte ich die Balance nicht richtig, werde ich mit einem Schlag zurückgeschleudert. Ich muss gegen den Widerstand des Seils ankämpfen, um mich vorwärts zu bewegen. Das sieht aus, als würde ich irgendwo hochklettern. Nur, dass ich mich auf dem Fußboden befinde.

Das Widerstandsseil ist eines von vielen Trainingsgeräten, das ich in Köln auf der Fitnessmesse (Fibo) ausprobiere. Vier Tage lang haben mehr als 700 Aussteller aus 40 Ländern auf der weltgrößten Messe zum Thema Fitness und Gesundheit ihre Neuheiten und Trends vorgestellt. Knapp 140.000 Menschen besuchten nach Angaben des Veranstalters die Fibo, die am Sonntag zu Ende ging.

"Ziel der Übung ist es, zu unseren Ursprüngen zurückzukehren und wieder zum Kind zu werden", sagt Fitnesstrainer Rouven Bürgel zum Training mit dem Widerstandsseil. Wir müssten lernen, wie ein Baby zu krabbeln. Das stärke den gesamten Muskelapparat im Körper.

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Anna Achilles auf der Fibo: Schwitzen, Pumpen, Krabbeln

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Für Kinder ist es selbstverständlich, sich zu bewegen. Sie klettern auf Bäume, sie springen und rennen - ganz automatisch. Bei Erwachsenen ist dieser Bewegungsdrang meistens eingeschlafen. Wir müssen uns erst aufraffen, damit wir aktiv werden. Um Motivation zu schaffen, versucht die Fitnessindustrie jedes Jahr neue Trainingsgeräte und Sportarten zu erfinden.

Schleudern wie in der Waschmaschine

Nicht alles auf der Fibo ist neu: EMS, Functional Training , Balance Boards  - das kennt man bereits. Ungewöhnlicher dagegen ist zum Beispiel die Vakuumröhre. Sie soll die Blutzirkulation im Körper anregen und damit Verstopfungen der Gefäße lösen und Cellulite beseitigen. Klingt nicht schlecht. Aber ob das wirklich funktioniert? Zumindest fühlt es sich so an. Als ich in der Röhre liege, habe ich den Eindruck, von einer Waschmaschine durchgeschleudert zu werden. Ob die Orangenhaut dadurch wirklich dauerhaft verschwindet, bleibt fraglich - die meisten Anti-Cellulite-Therapien schneiden in wissenschaftlichen Studien bisher eher enttäuschend ab.

Ich habe noch einige andere Trainingsgeräte auf der Fibo ausprobiert (siehe Video). Wie etwa den Glut-Bilder, der die Gesäßmuskeln (Gluteus) in Form bringen soll. Zwar fühlt sich das Gerät etwas wie ein Folterstuhl an, doch wer einen knackigen Hintern möchte, muss ihn nun einmal auch trainieren.

Aber egal, wie abgefahren die modernen Trainingsmaschinen auch sein mögen - der beste Weg, sich fit zu halten, ist ganz einfach: wieder zum Kind werden.

ZUR PERSON
Foto: Christine Scholz

Jahrgang 1987 und Nichte von Achim Achilles. Für den Wunderläufer stellt sie aber keine Konkurrenz dar: Anna ist notorisch trainingsfaul und mindestens so untalentiert wie ihr Onkel. Ihr Motto: Bewegung soll Spaß machen und muss nicht wehtun. Anna lebt in München und macht zurzeit ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk.Facebookseite von Anna Achilles