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Trend-Workout Kettlebell Fit im Hantelumdrehen

Eine Eisenkugel mit Griff begeistert die Fitness-Szene: Kettlebell-Training kräftigt den ganzen Körper - solange man die Fliehkräfte beherrscht.

Acht Kilo. Handlich verpackt in eine hübsch zerkratzte Gusseisen-Kugel mit praktischem Griff. Das ist mein Sparringspartner für das heutige Training. Irritiert schaue ich zwischen Kugel und Coach hin und her. Mehr als das Gewicht einer durchschnittlichen bundesdeutschen Frauen-Handtasche traut mir Personal Trainerin Jenny Althoff nicht zu?

"Keine Sorge", grinst die Wahlberlinerin, deren Oberarme so manchen Mann blass werden lassen. "Die acht Kilo werden für einen Kettlebell-Anfänger schnell zur Herausforderung." Der Grund: die Fliehkraft. "Da muss deine Muskulatur kräftig gegensteuern, damit du nicht quasi wegfliegst."

Erstaunlich: Dieser Anti-Wegflieg-Faktor sorgt dafür, dass sich das Trainingsgewicht für meine Muskeln vervielfacht. Die gefühlte Wucht von mehreren Handtaschen lerne ich beim Kettlebell-Swing (siehe Video)kennen, dem Allround-Klassiker. Die Übung ist perfekt, vor allem für die Phase, die einen jedes Jahr von neuem überrascht - die vor-der-Bikini-Saison. Umso besser, dass ich mit nur dieser einen Übung jene Muskelkette in meinem Körper kräftige, die mich unter anderem zum aufrecht laufenden Homo sapiens macht, die Bauchmuskeln. Und das auch noch im Hantelumdrehen.

Immer schön Schwung holen

Meine Muskeln und ich sind bereit, Jennys Instruktionen eigentlich klar. Breiter Stand, leichte Kniebeuge, gerader Rücken. Hantel mit beiden Händen per Hüftschwung nach vorne bis in Brusthöhe schwingen. Dann zwischen den Beinen zurückpendeln und neuen Schwung holen. Eigentlich. Denn irgendeines meiner Muskelkettenmitglieder tanzt immer aus der Reihe. Mal sind die Schultern zu hoch, mal der Oberkörper zu tief, mal der Hüftschwung unterirdisch. Zugegeben, auf Anhieb läuft dieses Kugelding nicht rund. Und meine Arme fühlen sich bald drei Zentimeter länger an.

Aber irgendwie kommt die ungewohnte Sache doch ins Schwingen, und meine Trainerin kriegt meinen Körper sortiert. Ich versuche mich in Kniebeugen à la Kettlebell, halte das Gewicht vor der Brust und soll explosiv nach oben kommen. Das Resultat: Acht Kilo Zusatzgewicht machen jede Explosivität zunichte. Dann einarmiges Rudern. Ich beuge mich vor, die Kugelhantel baumelt unten an einer Hand, ich ziehe den Ellenbogen nach oben. Klappt ganz gut, nur habe ich den Verdacht, dass der Hersteller beim Gewicht geschummelt hat. Das Ding wird immer schwerer!

Countdown zum Muskelkater

Dabei beginnt nach dem Warm-up erst das eigentliche Work-out. Auf dem Trainingsplan stehen drei Kettlebell-Übungen: In der ersten Runde soll ich Swing, Kniebeuge und Ruderzug mit je zehn Wiederholungen ausführen, in der zweiten Runde mit acht, dann mit sechs, vier und zum Schluss mit zwei Wiederholungen. Alles ohne Pause. Mir kommt's wie der schnellstmögliche Countdown zum größtmöglichen Muskelkater vor.

Tatsächlich macht diese Swing-Sache aber wirklich Spaß, wenn man den Dreh einmal raus hat. Jenny schuftet mit. Kugelstoßen war vorgestern, meine neue Lieblingssportart ist Synchronschwingen. Dauert auch nur zehn Minuten - das passt in jeden Terminkalender. Nur das Trainingsgerät nicht in jede Handtasche.

Interview mit Ingo Froböse: Was taugt das Kettlebell-Training wirklich?

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