Fitness Wie sich Sportmuffel motivieren können

Gründe, Sport zu betreiben, gibt es viele. Sie allein machen Fitnessmuffel aber nicht zum Supersportler. Experten erklären, wie man den eigenen Antrieb findet und Training zum Alltag gehört.

Schwitzen für die Kinder: In Gemeinschaft macht Sport doppelt so viel Spaß
Jo Kirchherr/ Westend61/ Getty Images

Schwitzen für die Kinder: In Gemeinschaft macht Sport doppelt so viel Spaß


Für viele Fitnessmuffel ist es schon schwer genug, überhaupt mit dem Sport anzufangen. Und noch schwerer ist es, nach mehreren Wochen dranzubleiben. An der Willenskraft scheitert es dabei meist nicht. Das Problem ist eher, dass es an den Erwartungen hapert: Viele stellen sich von Anfang an nicht die richtigen Fragen, sagt Luise Walther, Personal Trainerin aus Berlin.

Warum mache ich Sport? Was macht mir daran Spaß? Was erwarte ich von mir und der Sportart? "Nur wer weiß, aus welcher Motivation heraus er Sport treibt, kann sich diese Motivation wieder ins Gedächtnis rufen, wenn er einen Durchhänger hat - oder die Durststrecke ganz umgehen."

Es gibt externe und interne Motivationsfaktoren für Sport. "Viele meiner Klienten fangen an, Sport zu treiben, um den Partner glücklich zu machen", erzählt Walther. "Das ist für den Anfang okay, um überhaupt von der Couch zu kommen. Aber nach einiger Zeit muss jeder für sich selbst herausfinden, warum er sich bewegen will."

"Emotionen sind das A und O"

Ein typischer innerer Antrieb ist die eigene Gesundheit. Besonders wichtig sei es hierbei, ins Detail zu gehen. "Das Ziel, gesünder zu sein, ist meistens zu ungreifbar, um einen langfristig anzuspornen", sagt Walther. Besser sei es, sich bewusst zu machen, was genau am Sport gesund ist - also beispielsweise der Muskelaufbau, der Rückenschmerzen vorbeugt.

Auch wer sich gerne mit anderen misst oder gar Leistungssport betreibt, sollte sich konkrete Ziele stecken. Fitnessbloggerin, Mentaltrainerin und Autorin Klara Fuchs erzählt: "Zu Beginn meines Trainings im Herbst 2017 habe ich mir direkt einen bestimmten Halb-Ironman in Slowenien herausgesucht, den ich im Sommer 2018 laufen wollte."

Solche emotionalen Gründe wirken oft viel stärker als rein rationale, sagt Trainerin Walther. "Emotionen sind das A und O. Mit dem Wissen, dass Sport gut für mich ist, komme ich nicht weit. Viel besser funktioniert es, wenn ich mir vorstelle, wie ich als Rentner noch mit meinen Enkeln im Garten spiele."

Eigene Bedürfnisse berücksichtigen

Ähnlich sieht das Jens Kleinert. "Zentral ist es, dass ich meinen Sport mit Genuss und Freude betreibe", sagt der Sportpsychologe, der an der Deutschen Sporthochschule Köln lehrt. "Wer sich immer dazu zwingen muss und keine positiven Gefühle mit der Bewegung verbindet, der hört früher oder später auf."

Sein Tipp: sich die sogenannten psychologischen Hauptbedürfnisse zunutze machen. Das Bedürfnis nach Beziehungen könne man beim Sport zum Beispiel befriedigen, indem man sich mit Freunden verabredet oder neue Menschen kennenlernt. Wer eine ganz neue Sportart lernt, stillt sein Bedürfnis nach neuen Herausforderungen.

"Je mehr Gründe ich habe, Sport zu treiben, desto besser", sagt Fuchs. Diese Gründe können sich auch während des Trainings ändern: "Es kann gut sein, dass jemand zu Beginn abnehmen will, aber langfristig dabei bleibt, weil er Teamgeist entwickelt und seine Freunde jede Woche auf dem Fußballplatz wiedersehen will", sagt Walter. Auch die Verpflichtung, jede Woche zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein, spiele dabei eine Rolle.

Sport zur Routine machen

"Routine ist sehr wichtig. Irgendwann ist das mit dem Sport wie mit dem Zähneputzen", sagt Fuchs. Bewegung wird dann ein natürlicher Bestandteil des Alltags. Bis es so weit ist, können jedoch einige Wochen und Monate vergehen. Fuchs rät deshalb, gerade zu Beginn kleine Belohnungen in den Trainingsplan einzubauen. Sie empfiehlt leckeres Essen, eine gute Serie oder neue Sportklamotten, um sich für die nächste Einheit zu motivieren.

Welche Sportart im Endeffekt am effektivsten ist, um die gesteckten Ziele zu erreichen, ist ihrer Meinung nach dagegen zweitrangig. Auch wenn sich Fitnessstudio am einfachsten anhört: Letztendlich zählt doch, dass man etwas gemacht hat.

ctl/dpa, von Sophia Reddig



insgesamt 6 Beiträge
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hexenbesen.65 04.07.2019
1.
ich habe letztes Jahr im Winter wieder angefangen zu schwimmen. jeden 2.ten Tag direkt vom Geschäft (Schwimmklamotten lagen da schon im Auto) ins Hallenbad, 90 Minuten durch geschwommen. Am Anfang war es "keuch"...aber wir hatten einen Schnorchelurlaub gebucht...da wollte ich wenigstens mit den anderen mithalten. Positiver "Nebeneffekt"--ich hab 20 Kg abgenommen ! (Sieht man leider nicht so dolle :-( ) Der Urlaub kam, konnte super mit den Delphinen schnorcheln, null Probleme (ich als Dicke ! ) und jetzt eine OP, wo der Doc hinterher erstaunt meinte, wie schnell ich doch wieder auf die "Füße" (lach, Oberschenkelknochen-Op) gekommen bin. Mich kribbelt es jetzt schon wieder (und ich hab noch die Fäden drinne) , schwimmen zu gehen..joggen, Rad fahren und all das ist nix für mich. Im Herbst hole ich mir wieder eine Dauerkarte und dann geht es weiter...
castanho 09.07.2019
2. Sport im Alltag
Ich habe schnell gemerkt, dass ich mich nicht konsequent aufraffen kann, Sport in der Freizeit zu treiben. Insbesondere im Winter nicht, wenn ich dann im Dunkeln nochmal los muss. Also musste Alltagssport her, und hier bot sich Fahrradfahren an. Dabei standen am Anfang zwei Dinge: Ärger und Motivation durch Entsetzen. Der Ärger ergab sich angesichts einer neuen Tariferhöhung im ÖPNV. Ich stellte fest, dass der Preis in 10 Jahren um 50% gestiegen war. Das wollte ich nicht mehr mitmachen. Motivaton durch Entsetzen ergab sich aus der Tatsache, dass ich bereits einen Prä-Diabetes entwickelt hatte und meine Ärztin mich darauf hinwies, dass die Werte ihrer Patienten im Sommer gewöhnlich besser wären. Der Rest war dann nur noch, einen eklatanten Mangel an Fantasie zu überwinden. Denn zu meiner Überraschung war es sehr wohl möglich, den Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad zu meistern. Und zu meiner Überraschung regnet es dabei so selten, dass ich fast schon ein bisschen erbost war, mir überhaupt Regenklamotten zugelegt zu haben. Auch der Winter war weit weniger herausfordernd als gedacht. Mit den richtigen Klamotten war auch Kälte kein Thema. Mittlerweile ist Radfahren ganz normaler Bestandteil meines Alltags. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, es nicht zu tun und fahre - nachdem ich endlich auch das richtige Fahrrad für mich gefunden habe - jedes Jahr ein bisschen mehr. Mit ca. 5000 Km hat es angefangen, dieses Jahr peile ich die 9000 an.
larsvegas090719 09.07.2019
3. Sportmuffel und "Sport mit Genuss"
Ist "Wer sich immer dazu zwingen muss und keine positiven Gefühle mit der Bewegung verbindet" nicht die Definition des Sportmuffels? Wenn dafür gilt : "Der hört früher oder später auf" ist dieser Artikel irgendwie sinnlos, oder nicht? Wenn ich Spaß am Sport hätte, würde ich es doch wohl schon tun. Eigentlich muss es doch darum gehen, einen Weg zu finden, ohne Spaß regelmäßig Sport zu treiben. Zum Zahnarzt gehe ich ja auch nicht aus Spaß.
Spiegel-Wolfgang 09.07.2019
4. Ohne Motivation, wie auch immer geartet,
geht gar nichts, zumal der Mensch dazu neigt Anstrengungen zu vermeiden und Sport ja freiwillig ist. Der Spaß darf (sollte) dabei nicht auf der Strecke bleiben, der Ehrgeiz positive Ergebnisse zu erzielen reicht dazu nicht aus, letzteres aber unabdingbar wenn man sich körperlich (wie psychisch) verbessern (Gesundheit, Allgemeinbefinden) möchte. Wer sich dabei Ziele setzt hat einen Grund mehr sich aufzuraffen. Eine Smartwatch kann (vorrausgesetzt diese und die App funktionieren halbwegs genau ;-)) dabei gute Dienste leisten. Für mich war diese Anschaffung erst der Grund wieder ins Laufen (+Radfahren, Schwimmen ;-)) zu kommen, nach jahrelanger sportlicher Abstinenz. Zum Glück hatten meine Konditionen nicht zu sehr darunter gelitten und mein Neustart gelang problemlos. Gewichtsprobleme bspw. waren mir schon immer fremd, auch jetzt noch im gesetzten Alter, die neu auferlegten Anstrengungen lassen es im Moment aber auch nicht zu gar an Gewicht zuzulegen ;-)). Wie in Artikel beschrieben, muss man den "richtigen" Sport für sich finden, dabei spielt aber der Faktor Spaß eher "nur" die zweite "Hauptrolle", Art und Intensität muss zum "status quo" aller körperlichen (und psychischen) Voraussetzungen passen. Man kann beim Sport (wie auch bei der Nahrungsaufnahme bspw. ;-)) sehr viel falsch machen, sich eher schaden! Es ist wichtig in seinen Körper zu hören, und/oder auf fachliche (ärztliche) Ratschläge. Auch hier gilt oft, die Dosis macht das Gift, manche Sportart ist gänzlich kontraproduktiv. Bewegung (Sport) "ja, selbstverständlich", aber die richtige ;-))
StefanSchmidt 09.07.2019
5. Vom Sportmuffel zum Spaß am Sport
Man kann sich weiterentwickeln. Es hilft herauszufinden, welche Sportart zu einem selbst passt. Am Anfang muss man sich aufraffen, sich an die Bewegung gewöhnen, Grundlagen lernen, aber wenn man Fortschritte macht und merkt, dass die Bewegung Stress abbaut, Endorphine ausschüttet, man Erfolgserlebnisse hat und Stolz auf sich ist sich aufgerafft zu haben, dann fühlt man sich mit Sport einfach besser. Man kann lernen positive Gefühle mit Sport zu verbinden. Das geht aber nicht vom Sofa aus!
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