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Freeletics: Hochintensiver Fitnesstrend

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Fitnessprogramm Freeletics Ohne Schmerz keine Muskeln

Bodybuilding ist out. Der moderne, aufs Äußerliche bedachte Sportfan macht Freeletics. Das Fitnessprogramm ist so intensiv, dass es schnelle Ergebnisse verspricht. Ganz neu ist das alles allerdings nicht.

In 15 Wochen zur Form des Lebens. Das verspricht vollmundig Freeletics - ein Trainingsprogramm aus fordernden und dynamischen Ganzkörperübungen. Wer sich bei Freeletics anmeldet, darf keine Scheu haben vor Sit-ups, Kniebeugen oder Burpees. Und er muss bereit sein, sich zu quälen.

Das Programm funktioniert nach den Grundprinzipien des Functional Trainings, der Körper wird ganzheitlich in einem Bewegungsablauf trainiert - und das bei hoher Intensität: Diesbezüglich ähnelt Freeletics dem Cross-Fit . Mit dem Unterschied, dass es nahezu ohne Gerätschaften auskommt.

Außer einer Klimmzugstange, einer Fitnessmatte und etwas Platz zum Laufen und Springen benötigt man weiter nichts. Das Besondere an Freeletics: Das Workout soll maximal 45 Minuten dauern und wird gemäß dem Hoch-Intensitäts-Training (HIT) in hoher Geschwindigkeit absolviert. Das Motto klingt nach Drill: "Der Abbruch des Workouts ist keine Lösung."

Was nach einer innovativen Methode kling, ist in Wahrheit nichts Neues: Die Trainingsinhalte bestehen großteils aus alten Übungsklassikern. Die Soldaten-Übung Burpee etwa gibt es seit den Dreißigerjahren und könnte auch einfach nur Liegestützsprung heißen. Das aber klingt eher nach Ostblock-Training aus den Achtzigern. Und doch hat Freeletics über eine geschickte, auf Hochglanz polierte Marketingstrategie viele Anhänger gewonnen. Nach eigenen Angaben gibt es weltweit schon drei Millionen registrierte User.

Zunächst gab es die Freeletics-App. Inzwischen gibt es auch eine Webseite, über die man sich anmelden kann. Gegründet wurde das Programm von drei Münchnern, die einen "athletischen Lebensstil" verfolgen. Ein Großteil der Trainings- und Ernährungspläne ist kostenpflichtig.

Wie geht's?

Die einzelnen Workouts, die man mithilfe einer Trainingsapp absolviert, widmen sich entweder der Kraft, der Ausdauer oder der Kraft-Ausdauer. Beim Einstiegsprogramm mit dem irreführend sinnlichen Namen "Aphrodite" müssen die Sportler zum Beispiel 50 Sit-ups, Kniebeugen und Burpees absolvieren - in der ersten Runde.

Nach einer kurzen Verschnaufpause geht's in die nächsten Runden, mit abnehmenden Wiederholungen (40, 30, 20, 10). Die Zeit, die man insgesamt benötigt, gibt den Fitness-Stand an. Je schneller man das Programm erledigt, desto besser. In dem Workout sind auch Übungen zum Aufwärmen und Dehnen sowie Laufeinheiten integriert. Empfohlen sind mehrere Trainings pro Woche. Seine Ergebnisse kann man über die App mit anderen Freeletics-Mitgliedern teilen.

"Keine Ausreden" ist eines der vielzitierten Leitsprüche der Freeletics-Gemeinde. Man könnte auch sagen: "No Pain, no Gain." Ohne Schmerzen keine Muskeln.

Was bringt's?

Die "Freien Athleten", wie sich die Mitglieder nennen, sprechen gern von einer "Transformation": Wer das beinharte Training eisern über Wochen und Monate durchzieht, bemerkt relativ rasch eine drastische Veränderung der Körperkraft und der Ausdauerfähigkeit. Das Internet ist voll von ästhetisierten Vorher-Nachher-Bildern und -Videos von ehemals schlaffen und dann straffen Menschen.

Tatsächlich hat das Hoch-Intensitäts-Intervall-Training (HIIT) erwiesenermaßen einen Effekt. Doch gerade bei Übungen wie Burpees oder Kniebeugen ist die korrekte Ausführung mitentscheidend. Da man bei Freeletics die Muskeln bis zum Versagen beansprucht, ist zudem die Gefahr gerade für Anfänger groß, sich zu überlasten oder gar zu verletzen. Und: Weil Freeletics auf Leistung abzielt, besteht die Gefahr, dass die Athleten ihrem Körper zu wenig Regenerationszeit zugestehen.

Wer macht's?

Vertreter von Militäreinheiten auf der ganzen Welt wird Freeletics bekannt vorkommen. Das Prinzip - trainieren bis zum Umfallen - haben Soldaten schon seit Dekaden verinnerlicht.

Schon der ehemalige US-Army-Ausbilder Mark Lauren hatte vor einigen Jahren mit seinem ersten Buch "Fit ohne Geräte" ein Kraft-Ausdauertraining vorgestellt, das ohne Maschinen auskommt und sich nur auf das Arbeiten mit dem eigenen Körpergewicht beschränkt.

Functional Training , Cross Fit, HIT und HIIT - Freeletics vereint viele vorhandene Prinzipien zu einem eigenen Fitnesskonzept.

Das harte Programm richtet sich vor allem eher an eine technikaffine, urbane Kundschaft. Sicher ist: Freeletics ist nichts für Weicheier. Ohne Quälerei gibt's keine Erfolge.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hatte es geheißen: "Es gibt auch Workouts, bei denen es darauf ankommt, so viele Wiederholungen wie möglich zu schaffen. Und das am besten mehrmals pro Woche." Diese Workouts hat Freeletics im August 2014 jedoch abgeschafft. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Von Frank Joung