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"Foodwatch": Eiweißbrot und Proteinmüsli im Test

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Lebensmittel mit Proteinzusatz Aufgepumpte Versprechen

Erhöhter Proteingehalt, bessere Fitness - so bewerben Lebensmittelhersteller ihre speziellen Müslis, Brote und Getränke. Dabei sind die Produkte vor allem eines: überflüssig und teuer.

"Unterstützt den Muskelaufbau" oder "Dieses Müsli ist eine echte Supermischung" - mit Werbeslogans wie diesen machen Hersteller Verbrauchern mit Proteinen (oder Eiweißen) angereicherte Lebensmittel schmackhaft. In einer Untersuchung der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch schneiden die Speziallebensmittel nun allerdings schlecht ab. Und auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) kritisiert die Produkte.

Lebensmittel wie Müsli oder Brot enthalten von Natur aus viele Kohlenhydrate. Um sie als besonders proteinreich bewerben zu können, müssen die Hersteller Inhaltsstoffe hinzufügen. Brot wird beispielsweise mit Weizeneiweißkonzentrat gebacken, Müsli mit Soja- oder Weizeneiweiß angereichert. Stammt schließlich zwölf Prozent der Energie im Lebensmittel aus Proteinen, darf es als "Proteinquelle" bezeichnet werden, ab 20 Prozent ist die Angabe "hoher Proteingehalt" zulässig.

"Der Proteintrend ist eine überflüssige Marketingmasche, die Verbraucherinnen und Verbraucher teuer bezahlen", sagt Sophie Unger von der Verbraucherschutzorganisation. Selbst wer viermal die Woche joggen gehe, brauche kein zusätzliches Protein. Unger leitet die Abstimmung zum "Goldenen Windbeutel 2017". Dabei können Verbraucher noch bis 26. November über die dreisteste Werbelüge abstimmen (hier geht es zur Website ).

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"Foodwatch": Eiweißbrot und Proteinmüsli im Test

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Hohe Preise

In einer aktuellen Untersuchung hat Foodwatch die Preise von Lebensmitteln mit und ohne Proteinzusatz verglichen. Der "Protein Drink Vanille" der Molkerei Bauer für eine "fitnessorientierte und alltagsaktive Zielgruppe" ist dabei besonders negativ aufgefallen. Neben unglaubwürdigen Werbeversprechen zeichnet sich das Produkt demnach vor allem dadurch aus, dass es teuer ist:

  • Der Bauer-Drink kostet knapp 40 Prozent mehr als etwa die "Landmilch Vanille" von Landliebe. Der Verbraucher zahlt ungefähr 0,40 Euro pro 100 Milliliter statt 0,30 Euro.
  • Im Vergleich zu "Vanilla" von Müller Milch ist das Bauers "Protein Drink Vanille" sogar 64 Prozent teurer - ungefähr 0,40 Euro statt 0,25 Euro.
  • Gegenüber dem Produkt "Alpenfrische Vanille Milch" von Bärenmarke kostet der Protein-Drink von Bauer sogar fast dreimal so viel - 0,40 Euro pro 100 Milliliter statt 0,15 Euro.

Ebenfalls negativ aufgefallen sind Foodwatch das Eiweißbrot des Herstellers Mestemacher sowie das "Proteinreiche Knuspermüsli" von Dr. Oetker. Beide Produkte kosten mit Proteinzusatz ungefähr doppelt so viel wie vergleichbare Lebensmittel ohne zusätzliche Proteine. Details dazu finden sich in der Fotostrecke (hier).

Extraproteine auch für Sportler nicht sinnvoll

Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) können Verbraucher guten Gewissens auf Lebensmittel mit Proteinzusatz verzichten. Demnach liegt die durchschnittliche Proteinzufuhr in Deutschland bereits über der empfohlenen Zufuhrmenge - und das in allen Altersgruppen. Eine Anreicherung von Lebensmitteln sei "nicht sinnvoll".

Gesunden Erwachsenen unter 65 Jahren empfiehlt die DGE, täglich 0,8 Gramm Proteine pro Kilogramm Körpergewicht aufzunehmen. Wer beispielsweise 70 Kilo wiegt, sollte seinem Körper also 56 Gramm Protein täglich zuführen. Mädchen und Frauen zwischen 15 und 80 Jahren kommen im Schnitt auf 53 bis 60 Gramm pro Tag, Jungen und Männer auf 75 bis 84. Das reicht aus.

Die Proteinzufuhr von Vegetariern und Veganern sei zwar niedriger als die von Fleischessern, dennoch seien Vegetarier und Veganer nur selten unterversorgt, schreibt die DGE auf Anfrage des SPIEGEL. Auch Schwangere und Stillende könnten ihren Proteinbedarf von 55 bis 71 Gramm pro Tag über Lebensmittel decken, die von Natur aus viele Proteine enthalten.

Das Gleiche gilt für Breitensportler, die bis zu fünfmal die Woche etwa eine halbe Stunde trainieren. Ihnen empfiehlt die DGE genau wie dem Rest der Bevölkerung, täglich 0,8 Gramm Proteine pro Kilogramm Körpergewicht aufzunehmen. Nur Leistungssportler sollten sich in Trainings- und Wettkampfphasen individuell beraten lassen.

Zu viel Eiweiß birgt Risiken

Als gute Eiweißquellen gelten Hülsenfrüchte wie Erbsen oder Linsen, Champignons, Rosenkohl, Kartoffeln sowie Tofu und Soja. Aber auch Vollkornbrot trägt ganz ohne Proteinzusatz zur Versorgung bei.

Unter den tierischen Lebensmitteln empfiehlt die DGE mageres Schweine- oder Rindfleisch sowie Geflügel und Fisch wie Forelle oder Zander als Proteinlieferanten. Außerdem seien Käse, Quark, Milch und Hühnereier gut geeignet. Um die Proteinvielfalt in einer Mahlzeit zu erhöhen, könne man etwa Erbseneintopf mit Brot oder Pellkartoffeln mit Quark kombinieren, so die DGE.

Besonders ungeeignet sind Lebensmittel mit Proteinzusatz für Menschen mit Nierenproblemen. Eine zu hohe Aufnahme kann das Organ zusätzlich belasten, da beim Abbau von Proteinen Harnstoff entsteht, der über die Niere ausgeschieden werden muss. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sieht für die Gesamtbevölkerung eine Proteinzufuhr als sicher an, die doppelt so hoch ist wie der empfohlene Wert - also 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Wer sich ausgewogen ernährt und auf Spezialprodukte mit extra viel Proteinen verzichtet, hat also weder einen Proteinüberschuss noch -mangel zu befürchten.

Mitarbeit: Heike Le Ker
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