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21. September 2018, 17:15 Uhr

Foodwatch

Jedes zweite Erfrischungsgetränk ist überzuckert

Getränke sind nach wie vor Zuckerbomben, das zeigt eine "Foodwatch"-Untersuchung. Die Organisation fordert eine Limo-Steuer wie in Großbritannien.

Viel Zucker schadet und wer eine Limo trinkt, verleibt sich oft einen kleinen Berg des Dickmachers ein - ohne auch nur ein bisschen satt zu werden. Dass das zu Problemen wie Übergewicht führt, weiß mittlerweile jeder. Wissenschaftlich belegt ist es auch.

In Großbritannien hat die Regierung dieses Jahr darauf reagiert und eine Zuckersteuer eingeführt. Enthalten Getränke mehr als fünf Gramm pro 100 Milliliter, müssen die Unternehmen Abgaben bezahlen. In Deutschland hingegen setzt die Regierung auf freiwillige Vereinbarungen mit der Getränkeindustrie. Das bringt wenig, wie eine aktuelle Untersuchung der Verbraucherorganisation Foodwatch zeigt. Demnach ist mehr als jedes zweite Erfrischungsgetränk überzuckert.

Für ihren Test hatten Mitarbeiter von Foodwatch im Juli und August alle Erfrischungsgetränke aus dem Sortiment der drei größten Handelsketten Edeka, Rewe und Lidl gekauft - von Cola über Energydrinks, Saftschorlen und Eistees bis hin zu Fruchtsaftgetränken. Insgesamt landeten 600 verschiedene Produkte in den Einkaufswägen.

Die Kernergebnisse:

Foodwatch hatten den gleichen Einkaufstest im August 2016 schon einmal durchgeführt, die Werte haben sich seitdem kaum geändert. Ein Vergleich mit Großbritannien zeigt, wie es anders laufen könnte. Dort müssen Unternehmen seit April für Getränke mit mehr als fünf Prozent Zucker 18 britische Pence pro Liter bezahlen, ab acht Prozent sind es sogar 24 Pence.

Viele Hersteller senkten den Zuckergehalt daraufhin drastisch. Während Fanta zuvor beispielsweise 6,9 Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthielt, sind es heute 4,6 Gramm. Zum Vergleich: Die deutsche Fanta kommt noch immer auf 9,1 Gramm pro 100 Milliliter. Bei Orangina war der Sprung noch größer. Hier senkte der Hersteller den Zuckergehalt in Großbritannien von 10 auf 4,3 Gramm Zucker pro 100 Gramm. In Deutschland enthält sie noch immer 10,3 Gramm pro 100 Milliliter.

Die Steuer in Großbritannien umfasst allerdings nur Zucker, Süßstoffe berücksichtigt sie nicht. Aus diesem Grund ersetzten viele Hersteller den Zucker durch die kalorienarmen Mittel. Das bewertet Foodwatch ebenfalls kritisch.

Weltgesundheitsorganisation: Nicht mehr als 25 Gramm Zucker pro Tag

"Unsere Marktstudie beweist: Coca-Cola und Co. haben in Deutschland bisher kaum Anreize, den Zuckergehalt in ihren Getränken zu senken", sagt Luise Molling von Foodwatch. "Wenn es Frau Klöckner ernst meint mit der Förderung gesunder Ernährung, muss sie eine Limo-Steuer nach britischem Vorbild auf den Weg bringen, die sowohl zucker- als auch süßstoffgesüßte Getränke umfasst." Bislang lehnt Ernährungsministerin Julia Klöckner eine Zuckersteuer ab und setzt auf die freiwilligen Vereinbarungen mit der Lebensmittelindustrie.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, pro Tag höchstens 25 Gramm Zucker zu sich zu nehmen. Dabei wird kein Zucker mitgezählt, der von Natur aus in Obst und Milch steckt. Gemeint ist dagegen Zucker, der Speisen und Getränken zugesetzt wird, sowie Zucker, der natürlicherweise in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten enthalten ist.

irb

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