Versuch Sprechende Zigarettenpackungen vermiesen das Rauchen

Packungen mit Schockbildern sollen künftig deutsche Raucher vom Griff zur Zichte abhalten - ein weltweiter Trend im Kampf gegen Nikotinmissbrauch. Schottische Forscher glauben, dass man noch effektiver warnen könnte: mit sprechenden Zigarettenpackungen.

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Die Aufregung über die Umsetzung von Raucherschutzgesetz und Tabakprodukt-Richtlinie der EU hat sich noch nicht gelegt, da naht schon die nächste Welle im Kampf gegen das Paffen. Bald dürften abschreckende Bilder die coolen Logos auf Zigarettenpackungen an den Rand drängen: 65 Prozent der Packungsfläche werden, wenn das EU-Parlament dem Plan im Herbst zustimmt, mit Fotos von Sterbenden, teerhaltigen Lungen und ums Leben kämpfenden Frühgeborenen bedeckt sein. Die EU würde damit einem Abschreckungstrend folgen, der sich seit einigen Jahren weltweit verbreitet.

Schottische Forscher glauben derweil, dass man noch deutlich effektiver warnen könnte und sollte. Denn der gemeine Raucher gilt als notorischer Realitätsverdränger. Dass Tabakkonsum der Gesundheit schadet, ist schließlich keine Neuigkeit. Doch die seit mehreren Jahrzehnten üblichen verbalen Warnungen werden von Rauchern weitgehend ignoriert. Bilder sind da schon effektiver, zeigen erste Studien über die Erfahrungen in Uruguay und erste vergleichende Studien über verschiedene Abschreckungsansätze. Trotzdem, meinen Forscher der Universität Sterling, sollte man in einer Weise warnen, bei der die Raucher nicht einfach wegsehen können.

Wer nicht sehen will, soll hören

Im Rahmen eines von der britischen Organisation Cancer Research UK finanzierten Projekts experimentieren die Schotten vom Centre for Tobacco Control der Uni Sterling mit verschiedenen Ansätzen, Rauchern die Abschreckungsbotschaft noch effektiver zu überbringen.

Versuche mit "Rauchen tötet"-Aufdrucken direkt auf den Zigaretten verliefen dabei weniger erfolgreich als der Grußkarten-Ansatz: Die Forscher bauten Sound-Chips, wie man sie von Geburtstagskarten kennt, in die Päckchen ein. Beim Öffnen der Packung bekamen die Versuchspersonen entweder verbal Kontaktnummern von Raucher-Hilfsorganisationen vorgeschlagen, oder eine kurze, knackige Botschaft: "Rauchen macht unfruchtbar!"

Bei einer ersten Versuchsreihe mit jungen Frauen zwischen 16 und 24 Jahren zeigten sich viele der Probandinnen von der sprechenden Packung beeindruckt - mehr als bei den Aufdrucken auf den Zigaretten.

Auftraggeber Cancer Research will mit den Studienreihen herausfinden, ob sich die modernen Methodiken des Marketing auch gegen das Produkt Tabak richten lassen. Dazu gehören neben Abschreckungsstrategien das Kommunizieren von gesünderen Lebensentwürfen.

Trend "Plain Pack": Horrorbilder auf fäkalfarbener Packung

Als erstes Land der Welt verpflichtete Uruguay im Jahr 2005 die Zigarettenhersteller dazu, neben geschriebenen Gesundheitswarnungen Abschreckungsbilder auf ihre Päckchen zu drucken. Der Tabakkonzern Philipp Morris klagt noch immer dagegen. Den Trend, den Uruguay damit ausgelöst hat, konnte das aber nicht aufhalten.

Australien ging noch einen Schritt weiter. Seit dem 1. Dezember 2012 gibt es dort nur noch Packungen zu kaufen, die zu 80 Prozent mit Abschreckungsbildern bedruckt sind - und den Markennamen ausschließlich ohne Logos und Farben in einheitlicher Schrift auf olivgrün-braunem Hintergrund zeigen dürfen. Zu der Farbe entschlossen sich die Australier auf Basis farbpsychologischer Studien: Sie gilt als unappetitlichste Kolorierung, die man finden konnte - höflich könnte man die Farbe mit "Dung" umschreiben.

Im Mai kündigte Irland an, dieser Strategie des "Plain Packaging" folgen zu wollen. Ähnliche Schritte werden zurzeit in zahlreichen Nationen diskutiert, rund 60 Länder haben sich mittlerweile der Abschreckungsstrategie mit Bildern angeschlossen. Auch die schottische Regierung hat sich bereits für die Einführung von "neutralen" Zigarettenpackungen ohne Markenfarben und -logos und mit Abschreckungsbildern ausgesprochen, wartet mit der Einführung aber noch bis zu einer gesamtbritischen Entscheidung.

Sprechende Zigarettenpackungen hingegen bleiben vorerst ein Experiment, die Versuchsreihen an der Uni Sterling gehen weiter. Dabei stehen zielgruppengenaue Ansätze im Fokus des Interesses - von der gezielten Ansprache verschiedener demografischer Gruppen bis hin zu regionalisierten Ansätzen mit in Dialekten gesprochenen Warnungen. Unmöglich scheint die Einführung solcher Audio-Päckchen keineswegs: Das Echo auf die ersten Studienergebnisse fiel seitens Gesundheits- und Anti-Nikotin-Lobbyorganisationen durchweg positiv aus. Das Forschungsprojekt läuft noch bis 2014.

insgesamt 118 Beiträge
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Emmi 02.07.2013
1. Zigarettenetuis...
Zigarettenetuis sind eine feine Sache: Schachtel mit Gruselbildern+Sound 1x öffnen, alle Stäbchen raus, ab ins Etui, Schachtel korrekt entsorgen, fröhlich rauchen!
Emmi 02.07.2013
2. Zigarettenetuis...
Zigarettenetuis sind eine feine Sache: Schachtel mit Gruselbildern+Sound 1x öffnen, alle Stäbchen raus, ab ins Etui, Schachtel korrekt entsorgen, fröhlich rauchen!
Privatier 02.07.2013
3. Werden Sie vernünftig! Sparen Sie Deppen-Steuer! Hören Sie auf zu rauchen! Sofort!
Zitat von sysopDPAPackungen mit Schockbildern sollen künftig deutsche Raucher vom Griff zur Zichte abhalten - ein weltweiter Trend im Kampf gegen Nikotinmissbrauch. Schottische Forscher glauben, dass man noch effektiver warnen könnte: Mit sprechenden Zigarettenpackungen. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/forscher-experimentieren-mit-tabak-abschreckung-per-audio-a-908944.html
Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr Finanzminister ...wäre doch gewiß eine selbstlose Ansprache der nutznießenden Obrigkeit an die suchtkranke Kundschaft... MfG
west120 02.07.2013
4. Stellt sich die Frage nach
dem JugendschutzGesetz. Lächerliche Filme werden ab 22 Uhr mit dem Hinweis bedacht das Sie für Jugendliche unter 16/18 nicht geeignet seien. Wie ist das dann mit den "Gruselbildern" ????? sind ja nicht gerade harmlose Realitätsbilder und wenn ein Krimi schon jugendgefährdent ist, erfüllen diese Bilder das Kriterium ohne Zweifel. Sollte mal ein kluger Rechtsanwalt aufgreifen.
cato. 02.07.2013
5. ...
Zitat von sysopDPAPackungen mit Schockbildern sollen künftig deutsche Raucher vom Griff zur Zichte abhalten - ein weltweiter Trend im Kampf gegen Nikotinmissbrauch. Schottische Forscher glauben, dass man noch effektiver warnen könnte: Mit sprechenden Zigarettenpackungen. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/forscher-experimentieren-mit-tabak-abschreckung-per-audio-a-908944.html
Das hat alles nichts mehr mit Aufklärung zu tun, um zu verhindern, dass sich jemand unwissentlich Schaden zufügt oder mit Schutz von Unbeteiligten, es geht darum mit Schikane die Lebensgewohnheiten der Menschen zu beeinflussen, ganz nach totalitärem Vorbild, um einen Menschen nach den Bedürfnissen einer Ideologie zu schaffen. Und nachdem man sieht wie Widerstandslos die Zivilgesellschaft diese Entrechtung der Raucher mitmacht wird man sicherlich auch bald zum Angriff auf andere Gruppen übergehen, die Kampagne gegen das Fleischessen ist ja schon im vollem Gange. Und erste Politiker kommen schon wieder aus ihren Löchern gekrochen um eine Impflicht durchzusetzen.
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