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Bubble Tea: Prickelnder Dickmacher

Foto: Jens Kalaene/ dpa

Modegetränk Ministerium geht Giftstoff-Fund in Bubble Tea nach

Das bunte Modegetränk Bubble Tea wird seinen schlechten Ruf nicht los. Aachener Chemiker fanden jetzt in Proben eines einzelnen Ladens Giftstoffe in den typischen Geschmacksperlen. Unklar ist, ob es sich um einen Einzelfall oder ein grundsätzliches Problem handelt.

Aachen - Bubble Tea macht dick. In einer typischen Portion der quietschbunten Mixgetränke können mehr als 500 Kilokalorien stecken. Zwar ist die Basis tatsächlich Tee, doch nachdem Milch, Sirup, Jellys und die Popping Bobas genannten Geschmacksperlen im Becher gelandet sind, hat die Brühe nur noch wenig mit dem kalorienfreien Namensgeber gemein. Wegen des Dickmacherpotentials steht Bubble Tea schon länger in der Kritik, Kinderärzte warnen auch vor Lungenentzündungen durch inhalierte Kügelchen.

Jetzt droht noch mehr Ärger: Das Modegetränk steht im Verdacht, giftige Inhaltsstoffe zu enthalten. Wissenschaftler der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen haben in den Geschmacksperlen gesundheitsschädliche verbotene Substanzen gefunden. Die Chemikalien stünden im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen oder Allergien auszulösen, bestätigte das Institut für Hygiene und Umweltmedizin der RWTH am Mittwoch einen Bericht  der "Rheinischen Post".

Die Forscher hatten neun Geschmacksrichtungen der Sirupperlen aus einer Filiale einer bundesweiten Bubble-Tea-Kette in Mönchengladbach unter die Lupe genommen. In allen Sorten fanden sie die giftigen Substanzen. In den Aromakugeln des Tees seien unter anderem Styrol, Acetophenon und bromierte Substanzen "in nicht geringer Konzentration" entdeckt worden. Die Stoffe sollen demnach bei unsauberer Herstellung von Aromastoffen entstehen. Die Kugeln stammten nach Angaben des Geschäftsführers des Bubble-Tea-Ladens von einem Großhersteller aus Taiwan.

Auf die in Lebensmitteln verbotenen Stoffe waren die Forscher bei einem Gerätetest des Mönchengladbacher Herstellers Leco gestoßen. Bisher seien dabei vor allem Kosmetikartikel auf Allergene untersucht, nun erstmals ein Lebensmittel analysiert worden. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach prüft, ob ein Anfangsverdacht einer Straftat vorliegt. Grenzwerte für die Stoffe gibt es nicht, da ihr Einsatz in Lebensmitteln generell verboten ist.

Giftstoffe waren ein Zufallsfund bei einem Gerätetest

Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums sagte SPIEGEL ONLINE, die von der Firma zur Verfügung gestellten Untersuchungsergebnisse reichten für eine Bewertung nicht aus. Das Ministerium nehme den Verdacht sehr ernst und würde Bubble Tea stichprobenartig untersuchen, sowohl auf die jetzt gefundenen Stoffe als auch darüber hinaus. Bis wann erste Ergebnisse vorliegen werden, konnte der Ministeriumssprecher noch nicht sagen.

Michael Soll vom Gerätehersteller Leco erklärt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, dem Unternehmen sei es nicht um eine Analyse der Konzentration von Giftstoffen in Bubble Tea gegangen. "Wir hatten eher Allergie auslösende Substanzen in Bubble Tea vermutet und die Kügelchen deshalb untersucht", sagt Soll. "Dass wir Substanzen wie Styrol, Acetophenon und bromierte Biphenyle finden, hat uns überrascht."

Daher könne Leco oder die RWTH dem Verbraucherschutzministerium nun auch keine Konzentrationsangaben zu den Giftstoffen in den Proben liefern, da keine Vergleichsproben mituntersucht wurden. Die Chemiker wissen nur, dass die Stoffe in den untersuchten Proben enthalten waren. Nach Solls Angaben können die Leco-Geräte (sogenannte 2D-Gas-Chromatografen) auch solche Substanzen in komplexen Proben wie den Bubble Teas aufspüren, nach denen nicht gezielt gesucht wird. Im Gegensatz dazu seien viele Labore nur in der Lage, bekannte Substanzen nachzuweisen und zu identifizieren, von denen vor dem Test bereits vermutet wird, dass sie in den Proben enthalten sind.

Ob eine mögliche Gefährdung für die Gesundheit besteht, lässt sich jedoch erst sagen, wenn es Angaben über die Konzentrationen der verbotenen Substanzen gibt. Das Ministerium teilte mit, es sehe sich aber in seiner kritischen Haltung zu Bubble Tea gestärkt.

Die Hochschule sei aufgefordert worden, Informationen über die betroffenen Chargen zur Verfügung zu stellen. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach prüft nach Informationen  der "Rheinischen Post" vom Donnerstag, ob ein Anfangsverdacht wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelschutzgesetz vorliegt. Die RWTH Aachen habe ihre Untersuchungsergebnisse bereits an die Polizei weitergeleitet. Die Zeitung berichtet auch, zumindest ein Lebensmittelimporteur würde den Import der Geschmacksperlen stoppen.

Die CDU im Landtag forderte den zuständigen Minister Johannes Remmel (Grüne) auf, über das Thema in der nächsten Sitzung des Verbraucherausschusses zu informieren. Bei Analysen im Saarland  waren bereits früher erhöhte Belastungen mit Keimen und fehlende Kenntlichmachung von Konservierungsstoffen in Bubble-Tea-Bars festgestellt worden. Eine Gesundheitsgefahr sei davon aber nicht ausgegangen. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) forderte bereits Anfang August, die Getränke mit einem Warnhinweis auf die Gefahr für Kleinkinder zu versehen, die sich an den erbsengroßen Kügelchen verschlucken könnten.

dba/dpa/dapd