Herz-Kreislauf-Fitness Kinder werden immer langsamer

Kinder rennen nicht nur langsamer, sie kommen auch nicht mehr so weit wie vor 30 Jahren. Das ist das Fazit einer Studie mit mehr als 25 Millionen 9- bis 17-Jährigen. Die immer schlechtere Fitness von Herz und Kreislauf bereitet Medizinern Sorge.
Laufende Kinder: 9- bis 17-Jährige sind weniger fit als vor 30 Jahren

Laufende Kinder: 9- bis 17-Jährige sind weniger fit als vor 30 Jahren

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Dallas - Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang: Sie spielen, sie toben, sie laufen, sie raufen. Und doch ist es offenbar mit der Fitness der Kinder nicht mehr so gut bestellt wie früher. In vielen Ländern, so das Fazit von Forschern, können Kinder nicht mehr so schnell oder weit rennen, wie ihre Eltern es im Kindesalter konnten. Dieses Ergebnis einer Analyse von 50 Studien aus 28 Ländern, darunter Deutschland, haben Experten auf dem renommierten Fachkongress der American Heart Association  in den USA präsentiert.

Demnach hat die Herz-Kreislauf-Fitness der Kinder seit 1975 abgenommen. Betrachtet man die Daten aus allen Ländern, ging die Ausdauer in jedem Jahrzehnt um etwa fünf Prozent zurück, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Trend könnte schwere Folgen haben: Wenn ein junger Mensch generell nicht fit sei, so der Gesundheitswissenschaftler Grant Tomkinson von der Universität von Südaustralien in Adelaide, steige die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im späteren Leben.

Mehr als eine Minute langsamer

Der Analyse zufolge sind Kinder etwa um 15 Prozent weniger fit als ihre Eltern in deren Jugend. Beim Laufen einer Meile (etwa 1,6 Kilometer) sind Kinder demnach heute etwa anderthalb Minuten langsamer als der Nachwuchs vor 30 Jahren. Dafür gibt es laut Tomkinson verschiedene Ursachen wie soziale oder körperliche Faktoren. In 30 bis 60 Prozent der Fälle könne der Trend mit einer Zunahme des Körperfetts erklärt werden.

"Junge Menschen können auf verschiedene Art und Weise fit sein", sagte Tomkinson. Sie könnten stark wie ein Gewichtheber oder beweglich wie ein Turner sein oder aber die Fähigkeiten eines Tennisspielers haben. Aber nicht alle diese Arten von Fitness hätten direkt etwas mit Gesundheit zu tun. Die wichtigste Form an Fitness für eine gute Gesundheit sei ein Herz-Kreislauf-System, mit dem man beispielsweise fähig sei, mehrere Runden im Stadion zu rennen.

Datenanalyse von mehr als 25 Millionen Kinder

Die Forscher nahmen sich Studien aus den Jahren 1964 bis 2010 vor. Sie enthielten Daten von mehr als 25 Millionen Kindern zwischen 9 und 17 Jahren. In den Studien ging es darum, wie schnell die Kinder eine bestimmte Strecke rennen oder wie weit sie in einer bestimmten Zeit laufen konnten. Die Tests dauerten in der Regel 5 bis 15 Minuten oder bezogen sich auf eine Strecke von einer halben bis zwei Meilen.

Zu den untersuchten Ländern gehörten Staaten aus allen Kontinenten. Auch Angaben aus Deutschland flossen mit ein: Laut Tomkinson handelt es sich um Ergebnisse aus Lauftests mit fast 2000 Kindern zwischen neun und zehn Jahren, die allerdings bereits in den Jahren 1985 bis 1999 gemacht wurden.

Die Ausdauer der Kinder in Deutschland sei in diesem Zeitraum um sechs Prozent pro Jahrzehnt zurückgegangen, das entspreche dem Fitness-Rückgang von Kindern in Australien und Neuseeland. Zum Vergleich: In den USA und Kanada ging die Ausdauer im selben Zeitraum um acht Prozent pro zehn Jahren zurück. In der Zeit zwischen 1970 und 2000 sank die Herz-Kreislauf-Fitness bei US-Kindern um sechs Prozent pro Jahrzehnt.

cib/dpa
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