Kühltransporte Viren und Bakterien fahren mit

Bei rund einem Drittel der Kühltransporte auf Deutschlands Straßen sind die Temperaturen zu hoch, melden Verbraucherschützer. In Kantinen wiederum sind die Töpfe nicht heiß genug. Und: Sushi-Algen überraschen mit hohem Schadstoffgehalt.

Kühlregal im Supermarkt: Löchrige Kühlketten
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Kühlregal im Supermarkt: Löchrige Kühlketten


Berlin - Gefahr durch Viren und Bakterien: Fast jeder dritte Kühltransport in Deutschland mit Fisch oder Fleisch ist zu warm. Das geht aus den jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BLV) hervor, die in Berlin vorgestellt wurden. Insgesamt 1450 Transportfahrzeuge mit leicht verderblichen Lebensmitteln wurden 2013 dazu kontrolliert. 13 Prozent der Fahrer kannten nicht einmal die vorgeschriebene Kühltemperatur.

Nach Angaben von Bernd Meyer, Vorstandsmitglied beim Landesverband der Lebensmittelkontrolleure Niedersachsen, kann eine unterbrochene Kühlkette verschiedene Folgen haben. "Dadurch ist zunächst einmal nicht mehr das Mindesthaltbarkeits- oder das Verbrauchsdatum gesichert. Die Ware kann früher verderben und ihre Produkteigenschaften verlieren." Wie kühl ein Transport sein muss, hängt auch vom Inhalt ab: So darf Rind- und Schweinefleisch höchstens sieben, Geflügel vier und Fisch maximal zwei Grad Celsius warm werden.

Ob die Kühlkette unterbrochen wurde, ist von außen nicht erkennbar. Selbst der Transport aus dem Supermarkt nach Hause kann ein Loch in die Kühlkette reißen. Am besten kommen die sensiblen Produkte wie Fisch und Fleisch direkt von der Theke in eine Kühltasche - und dann zu Hause schnell in den Kühlschrank. Außerdem empfiehlt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern, Gekühltes und Tiefgefrorenes wenn möglich ganz am Ende des Einkaufs in den Korb zu legen - auch wenn der Aufbau vieler Supermärkte das schwierig mache.

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Beim Kochen wiederum kann auch zu wenig Hitze dazu führen, dass Viren und Bakterien wachsen, wie eine weitere bundesweite Untersuchung zeigte. Von 1700 Kantinen - vor allem in Kitas und Schulen - erreichten 13 Prozent auf ihren Herden nicht die erforderliche Heißhaltetemperatur von 65 Grad Celsius. Diese ist aber durchgängig nötig, um Keime abzutöten. Je sieben Prozent der Kantinen hatten noch nicht einmal ein Warmhaltebecken oder Herd und Mikrowelle zum Aufwärmen der angelieferten Speisen.

"Die Ergebnisse der unterschiedlichen Überwachungsprogramme zeigen, dass nicht überall die erforderliche technische Ausstattung oder Fachkenntnis vorhanden ist", sagte BLV-Präsident Helmut Tschiersky.

Bei den gut 1,2 Millionen Betriebskontrollen des BLV wurde 2013 etwa jeder vierte Lebensmittelbetrieb beanstandet. "Die einzige Möglichkeit, die seit Jahren gleich hohe Beanstandungsquote endlich zu senken, ist die Veröffentlichung sämtlicher Kontrollergebnisse", sagt Luise Molling von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Die Vorsitzende der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz, Maria Dayen, ergänzt: "Das wäre der Sache bestimmt zuträglich. Aber die Bundesländer brauchen eine verbindliche Rechtsgrundlage."

Erstmals wurden vom BLV auch getrocknete Algen untersucht, wie sie etwa für Sushi verwendet werden und wegen ihres Jodgehalts bei Veganern beliebt sind. Sie enthielten jedoch vergleichsweise hohe Gehalte an Blei, Cadmium, Aluminium und Arsen, warnte das Bundesamt und riet Algenfans zu abwechslungsreicher Ernährung.

In Deutschland infizieren sich jährlich mehr als 100.000 Menschen beim Essen mit Krankheitserregern. Die Bakterien, Viren oder Parasiten führen häufig zu Magenkrämpfen, Durchfall und Erbrechen.

joe/dpa

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cirkular 26.11.2014
1. Das Temperatur-Tracking gekühlter/gefrohrener
Lebensmittel ist heute kostengünstig möglich. Dann sieht auch der Enderbraucher, wenn die Kühlkette unterbrochen wurde. Der Verbraucher will es aber wohl gar nicht so genau wissen.
teflonhirn 26.11.2014
2. Kühlkette
Das Brüche in der Kühlkette nicht zu erkennen sind ist so nicht ganz richtig. Wenn das Germüse in der Tüte oder dem Karton nicht mehr lose ist sondern klumpt, kann man von einer Unterbrechung ausgehen. Wenn in Ihrem Supermarkt die Kühlpalette vor der Truhe steht, weil der Mitarbeiter für irgend was anderes eingesetzt wird, dürfen Sie zumindest von Desinteresse beim Thema ausgehen.
retourenpaket 26.11.2014
3. Energiesparwahn schuld am Übel?
Das Energiesparen wird leider häufig übertrieben. Da leben Familien im Mief und Bäder schimmeln, weil man die Temperaturen im Bad absenkt und die automatische Lüftung herunterregelt. Solaranlagenbetrieber züchten Legionellen in ihren Speichern. Kühlgut wird nicht ausreichend gekühlt, Gerichte nicht ordentlich durcherhitzt. A++ Trockner trockenen nur noch in den extrem-Programmen, A++ Waschmaschinen machen nur noch sauber, wenn man Extra-Wasser und Extra-Energie voreinstellt, die 95°C Waschtemperatur werden trotz Einstellmöglichkeit nie erreicht. Man könnte meinen Vieren, Bakterien und Schimmelpilze hätten die CO2 und Energiespardiskussion durch intensives Lobbying aus der Taufe gehoben.
Schreiber5.1 26.11.2014
4. Unbeachtete Bakterien!
Keime habe vielfältigere, oft wenig beachtete Wege! Was mindestens genauso schlimme Folgen hat und von der Mehrheit der Menschen in diesem unserem Lande völlig verharmlost wird, ist die nahezu täglich zu beobachtende Tatsache, dass Menschen nahezu aller Altersklassen ihre Kinder mit ihren dreckigen Straßenschuhen in die Einkaufswägen der Supermärkte stellen. Ist ja schließlich sooo bequem! Dann allerdings nicht etwa in den dafür vorgesehenen klappbaren Kindersitz, sondern genau in die Wagenflächen, in die die nachfolgenden Kunden dann wieder ihre Lebensmittel legen werden, die anschließend in ihren Kühlschränken landen. Wer schon einmal etwas von Giardien gehört hat, der weiß: Giardien (Giardia) sind eine Gattung von mikroskopisch kleinen Dünndarm-Parasiten. Sie werden, ähnlich wie Kokozidien, traditionell zu den Protozoon gezählt. Das heißt, es sind heterotrophe ("tierische") Einzeller. Sie kommen weltweit bei einer Vielzahl von Säugetieren, aber auch bei Amphibien, Reptilien und Vögeln vor. Für den Menschen stellen sie als Zoonoseerreger eine ernste Gefahr dar. Aber auch jede Menge Bakterien werden auf diesem Wege in den Lebensmittelkreislauf geschleust! Es gibt im Lebensmittelhandel Hygienevorschriften, die sehr streng sind und natürlich sehr genau beachtet werden müssen (sofern Ehrlichkeit noch zählt!)! Für die Einkaufswägen gibt es scheinbar gar nichts und man fragt sich ernsthaft, welcher Kunde kommt nach dem Einkauf nach hause und desinfiziert als erstes seine gekauften Lebensmittel, weil lernresistente Mitbürger zuvor ihre Kinder mit verdreckten oder verseuchten Straßenschuhen im Einkaufswagen der Supermärkte hatten? Die Lebensmittel kommen wie gewohnt in den Kühlschrank, später auf den Esstisch und am Ende fragen sich die Menschen, wie kommt es, dass ich jetzt plötzlich schwere Bauchkrämpfe mit Durchfallerkrankung habe? Was war nun wieder nicht in Ordnung? Genauso ist auch nicht auszuschließen, dass Menschen mit schwachem Immunsystem an Durchfallerkrankungen sterben. Anschließende Ursachenforschung bleibt allerdings aus. Das war´s, es kommt die letzte Reise!
benedetto089 26.11.2014
5.
"In Deutschland infizieren sich jährlich mehr als 100.000 Menschen beim Essen mit Krankheitserregern. Die Bakterien, Viren oder Parasiten führen häufig zu Magenkrämpfen, Durchfall und Erbrechen." Wenn in einem Land mit über 80 Mio. Einwohnern pro Jahr 100.000 einmal mehr oder weniger kurz oder lang auf die Schüssel müssen, glaub ich haben wir wichtigere Probleme.
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