Krebsrisiko Gute Nachricht für Kaffeetrinker

Kaffee ist ungesund? Von wegen! Die Organisation, die Wurst als krebserregend eingestuft hat, gibt beim Kaffee weitgehend Entwarnung. Nur zu heiß sollte er nicht getrunken werden.
Kaffee - gesünder als viele denken

Kaffee - gesünder als viele denken

Foto: Kevork Djansezian/ Getty Images

Lange wurde Kaffee kritisch beäugt. Es hieß, er entziehe dem Körper Wasser, dann mache das enthaltene Koffein süchtig, und dazu kam die Vermutung, das Getränk könnte das Blasenkrebsrisiko erhöhen.

Inzwischen gibt es jedoch weitgehend Entwarnung: Gesunde Erwachsene vertragen so viel Koffein, dass sie bedenkenlos vier bis fünf Tassen Espresso am Tag trinken können. Und der Verdacht mit dem Blasenkrebs hat sich nicht erhärtet.

Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) hat den aktuellen Stand der Forschung zusammengefasst und kommt zum Schluss: Kaffee wird in der Kategorie 3 "nicht einzustufen" einsortiert. Zur vollständigen Entwarnung, also einer Einstufung in Kategorie 4 "nicht krebserregend", reichte die Datenlage dann doch nicht aus.

"Wir haben mehr als tausend Studien ausgewertet. Einige deuteten auch in die Richtung, dass Kaffee zum Beispiel die Leber eher schützt", sagt Dirk Lachenmeier vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe. Der Lebensmittelchemiker und Toxikologe war an der Risikoeinschätzung der IARC zu Kaffee, Matetee und sehr heißen Getränken beteiligt. Aber mögliche schützende gesundheitliche Effekte bewerte die IARC nicht, sie konzentriere sich im sogenannten Monographs-Programm auf Krebsgefahren.

Nicht zu heiß trinken

Die IARC warnt allerdings vor dem Genuss von Getränken, die mehr als 65 Grad warm sind. Ihrer Übersicht zufolge erhöht dies das Risiko für Speiseröhrenkrebs. In Ländern, in denen Tee sehr heiß konsumiert wird, gibt es ungewöhnlich viele Fälle von Speiseröhrenkrebs. Die heiße Flüssigkeit kann zu Verletzungen in der Speiseröhre führen und dadurch die Krebsentstehung fördern, so die Annahme. Die Organisation stufte "sehr heiße Getränke" in Kategorie 2A ein - nennt sie also "wahrscheinlich krebserregend".

Lachenmeier: "In England wird der Tee typischerweise mit einer Temperatur um 60 Grad Celsius getrunken. Dort gibt es keine erhöhten Speiseröhrenkrebsraten. In Brasilien dagegen wird Matetee sehr heiß und oft noch durch einen Metallstrohhalm getrunken. Das erhöht wahrscheinlich das Risiko für Speiseröhrenkrebs."

Nicht übermäßig heißer Matetee findet sich dagegen, wie nun auch Kaffee, in Kategorie 3.

Wie stark das Krebsrisiko durch den Konsum sehr heißer Getränke ansteigt, ist durch die Einstufung nicht gesagt. Die IARC gibt lediglich eine Einschätzung dazu ab, ob etwas das Krebsrisiko erhöht und wie gut dies wissenschaftlich belegt ist. Sie sagt nichts dazu, wie stark das Risiko steigt. Das erklärt, dass zum Beispiel Wurst, Sonnenstrahlen und Plutonium alle in derselben Kategorie (1, "krebserregend") stehen, obwohl sie nicht gleichermaßen gefährlich sind.

In Deutschland erkranken nach Angaben des Robert Koch-Instituts pro Jahr etwa 6500 Menschen an Speiseröhrenkrebs. Als wichtigste Risikofaktoren für das Plattenepithelkarzinom in der Speiseröhre gelten Alkohol- und Tabakkonsum. Die etwas selteneren Adenokarzinome entstünden häufig im Zusammenhang mit chronischem Sodbrennen.

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Foto: JOE RAEDLE/ AFP
wbr

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