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24. April 2018, 18:29 Uhr

Ausdauer

Kinder sind so fit wie Spitzensportler

Sie hüpfen, sprinten, toben und werden einfach nicht müde: In Sachen Ausdauer können es Kinder sogar mit Spitzen-Triathleten aufnehmen, zeigt eine neue Studie. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Wenn die Erwachsenen längst nicht mehr können, ihre Beine müde sind vom Anschieben des Bobby-Cars, sie sich nach der Verfolgungsjagd einfach nur mal kurz hinsetzen wollen, rennen und springen die Kinder oft noch rastlos ums Sofa. Wo nehmen sie all diese Energie her?

Einen Teil der Antwort haben Forscher bereits gefunden. Der Kinderkörper ist extrem gut darin, Energie bereitzustellen. Ob es bei Versuchen um intensives Strampeln auf dem Fahrrad ging, um kurze Sprints oder auch Hochsprünge - in vielen Studien in der Vergangenheit hängten Kinder vor der Pubertät junge Erwachsene ab. Jetzt haben französische Wissenschaftler um Sébastien Ratel der Université Clermont Auvergne gezeigt, dass sich zehnjährige Jungs in Sachen Ausdauer und Erholung sogar mit Leistungssportlern messen können.

Für ihre Studie ließen die Forscher drei Gruppen auf dem Ergometer gegeneinander antreten:

Alle mussten bei einem sogenannten Wingate-Test 30 Sekunden lang so stark in die Pedale treten, wie sie nur konnten. Währenddessen und anschließend beobachteten die Forscher verschiedene Werte, wie sie in der Fachzeitschrift "Frontiers in Physiology" berichten.

Schneller erholt, mehr Sauerstoff genutzt

Dabei achteten die Wissenschaftler unter anderem darauf, welche Energiequellen der Körper der Versuchsteilnehmer nutzte. Im besten Fall gewinnt der Körper seine Energie auch bei Anstrengungen aerob, also mithilfe von Sauerstoff aus dem Blut. Fordern wir unsere Muskeln jedoch so sehr, dass der Sauerstoff ausgeht, stellt der Körper auf eine anaerobe Energiegewinnung um. Diese ist weniger effizient, außerdem entstehen dabei Abfallstoffe wie Laktat, die den Muskel ermüden.

Je trainierter ein Mensch ist, desto länger kann er im aeroben Bereich durchhalten. Diese Fähigkeit beobachteten die Forscher auch bei den eigentlich nicht trainierten Kindern: Ihre Körper konnten bei der Energiegewinnung deutlich länger auf Sauerstoff setzen als die Körper der untrainierten Erwachsenen. Dadurch ermüdeten sie selbst bei extremer Anstrengung nicht so schnell - ähnlich wie die Ausdauersportler.

In einem zweiten Teil beobachteten die Forscher außerdem, wie schnell sich die Körper der Teilnehmer von der Anstrengung erholten. Dafür erfassten sie unter anderem die Herzfrequenz und die Laktatmenge im Blut. Bei allen Tests übertrafen die Kinder die untrainierten, jungen Erwachsenen. Ihr Herz beruhigte sich schneller, ihr Körper beseitigte früher das Laktat aus dem Blut. "Sie erholten sich sehr schnell - sogar schneller als die Ausdauerathleten", sagt Forscher Ratel.

Die Nachteile der Kinder: Kürzere Schritte, schlechte Bewegungen

In früheren Studien hatten Forscher außerdem noch einen Trumpf entdeckt, der direkt in den Kindermuskeln steckt: Im Vergleich zu Erwachsenen besitzen die kleinen Körper verhältnismäßig viele dunkle Muskelfasern, die zwar langsamer auf Reize ansprechen, dafür aber auch viel langsamer ermüden.

Mit ihren Vorteilen können Kinder ausgleichen, was sie an anderen Stellen einbüßen. "Bei vielen sportlichen Aufgaben müssten Kinder eigentlich früher müde werden als Erwachsene, weil sie nur begrenzte Herz-Kreislauf-Kapazitäten haben, ihre Bewegungsabläufe tendenziell weniger effektiv sind und sie mehr Schritte brauchen, um eine Distanz zu überwinden", sagt Ratel.

Aus dem Wissen wollen die französischen Forscher auch ganz praktisch Nutzen ziehen. "Viele Eltern fragen, was der beste Weg ist, das sportliche Potenzial ihrer Kinder zu fördern", sagt Ratel. "Unsere Studie zeigt, dass die Muskelausdauer bei Kindern oft schon sehr gut ausgeprägt ist. Deshalb könnte es gut sein, sich auf andere Bereiche zu fokussieren - etwa die Sporttechnik, die Sprintgeschwindigkeit oder die Muskelkraft."

irb

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