Gesundheitscheck Wie genau messen neue Körperfettwaagen?

Wasser, Fett, Muskeln, Knochen - Körperanalyse-Waagen geben Auskunft darüber, wie der Organismus zusammengesetzt ist. Doch wie zuverlässig sind die Messwerte? Und was bringt einem dieses Wissen überhaupt?
Von Tim Hollstein
Person auf der Waage

Person auf der Waage

Foto: Getty Images/iStockphoto

Wie groß ist der Anteil der Fettmasse in meinem Körper? Habe ich genug Muskeln? Ist mein Körper ausreichend mit Wasser versorgt und wie viel Knochenmasse besitze ich? Neue Personenwaagen, die die Körperzusammensetzung messen, sollen all diese Fragen beantworten können. Und sie geben Auskunft über das gefährliche innere Bauchfett. Aber stimmen die Messwerte auch?

Körperfettwaagen messen mit der sogenannten Bioimpedanz-Methode (BIA): Sie schicken einen kleinen Stromimpuls durch den Körper, typischerweise von Fuß zu Fuß. Da unser Körper zu 70 Prozent aus Wasser besteht, leitet er den Strom ohne großen Widerstand weiter. In Fettzellen hingegen befindet sich viel weniger Wasser, sie leiten daher schlechter und der Stromwiderstand ist höher. Anhand dieses Prinzips kann die Körperzusammensetzung über komplizierte Formeln geschätzt werden.

In ihren Werbebroschüren versprechen die Hersteller präzise Analysen. Stefan Kabisch, Forscher am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke, sieht das eher skeptisch: "Diese Waagen sind relativ ungenaue Verfahren zur Körperfettbestimmung", sagt er. Gemeinsam mit seinem Team führt Kabisch Diät-Studien durch, bei denen die Körperzusammensetzung sehr genau gemessen werden muss.

Teilweise bis zu zehn Prozent Abweichung

Der Forscher bemängelt, dass die Geräte insbesondere den Fettanteil ungenau messen, in einigen Fällen gebe es Abweichungen von bis zu zehn Prozent. Hat eine Frau also beispielsweise 30 Prozent Körperfett, dann könnte eine Waage fälschlicherweise 27 oder 33 Prozent anzeigen. Speziell das problematische innere Bauchfett, ein wichtiger Risikofaktor für Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, werde von den Geräten zudem systematisch unterschätzt, so Kabisch: Da das Fett mittig im Körper liege, werde es vom Messstrom kaum durchflossen.

Auf Anfrage des SPIEGEL geben die Hersteller Tanita, Beurer, Omron und Withings an, dass ihre Geräte tatsächlich keine hochpräzisen Ergebnisse lieferten. Durch Fortschritte in der Messtechnik lägen die Abweichungen bei korrekter Anwendung heutzutage allerdings deutlich unter zehn Prozent. Die Hersteller InBody und iTeknic antworteten nicht auf die Anfrage.

Das US-amerikanische Verbrauchermagazin "Consumer Reports" - vergleichbar mit unserer Stiftung Warentest - hat den Waagen in einem umfangreichen Test  aus ähnlichen Gründen keine besonders guten Noten ausgestellt.

Besser messen mit leerer Blase

Mit ein paar Tricks lässt sich die Messgenauigkeit allerdings erhöhen. Kabisch empfiehlt, immer unter den gleichen Bedingungen zu messen: "Am besten morgens direkt nach dem Aufstehen, nach dem Toilettengang, vor der Medikamenteneinnahme, ohne Armbanduhr oder Halskette". Eine volle Blase etwa, ein voller Magen oder anliegender Schmuck können den Stromfluss durch den Körper verändern.

Auch wichtig: Die Füße sollten stets mit deutlichem Abstand auf der Waage stehen, sodass sich die Oberschenkel möglichst nicht berühren. Auch die Arme sollten leicht abgespreizt sein. Wichtig: Menschen mit Herzschrittmachern sollten die Geräte nicht benutzen.

Geeignet zum Selbstvergleich

Fraglich ist allerdings, wie relevant die Ungenauigkeiten für den Alltag sind. Für Verbraucher ist auf Dauer möglicherweise gar nicht der exakte Fettanteil entscheidend, sondern vielmehr die Veränderung. "Die Waagen eignen sich eher dazu, die Entwicklung des eigenen Körperfettanteils über die Zeit zu verfolgen", meint Kabisch.

Wer ganz genau wissen will oder muss, wie der eigene Körper zusammengesetzt ist, kann das mittels Magnetresonanztomografie (MRT) bestimmen lassen. Auch die Messung mit niedrigdosierten Röntgenstrahlen (Dexa) oder der sogenannten Luftverdrängungsplethysmografie sind sehr genau. Einige Arztpraxen mit Spezialisierung auf Fettleibigkeit besitzen solche Geräte. Der Preis für so eine Messung kann jedoch bis zu hundert Euro betragen.

Alternative: BMI und Bauchumfang

Wer sich eine Körperfettwaage nicht kaufen will, kann grob auch mithilfe einer herkömmlichen Waage und eines Maßbandes bestimmen, ob er oder sie zu viel Bauchfett hat: Benötigt werden nur das Körpergewicht, die Körpergröße und der Bauchumfang. Die ersten beiden Werte dienen zur Bestimmung des Body-Mass-Index (BMI), er beschreibt das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße.

Ein normaler BMI liegt für die meisten Menschen hierzulande zwischen 18,5 und 25,0. Ab einem Wert von 25 gilt man als übergewichtig, ab 30 sogar als fettleibig.

Zwei Nachteile hat der BMI jedoch: Er unterscheidet nicht zwischen Muskel- und Fettgewebe. Muskulöse Menschen werden daher fälschlicherweise als übergewichtig eingestuft. Und er gibt keine Auskunft über das gefährliche Bauchfett.

Hier hilft die Messung des Bauchumfangs. Ein Wert über 80 cm gilt bei Frauen als bedenklich. Männer sollten 94 cm nicht überschreiten. Laut Kabisch sollte die Messung aber von einer erfahrenen Person durchgeführt werden. "Denn Abweichungen von 10-20 Zentimetern sind bei Ungeübten keine Seltenheit", so der Experte.

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