Achilles' Verse Posen, Jammern, Auffallen

Facebook-Selfie, neonfarbene Schuhe, Staffelwettkämpfe - Anna Achilles ist zwar noch Laufanfängerin, doch eine Lektion hat sie bereits gelernt: Um sportlich zu wirken, muss man längst nicht sportlich sein. Zehn Tipps für die beste Eigenvermarktung.
Hobbysportlerinnen beim Laufen: Nur Trainingseinheiten, die bei Facebook mitgeteilt werden, haben auch wirklich stattgefunden

Hobbysportlerinnen beim Laufen: Nur Trainingseinheiten, die bei Facebook mitgeteilt werden, haben auch wirklich stattgefunden

Foto: Corbis

Eigentlich ist Anna Achilles, die Nichte vom selbsternannten Wunderläufer Achim Achilles, noch grün hinter ihren Läuferohren - und von sportlichen Sensationsrekorden weit entfernt. In Sachen Eigenvermarktung kennt sie sich aber schon bestens aus. Ihre Ratschläge, wie man vom Laufnovizen zum beachteten Hobbysportler wird:

Tipp 1: Das Trainingsprojekt öffentlich bekannt machen

Zunächst einmal gilt: ein Ziel festlegen. Ob Ironman auf Hawaii oder Eschweiler Volkslauf - darauf kommt es nicht an. Wichtiger ist es, möglichst vielen Freunden und Bekannten vom sportlichen Vorhaben zu erzählen. Das erzeugt Druck und erhöht die Chance, dass man das Ziel auch wirklich erreicht. Je mehr Menschen also über das Trainingsprojekt Bescheid wissen, desto sportlicher wird man. Denn wer sich nicht blamieren will, muss trainieren.

Tipp 2: Das Trainingsprojekt benennen

Wer Erfolg haben will, muss sich gut präsentieren können. So ist das im wahren Leben und auch im Sport. Das Trainingsprojekt braucht deshalb einen wohlklingenden Namen. Ich zum Beispiel habe mir vorgenommen, Liegestütze zu trainieren. Aber mal ehrlich: "Anna übt jetzt Liegestütze" klingt eher nach Lach- und Sachgeschichten als nach ernsthaftem Trizepstraining. Deshalb: das Ziel mit einer Prise Dramatik aufpeppen. "Annas Liegestützkampfansage"  - klingt schon viel besser.

Tipp 3: Trainingsfortschritte auf Facebook mitteilen

Nur Trainingseinheiten, die bei Facebook mitgeteilt werden, haben auch wirklich stattgefunden. Deshalb mindestens dreimal am Tag die Welt über die neuesten Fortschritte informieren. Hier zählt nicht Qualität, sondern vor allem Quantität. Je mehr Posts auf Facebook, desto sportiver der Urheber. Was immer geht: Foto-Selfie vor dem Laufen, nach dem Laufen, mit anderen Lauffreunden zusammen, Foto vom Lauf-Outfit, Selfie mit Marathon-Startnummer, Motivationssprüche. So wird man garantiert einige seiner Facebook-Freunde los.

Tipp 4: Neonfarbene Funktionskleidung tragen

Moderegel Nummer eins: Hauptsache grell und bunt. Im Sportgeschäft strahlt es neonfarben von den Schuhregalen. Wer in seinem Lauf-Outfit wie ein schriller Vogel aussieht, hat alles richtig gemacht. Er beweist nicht nur ein Händchen für Haute Couture, sondern auch für die Werte des Sports. Zwar läuft man in Funktionsfaser vielleicht nicht unbedingt schneller, sieht aber auf jeden Fall sportlicher aus.

Tipp 5: An Staffelwettkämpfen teilnehmen

Der Vorteil an Teamwettbewerben: Die anderen Staffelteilnehmer verschleiern das eigene Unvermögen. Am Ende zählt nicht die Einzelleistung, sondern die Gesamtzeit. Falls doch mal jemand nachfragt, wie schnell man die fünf Kilometer gelaufen ist, schiebt man die schlechte Zeit ganz einfach auf den Staffelpartner. Was auch immer als Ausrede durchgeht: "Ich wäre ja eigentlich viel schneller gewesen, aber mein Staffelpartner hat mich nicht gefunden." Hätte er sich mal an Moderegel Nummer eins gehalten.

Tipp 6: Die wichtigsten Trendsportarten kennen

Weist man in Gesprächen immer wieder mal auf Trendsportarten hin, zeugt das von einem allgemeinen Sportwissen. Das macht einen schlagartig sportlicher - selbst wenn man weder Crossfit, Piloxing oder Voguing jemals ausprobiert hat. Oft reicht es, wenn man einen Artikel darüber gelesen oder ein Video davon angesehen hat.

Tipp 7: Andere Sportarten niedermachen

Immer daran denken: Nur die Sportart, die man selbst betreibt, ist die wahre und einzigartige. Auf andere Sportarten darf man ruhig herabsehen. Triathleten belächeln Läufer. Ballsportler gähnen bereits, wenn sie nur das Wort "Ausdauersportart" hören. Und für Läufer ist jede andere Sportart prinzipiell weniger anstrengend als die eigene.

Tipp 8: Jammern über Sportler-Wehwehchen

Ein Sportler ohne Wehwehchen  ist kein echter Sportler. Das Jammern über den Rücken, das Knie oder die Achillessehne gehört quasi zum Aufwärmprogramm eines jeden Läufers. Was ebenfalls gut ankommt: Lila angelaufene Zehennägel. Zeugt von intensivem Training. Dass die Schuhe eine Nummer zu klein waren, sollte an dieser Stelle aber lieber verschwiegen werden.

Tipp 9: Die Pulsuhr zu Hause lassen

Ohne Pulsuhr zu laufen hat einen entscheidenden Vorteil: Man weiß nicht, wie schnell man gelaufen ist. Das Gute daran: Man ärgert sich nicht über eine zu langsame Zeit und behält seine gute Laune. Ein glücklicherer Sportler ist auch ein erfolgreicherer Sportler.

Tipp 10: Regenerieren statt Ausruhen

Ein erfolgreicher Sportler ruht sich nie aus. Erholungsphasen bezeichnet er als "Regeneration". Das klingt viel sportlicher. Auf diese Weise geht sogar Fernsehschauen, ein Buch lesen und das Rumgammeln auf dem Sofa als sportliche Betätigung durch.

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