Sportschuh-Modelle Welcher Laufschuh passt zu mir?

Brauch ich einen, der mich stützt? Oder den lockerleichten Spaßmacher? Für die Partnersuche gibt es Onlinebörsen, für Schuhe leider nicht. Lauf-Guru Achim Achilles präsentiert drei Lieblingsmodelle - alle von Nischenherstellern.


Laufschuhe sind wie Cocktails - bunt, teuer, und manchmal tut am nächsten Tag was weh. Es gibt Traditionalisten, die seit Jahren das gleiche Modell bestellen; es gibt Avantgardisten, die jeden Trend mitmachen. Und Styler mit Niveau, die sich heute nicht mehr über Autos differenzieren, sondern über professionell wirkendes Laufschuhwerk, das für Kontaktgarantie im Biergarten sorgt.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 32/2015
Hirnforschung: Wie Bewegung das Denken verbessert

Zugleich sind viele verunsichert vom Gewirr der Farben, Materialien und Begriffe. Selbst erfahrene Läufer stehen immer wieder vor dem Konflikt: noch mal die seit Jahren bewährten Treter anschaffen, sofern das Modell überhaupt noch angeboten wird? Oder doch mal was Abgefahrenes wagen? Grundsätzlich gilt: Richtig schlechte Laufschuhe gibt es kaum noch. Was Verarbeitung, Haltbarkeit und Komponenten angeht, haben sich die meisten Modelle in den vergangenen Jahren stark angenähert.

Da aber jeder Fuß in Kombination mit Laufstil, Körpergewicht und Trainingszustand einen ganz individuellen Bedarf hat, können ein paar Millimeter Spielraum im Zehenbereich oder beim Höhenunterschied zwischen Ferse und Ballen einen gewaltigen Unterschied bedeuten. Der Laufmarkt ist so vielfältig wie seine Kunden und bringt immer neue oder neuverpackte Modelle hervor. Hier drei bemerkenswerte Newcomer.

Hoka One One Huaka

Für Asphaltläufer: Sieht aus wie ein Klotz, ist aber schnell
achim-achilles.de

Für Asphaltläufer: Sieht aus wie ein Klotz, ist aber schnell

Was ist das denn für einer? Ein trojanischer Treter. Sieht aus wie ein Klotz am Bein, ist aber ein leichter, schneller Schuh für kurze und lange Läufe, vor allem auf Asphalt. Gerade bei Triathleten beliebt zur Regeneration. Schnellschnürsystem.

Wer steckt dahinter? Just zu der Zeit, als die Laufgemeinde im Natural-Fieber nur noch bessere Socken trug, kam das Lauf-Startup Hoka mit einer komplett gegenläufigen Strategie. Die Entwickler packten nahezu doppelt so viel Material zwischen Fuß und Weg wie bei herkömmlichen Leichtgewichten. Überzeugt vom Konzept übernahm der Outdoor-Gigant Deckers (Teva, UGG) die Hoka-Maximalisten 2013.

Und? Was ist jetzt so besonders? Dämpfung, Baby, Dämpfung. Hoka spendiert ein muggeliges Fußbett, hat die Sohle wie bei den zeitweise modernen MBT-Galoschen in eine nahezu halbrunde Form gebracht und verleiht einige Zentimeter Körpergröße. Dabei ist der Schuh sehr leicht.

Wer trägt sowas? Leo Manzano, Silber bei Olympia in London über 1500 Meter oder die 100-Meilen-Legende Karl Meltzer, Ultraläufer, Triathleten, andere notorische Finisher-Shirt-Träger und nordkoreanische Diktatoren, die auch ihre Tolle hochföhnen, um größer zu wirken.

Gesamteindruck? Was macht der Designer wohl hauptberuflich?

Ach ja, der Preis: 105 bis 150 Euro


On Cloudsurfer

Der Besondere: Kombination aus Luftkissen und brettharter Sohle
achim-achilles.de

Der Besondere: Kombination aus Luftkissen und brettharter Sohle

Was ist das denn für einer? Sieht erst mal seltsam aus. In der Sohle sind offene Luftkissen eingebaut, was ebenfalls die Körpergröße streckt. Erster Eindruck: vorsichtig losrennen, sonst geht was kaputt. Stimmt aber nicht. Insgesamt sehr stabil.

Wer steckt dahinter? Wieder mal Tüftler, die nichts Geringeres versprechen, als den Laufschuh völlig neu zu erfinden. In diesem Fall der dreimalige Duathlon-Weltmeister und mehrfache Ironman-Sieger Olivier Bernhard aus der Schweiz. Inzwischen sind On-Schuhe vom spöttisch beäugten Freak-Treter zum allgemein akzeptierten Schuhwerk geworden.

Und? Was ist jetzt so besonders? Bernhards Idee basiert auf dem eigentlich Unmöglichen, nämlich Dämpfung, also Weichheit, zu kombinieren mit einer brettharten Sohle, die einen kraftvollen Abstoß ermöglicht. Die von einem Schweizer Ingenieur entwickelten Luftkissen dämpfen bei der Landung vertikale und horizontale Stöße. Derart zusammengepresst schaffen sie beim Abdruck eine harte Basis. Man sollte keine Wunderdinge erwarten, aber interessant ist das Laufgefühl allemal.

Wer trägt sowas? Marathon-Altmeisterin Tegla Loroupe, die Triathleten Caroline Steffen, Andreas Dreitz und Frederik van Lierde, das Schweizer Formel-1-Team von Sauber und Breitensportler, die mal was Neues wagen.

Gesamteindruck? Ja, diese Schuhe sehen auf den ersten Blick wie Spielkram aus. Minimalisten wenden sich ab. Designer hingegen sind ganz angetan.

Ach ja, der Preis: 130 bis 160 Euro.


Runnertune Pace

Aus einer Manufaktur in Franken: Ethisch korrekt und maßangefertigt
achim-achilles.de

Aus einer Manufaktur in Franken: Ethisch korrekt und maßangefertigt

Was ist das denn für einer? Es gibt Schuhe von der Stange fürs Volk. Für die feinere Gesellschaft wird maßgeschneiderte Ware angeboten.

Wer steckt dahinter? Michael Hackner, Diplom-Ingenieur für Schuhtechnik und begeisterter Läufer. Mit einer Handvoll Experten seiner Manufaktur will er die besten Laufschuhe überhaupt herstellen. Runnertune heißt sein Unternehmen aus Hilpoltstein, einem Nest in Franken, wo früher viele Schuhmacherbetriebe arbeiteten und sich seit Generationen Triathleten zusammengerottet haben.

Und? Was ist jetzt so besonders? Mittelfränkische Maßarbeit. Vorab bekommt man sogenannten Trittschaum zugeschickt, um einen Abdruck der Füße zu erstellen. Die neuen Schuhe müssen geduldig eingelaufen werden - das ist ebenso ungewohnt wie ein ethisch korrektes, ökologisch schlaues, haltbares und sogar reparaturfähiges Schuhwerk. Wer bereits ein Vermögen zu Physiotherapeuten getragen hat und dann plötzlich schmerzfrei läuft, den wird die Investition in maßgefertige Laufschuhe nicht schrecken.

Wer trägt sowas? Bislang ist noch kein Ausrüstervertrag bekannt. Runnertunes sind vor allem für Menschen, die Wert auf regionale Produkte mit humanen Arbeitsbedingungen legen, auf hochwertige und unbedenkliche Materialien wie die smarte Korksohle sowie den reduzierten Retro-Schick.

Gesamteindruck? Die Älteren kennen noch die unverwüstlichen Brüttings oder erinnern sich an die ebenfalls in Deutschland gefertigten Puristentreter von Laufsport Lunge. Die Runnertunes sind schlicht, ohne optischen Schnickschnack. Futter für Puristen, die schon Burmester-Verstärker und Zimmerli-Unterhemden besitzen und Dieter Rams verehren.

Ach ja, der Preis: 399 Euro.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.



insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cor 03.08.2015
1. 399€
Humane Arbeitsbedingungen hin oder her. 400 Tacken für einen Laufschuh, der in spätestens 800-1000 km sowieso den Geist aufgibt, ist einfach indiskutabel.
order66 03.08.2015
2. Nichts wird mehr überbewertet
als der Laufschuh......
taglöhner 03.08.2015
3.
Es geht auch weniger exklusiv. Ob (noch) Stütze oder nicht, sieht man seinen "Alten" ja an. Wer nach den langen Läufen immer schmerzende Zehen hat, kann es auch mal mit weniger, statt mehr Dämpfung probieren. Vielleicht nicht gerade Anfänger oder Schwergewichte. Und: mit 3-4 Paar Mauerblümchen vom Grabbeltisch, abwechselnd genutzt, ist man oft mehr, als mit einem einzigen schmucken Star zum gleichen Preis. Ausprobieren! Mein Retter vor Schmerzen und schnell: Ein superleichter Kalenji Wettkampfschuh vom französischen Sportdiscounter für 37€. Ich fürchte aber wenn er demnächst durch ist, vergriffen.
paddyman 03.08.2015
4. Für
völlig angemessen. Scheint ja auch einen Markt dafür zu geben. Die Sohlen sind austauschbar, Schuhe sind reparabel, sagt die Herstellerheimseite. Sonst gilt: Laufen kann jeder in allen möglichen und unmöglichen Schuhen.
Ambrose Chapel 03.08.2015
5. Der Laufschuh als Flirtsignal
Bauch, Brille, Bart - aber: dieser sexy Laufschuh.... Den/die spreche ich an! Im Ernst?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.