Achilles Verse Typologie der Läufer-Arme

Unzählige Ratgeber erklären Freizeitläufern, wie sie die Beine zu bewegen haben. Aber was ist mit den Armen? Viele schlenkern, andere boxen. Schön ist das nicht. Achim Achilles wagt die schonungslose Stilkritik einer unterbewerteten Extremität.
Macht's das Ampelmännchen richtig? Kaum ein Läufer kümmert sich um die richtige Armbewegung

Macht's das Ampelmännchen richtig? Kaum ein Läufer kümmert sich um die richtige Armbewegung

Foto: Peter Endig/ dpa

Wir leben in einer Ratgeber-Welt. Jedes Zucken des Lebens muss optimiert werden. Wie atmet man richtig? Wie schläft man korrekt? 99 Tipps für erfolgreiches Händewaschen.

Läufer, die jemals ein Wochenendseminar zum optimalen Beineinsatz besuchten, werden am nächsten Tag nicht mal mehr richtig gehen können: Mit dem Vorfuss aufsetzen, aber etwas Mittelfuß darf auch dabei sein . Fußaufsatz unterm Körper. Bein nicht zu weit nach hinten, aber mit Druck. Knie hoch. Hüfte offen. Mund zu.

Viel zu viel Information. Wer soll sich das alles merken? Und wie sieht das nur aus? Wie ein Dressurgaul auf dem Weg zum Abdecker. Deswegen landet man auch spätestens 48 Stunden nach dem Seminar garantiert wieder im alten Trab. Warum? Weil's seit Jahrzehnten funktioniert.

Was aber ist mit den Armen? Zauberwort Kreuzkoordination. Manche Hobbyläufer haben ja bis heute nicht gemerkt, dass der Arm sich nach hinten bewegt, wenn sich das dazugehörige Knie hebt. Die Evolution hat sich was dabei gedacht, Stabilität zum Beispiel. Beim Abdruck wiederum schwingt der Arm idealerweise nach vorn und verleiht dem müden Körper etwas Schwung. Die Theorie sagt: Schneller Armeinsatz führt automatisch zu höherer Schrittfrequenz . Soll gerade am Berg gut funktionieren. Wenn man noch die Kraft für derlei Scherze hat.

Was jeder hinbekommen sollte: Ellbogen um 90 Grad anwinkeln, Hand zur lockeren Faust ballen und maximal auf Schulterhöhe heben, möglichst dicht am Körper und parallel dazu. Ganz einfach - nur hält sich keiner dran.

Fakt ist: Der Arm ist der Parlamentarische Geschäftsführer des laufenden Menschen - rackert unermüdlich, aber weitgehend unbemerkt. Der Blick in eine beliebige deutsche Grünanlage beweist: Kaum ein Läufer kümmert sich um seine oberen Extremitäten. Sind halt da und baumeln vorwiegend im Weg herum. Höchste Zeit für eine Kritik der stilistisch Armen.

Der Duracell-Hase

Meistens Damen im Trippelschritt, die ihre Mäusefäustchen so fest ballen, dass die Knöchel blau hervortreten und dann tapfer trommeln. Armtechnik wie ein Hilferuf. Wie mögen das Leben, der garstige Gatte, die kalten Kinder ihr mitgespielt haben? Psychologen sprechen vom Restless-arm-Syndrom.

Meister Joda

Dieser Typus ist ein Koordinationswunder, denn eigentlich müsste er längst hingefallen sein. Er bewegt seine Arme ohne erkennbares System, sondern rein zufällig, aber dafür dynamisch. Sieht aus, als kämpfe er mit verbundenen Augen und einem unsichtbaren Lichtschwert gegen Darth Vader. Nicht schnell, nicht schön, aber wenigstens originell.

Der DJ

Neigt auch ohne Kopfhörer dazu, die Hände wie der frühe Hans Klok ausgebreitet und parallel zum Boden in sanften Kreisen zu führen, magisch irgendwie. Wäre er gern ein DJ geworden? Möchte er Freundschaft schließen mit Mutter Erde? Oder ist es gar Fritz Kalkbrenner, der da joggt? Alles nicht. Sondern einfach nur ein Mensch, der nie sein Spiegelbild sah, weil er die Sonnenbrille abgenommen hat, als er an einer Schaufensterscheibe vorbeitrabte. Dann hätte er festgestellt, wie spackig die rotierenden Plattentellerhände aussehen.

Das Tier

Drischt wild wie der Schlagzeuger aus der "Muppet Show" Löcher in die Luft, gern auch Richtung Himmel. Vielleicht hat er eine Fliegenallergie. Oder zu Hause läuft nicht alles rund. Gerade langsamere Zeitgenossen erzeugen widersprüchliche Botschaften: Hohe Dynamik bei mäßigem Vortrieb - ökonomisch ist das nicht. Aber vielleicht entspannend.

Der Strumpf

Konzentriert seine Körperspannung auf die unter Hälfte. Dort, wo sich bei anderen Menschen ein Oberkörper befindet, baumelt bei ihm ein leerer Strumpf. Und daran zwei dünne, lange leere Strümpfe. Offenbar ein altgedienter Läufer, die dürfen das. Damit dieser Musterathlet seine Flossen über Normalnull bekommt, könnten die Doping-Wächter mal eine Ausnahme machen und ihm eine Extraportion Koffein verabreichen.

Klitschko

Hat offenbar ein Laufseminar mit Schwerpunkt Armarbeit besucht. Schlägt wie Rocky Balboa Haken in die Luft. Der Bizeps scheint unterausgelastet zu sein. Therapie: Einfach einen Kasten Bier in jede Hand und die nächsten zehn Kilometer immer schön an die 90-Grad-Regel denken. So geht Demut.

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