Achilles Verse Typologie der Läufer-Arme

Unzählige Ratgeber erklären Freizeitläufern, wie sie die Beine zu bewegen haben. Aber was ist mit den Armen? Viele schlenkern, andere boxen. Schön ist das nicht. Achim Achilles wagt die schonungslose Stilkritik einer unterbewerteten Extremität.

Macht's das Ampelmännchen richtig? Kaum ein Läufer kümmert sich um die richtige Armbewegung
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Macht's das Ampelmännchen richtig? Kaum ein Läufer kümmert sich um die richtige Armbewegung


Wir leben in einer Ratgeber-Welt. Jedes Zucken des Lebens muss optimiert werden. Wie atmet man richtig? Wie schläft man korrekt? 99 Tipps für erfolgreiches Händewaschen.

Läufer, die jemals ein Wochenendseminar zum optimalen Beineinsatz besuchten, werden am nächsten Tag nicht mal mehr richtig gehen können: Mit dem Vorfuss aufsetzen, aber etwas Mittelfuß darf auch dabei sein. Fußaufsatz unterm Körper. Bein nicht zu weit nach hinten, aber mit Druck. Knie hoch. Hüfte offen. Mund zu.

Viel zu viel Information. Wer soll sich das alles merken? Und wie sieht das nur aus? Wie ein Dressurgaul auf dem Weg zum Abdecker. Deswegen landet man auch spätestens 48 Stunden nach dem Seminar garantiert wieder im alten Trab. Warum? Weil's seit Jahrzehnten funktioniert.

Was aber ist mit den Armen? Zauberwort Kreuzkoordination. Manche Hobbyläufer haben ja bis heute nicht gemerkt, dass der Arm sich nach hinten bewegt, wenn sich das dazugehörige Knie hebt. Die Evolution hat sich was dabei gedacht, Stabilität zum Beispiel. Beim Abdruck wiederum schwingt der Arm idealerweise nach vorn und verleiht dem müden Körper etwas Schwung. Die Theorie sagt: Schneller Armeinsatz führt automatisch zu höherer Schrittfrequenz. Soll gerade am Berg gut funktionieren. Wenn man noch die Kraft für derlei Scherze hat.

Was jeder hinbekommen sollte: Ellbogen um 90 Grad anwinkeln, Hand zur lockeren Faust ballen und maximal auf Schulterhöhe heben, möglichst dicht am Körper und parallel dazu. Ganz einfach - nur hält sich keiner dran.

Fakt ist: Der Arm ist der Parlamentarische Geschäftsführer des laufenden Menschen - rackert unermüdlich, aber weitgehend unbemerkt. Der Blick in eine beliebige deutsche Grünanlage beweist: Kaum ein Läufer kümmert sich um seine oberen Extremitäten. Sind halt da und baumeln vorwiegend im Weg herum. Höchste Zeit für eine Kritik der stilistisch Armen.

Der Duracell-Hase

Meistens Damen im Trippelschritt, die ihre Mäusefäustchen so fest ballen, dass die Knöchel blau hervortreten und dann tapfer trommeln. Armtechnik wie ein Hilferuf. Wie mögen das Leben, der garstige Gatte, die kalten Kinder ihr mitgespielt haben? Psychologen sprechen vom Restless-arm-Syndrom.

Meister Joda

Dieser Typus ist ein Koordinationswunder, denn eigentlich müsste er längst hingefallen sein. Er bewegt seine Arme ohne erkennbares System, sondern rein zufällig, aber dafür dynamisch. Sieht aus, als kämpfe er mit verbundenen Augen und einem unsichtbaren Lichtschwert gegen Darth Vader. Nicht schnell, nicht schön, aber wenigstens originell.

Der DJ

Neigt auch ohne Kopfhörer dazu, die Hände wie der frühe Hans Klok ausgebreitet und parallel zum Boden in sanften Kreisen zu führen, magisch irgendwie. Wäre er gern ein DJ geworden? Möchte er Freundschaft schließen mit Mutter Erde? Oder ist es gar Fritz Kalkbrenner, der da joggt? Alles nicht. Sondern einfach nur ein Mensch, der nie sein Spiegelbild sah, weil er die Sonnenbrille abgenommen hat, als er an einer Schaufensterscheibe vorbeitrabte. Dann hätte er festgestellt, wie spackig die rotierenden Plattentellerhände aussehen.

Das Tier

Drischt wild wie der Schlagzeuger aus der "Muppet Show" Löcher in die Luft, gern auch Richtung Himmel. Vielleicht hat er eine Fliegenallergie. Oder zu Hause läuft nicht alles rund. Gerade langsamere Zeitgenossen erzeugen widersprüchliche Botschaften: Hohe Dynamik bei mäßigem Vortrieb - ökonomisch ist das nicht. Aber vielleicht entspannend.

Der Strumpf

Konzentriert seine Körperspannung auf die unter Hälfte. Dort, wo sich bei anderen Menschen ein Oberkörper befindet, baumelt bei ihm ein leerer Strumpf. Und daran zwei dünne, lange leere Strümpfe. Offenbar ein altgedienter Läufer, die dürfen das. Damit dieser Musterathlet seine Flossen über Normalnull bekommt, könnten die Doping-Wächter mal eine Ausnahme machen und ihm eine Extraportion Koffein verabreichen.

Klitschko

Hat offenbar ein Laufseminar mit Schwerpunkt Armarbeit besucht. Schlägt wie Rocky Balboa Haken in die Luft. Der Bizeps scheint unterausgelastet zu sein. Therapie: Einfach einen Kasten Bier in jede Hand und die nächsten zehn Kilometer immer schön an die 90-Grad-Regel denken. So geht Demut.

Ein Ratgeber für Arme und Beine: Laufen und Lust - In zehn Schritten zu mehr Spaß am Leben



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
susiwolf 24.03.2015
1. Arme stützen ... mit Technik !
Millionenfach bewährt - mit 'sticks' ! Handkonform, sogar mit Schlaufe, werden diese 'Krücken' in allerlei Ausführungen bewegt. Das ist schnelles Gehen, eher spazieren oder ... eben auch laufen. Und: Da hat man was Eigenes ! Auch das Laufen nötigt manchmal ein Päuschen ab. Ausruhen, Luft holen, Kniebeugen, gymnastische Bewegungen ... alles mit eben diesen 'sticks'. Muskelkraft der Arme aus der Bewegung. Soll manchmal sogar vor unliebsamen und unerwünschten aggressiven 4-Beinern schützen ! (Abwehrtechnik ?) Für ganz Unermüdliche und gut Trainierte bietet sich sogar ein Sonderstatus an: Handstandlaufen ! Es muss ja nicht gleich kilometerweit sein oder der Eintrag ins Guinessbuch der Erfolge folgen ...
taste-of-ink 24.03.2015
2. Der Schwofer
Sehr treffend! Mir fehlt aber noch der Schwofer: Oftmals weiblich, teils auch männlich, bewegt die Arme, als wäre er/sie noch im Vorabend-Zumba-Kurs. Maximal unrund wird die Bewegung mit dem iPhone in der Hand und den Kopfhörern im Ohr. Dank ausladender Seitwärtsbewegung kommen zu den üblichen 3,2 km vowärts zurückgelegten Kilometern (-> Stadtparkrunde) noch weitere 1,5 km seitlich gelaufene Kilometer.
oryes 24.03.2015
3. Hampelmann technik
Wer mehr interesse hat in kürzerster zeit fit zu werden als wie er daher kommt ( vorsicht hunde haben wenig verständnis für diese technik..! ) kann folgendes ausprobieren; bei gradem Oberkörper von der Hüfte die arme in einer tai chi ähnlichen dreh Bewegung wie im Kampfsport über den Kopf noch vorne rythmisch mit den Beinen voll durchdrücken und wieder zurückziehen, mit oder ohne kleine gewichte, funktioniert übrigens auch im stehlaufen bei längeren Segelreisen etc., garantiert nach 3 wochen keine Rückenprobleme mehr und schon nach wenigen minuten heftig erhöhte Herzfrequenz und spätestens nach 15 minuten klitschenass! Bestens bei leichtem Anstieg, reversiert altersbedingte schlaffbrüste formt Bauch und Rückenmuskulatur. Ausserdem beste Chancen in die ministry of funny walks aufgenommen zu werden !
Freiberufler 24.03.2015
4. Wenn man diesen -Tipps- folgt, ...
msus man sich nicht wundern, wenn man am nächsten Tag nicht mehr laufen kann. Diese "Lösungen" sind primitiv, weil unausgegoren. Es wird, wie meistens, den meisten NICHT helfen, sondern nur Ärger bereiten. Es gibt Standards, aber die kann man nur nach einer Aufbereitung etablieren. -------------
oryes 24.03.2015
5.
Zitat von Freiberuflermsus man sich nicht wundern, wenn man am nächsten Tag nicht mehr laufen kann. Diese "Lösungen" sind primitiv, weil unausgegoren. Es wird, wie meistens, den meisten NICHT helfen, sondern nur Ärger bereiten. Es gibt Standards, aber die kann man nur nach einer Aufbereitung etablieren. -------------
??? Wie soll ich diese "critique" verstehen ? Ich praktiziere diese primitive,unausgegorene technik seit immerhin 8 jahren, habe sie zwar selber entwickelt,ist deswegen bestimmt auch nicht vom deutschen leichtathletik verband geadelt, aber funktioniert, keine rückenbeschwerden mehr und gut durchtrainierter oberkörper !!
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