Leistungsdiagnostik Anna macht den Fitness-Check

Anna Achilles will es wissen: Wie fit ist ihr Körper? Was kann sie beim Lauftraining verbessern? Doch der Termin bei der Leistungsdiagnostik wird zum Albtraum.

Laufwettkampf: Die Leistungsdiagnostik verrät es - für ihr angestrebtes Ziel muss Anna noch einiges verbessern
Corbis

Laufwettkampf: Die Leistungsdiagnostik verrät es - für ihr angestrebtes Ziel muss Anna noch einiges verbessern


"Ausziehen", befiehlt Matthias Marquardt. Och nee, muss das sein? Aber der Doktor erlaubt keine Widerrede. In schwarzem Slip und orangefarbenem Sportbustier stehe ich vor ihm und versuche, so gut es geht, den Bauch einzuziehen. Marquardt fuchtelt mit einer riesigen Zange vor meinem Gesicht herum. Was will er denn damit?

"Mit der Caliper-Zange messe ich deinen Körperfettanteil", erklärt er. Cali...was? Marquardt seufzt: "S-P-E-C-K-Z-A-N-G-E, Anna." Bevor ich reagieren kann, kneift er mit Daumen und Zeigefinger in meine Backe. Dann misst er mit der Zange die Dicke der Hautfalte. Das Ganze wiederholt er an anderen Körperteilen: Bauch, Oberschenkel, Rücken, Arme, Hals - sogar meine Waden werden untersucht. Am Ende diagnostiziert Marquardt einen Körperfettanteil von 22 Prozent. Zu hoch, findet er. "Du solltest drei Kilo abnehmen." Das geht ja gut los.

Das hier ist ein Albtraum. Und wer ist schuld? Genau. Mein Onkel Achim. "Geh zu Matthias Marquardt", hatte Achim vorgeschlagen. "Der kriegt sogar Laufnashörner wie dich schneller." Marquardt ist Sportmediziner und Laufcoach. Erst die Untersuchung, dann der Trainingsplan. Kann ich ja mal ausprobieren, dachte ich und machte mich auf den Weg in seine Praxis. Es folgten die drei traumatischsten Stunden meines Lebens. Achims Kajaktraining mit Brigit Fischer ist dagegen ein Witz.

Teil 1: Der Körper-Check

"Was ist das denn?" Er zeigt auf meine Füße.

Äh. "Meine Füße?" Ich verstehe die Frage nicht.

"Anna, das sind Messi-Füße." Marquardt schaut mich angeekelt an.

Vermutlich meint er nicht den argentinischen Wunderfußballer, wenn er von "Messie" spricht. Wahrscheinlicher ist, dass er auf meine mangelhafte Fußpflege anspielt. Okay, mit einem lilaangelaufenen Zehennagel, massenhaft Hornhaut und Blasen an den Füßen sollte ich mich tatsächlich mehr um den untersten Teil meiner Gliedmaßen kümmern. Aber sollte ich nicht lieber trainieren? Von Fußpflege wird keiner schneller. Vom richtigen Laufstil dagegen schon eher.

Teil 2: Die Bewegungsanalyse

Eine gute Lauftechnik beugt Verletzungen vor und macht schneller. Deshalb schickt mich Marquardt auf das Laufband. Er positioniert zwei Kameras neben und hinter mir. Jede meiner Bewegungen soll gefilmt werden. So kann Marquardt meinen Laufstil, insbesondere Fehlstellungen analysieren. Er schaltet mehrere Lichtspots ein, sodass das Laufband und ich in hellem Licht erstrahlen. Noch immer trage ich nichts außer Unterwäsche. Ich dachte, das Schlimmste hätte ich hinter mir. Das Ergebnis der Bewegungsanalyse gleicht einer Katastrophe: X-Beine, Überpronation am Sprunggelenk und Verdacht auf Hüftdysplasie. "Lauftechnik: vier minus", stellt Marquardt fest.

Teil 3: Die Leistungsdiagnostik

Wenigstens jetzt muss ich zeigen, dass ich was drauf hab. Ich bin schließlich die Nichte von Achim Achilles. Mit der Leistungsdiagnostik wissen wir, wie fit ich bin. Erneut renne ich auf dem Laufband. Dieses Mal geht es nicht darum, wie ich dabei aussehe, sondern wie lang ich durchhalte. Alle drei Minuten wird das Tempo gesteigert. Ich starte mit 4 km/h. Mein Oberkörper ist komplett verkabelt. Über Nase und Mund trage ich eine Atemgasmaske. Ab und zu piekst mir Marquardt mit einer Nadel ins Ohr, um meine Laktatwerte zu messen. Um meine Hüfte ist ein Gurt gebunden. Er soll meiner Sicherheit dienen. Damit ich - falls ich nicht mehr kann - nicht vom Laufband plumpse. Vielleicht soll der Gurt aber auch einfach nur verhindern, dass ich schreiend davonlaufe.

Bei 10 km/h bin ich ziemlich am Schwitzen. Bloß nicht jetzt schon schlapp machen. Ich konzentriere mich auf die leere Wand vor mir. Einfach an irgendwas anderes denken. Marquardt erhöht das Tempo. 12 km/h. Oh Gott, ist das schnell. Ich kriege kaum noch Luft. Vielleicht sollte ich doch mal eine Probestunde Zumba nehmen? Ich will hier weg. Marquardt erhöht noch mal das Tempo. Kenianer laufen einen kompletten Marathon mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h, und ich bin noch nicht mal in der Lage, drei Minuten lang 14 km/h auszuhalten? Mein Puls ist bei 197. Ich muss abbrechen. Das Laufband stoppt. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich hasse Laufen.

"Anna, das war erst der Anfang," verkündet Marquardt, bevor ich die Praxis verlasse. Oh nein, bitte nicht. "Das nächste Mal erkläre ich dir, wie dein Trainingsplan funktioniert." Lieber Gott, hört dieser Albtraum denn nie auf? Da fällt mir eine von Achims Lieblingsweisheiten ein: "Ein Läufer ist nie am Ziel." Naja, wenigstens darf ich das nächste Mal meine Klamotten anbehalten.

Video auf achim-achilles.de: Annas schnelle zehn Kilometer - Folge 1: Der Gesundheits-Check

insgesamt 9 Beiträge
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SPONtanität 23.07.2014
1. Nee, sorry,
ich klicke erst auf einen Link zum Video, wenn die drei überflüssigen Kilos runter sind!
scarlet 23.07.2014
2. Qual
Warum quälen Sie sich eigentlich so? Und wa soll der Sinn sein noch 3kg abzunehmen bei einem Körperfettanteil von 22%, als Frau. Wir müssen doch nicht alle aussehen wie kenianische Marathonläufer. Ich finde diese Laufungeheuer, die einem ab und an über den Weg rennen alles andere als ästhetisch: dürre, lange Beine ohne Muskeln, ausgemerkelte Gesichter, keine Rundungen mehr. Ich laufe auch, aber für mich, ich höre auf meinen Körper und mache nebenbei noch andere Sportarten. Setze mich nicht dem Druck von irgendeinem verrückten Onkel oder Stoppuhren aus. Klar werde ich damit keine Spitzenzeiten schaffen, aber es muss ja nicht alles zum Wettbewerb mutieren. Laufen sollte entspannen und nicht noch mehr Druck produzieren. Nehmen sie ihren Körper einfach mal bewusst wahr, dann brauchen Sie das ganze Gedöns nicht, für eine Läuferkarriere sind Sie eh schon zu alt...Und bitte, Sie sind eine Frau, das darf man auch sehen können.
spon72 23.07.2014
3. Und nach der Leistungsdiagnostik...
...rein in den SUV und ab zur Goldenen Möwe! Ich kanns nimmer hören, einerseits geben Mainstream-dressierte Weibchen wie Männchen hierzulande Milliarden aus, um ihren Karrierekörper von profitgeilen Fitnessgurus und gescheiterten Assistenzärzten optimieren zu lassen und andererseits begreift immer noch keiner, dass man lediglich seine Ernährung bewusst reflektieren und sein dickes Auto verkaufen bräuchte, um auch ohne den Supermarkt an jeder Ecke halbwegs gesund zu leben und schlank zu bleiben. Aber solange es Leute gibt, die motorisiert zum Laufband ihres Fitnesscenters fahren oder die Karriechancen über des persönliche Essverhalten stellen und nur dann etwas zu sich nehmen, wenn es der Chef erlaubt, wird es auch diese sinnfreien Artikel geben. Schöne Grüße aus der beleibten Republik und einfach mal im Freibad auf die Körpermaße der Besucher achten, da kommt mir das gruseln!
AllesKlar2014 23.07.2014
4. Übersäuert und Abnehmen
funktioniert leider nie! Deshalb rennen oder trainieren sich viele einfach zu Tode. Und der Durst wird dann auch noch mit einer industriell-isotonischen Chemiebrause oder gar CO2 Säuerlingwasser "gelöscht". Was für eine Unkenntnis. BAsisches Gebirgsquellwasser trinken - dann klappts auch mit dem Abnehmen und der Fitness. Nichts übertreiben.
GrinderFX 23.07.2014
5.
Zitat von scarletWarum quälen Sie sich eigentlich so? Und wa soll der Sinn sein noch 3kg abzunehmen bei einem Körperfettanteil von 22%, als Frau. Wir müssen doch nicht alle aussehen wie kenianische Marathonläufer. Ich finde diese Laufungeheuer, die einem ab und an über den Weg rennen alles andere als ästhetisch: dürre, lange Beine ohne Muskeln, ausgemerkelte Gesichter, keine Rundungen mehr. Ich laufe auch, aber für mich, ich höre auf meinen Körper und mache nebenbei noch andere Sportarten. Setze mich nicht dem Druck von irgendeinem verrückten Onkel oder Stoppuhren aus. Klar werde ich damit keine Spitzenzeiten schaffen, aber es muss ja nicht alles zum Wettbewerb mutieren. Laufen sollte entspannen und nicht noch mehr Druck produzieren. Nehmen sie ihren Körper einfach mal bewusst wahr, dann brauchen Sie das ganze Gedöns nicht, für eine Läuferkarriere sind Sie eh schon zu alt...Und bitte, Sie sind eine Frau, das darf man auch sehen können.
Kommt es ihnen nicht ein bißchen dumm vor 22+% Körperfett Menschen mit Marathonläufern zu vergleichen, die einen Körperfettanteil von ca. 8% oder weniger haben? Sie soll abnehmen, weil sie zu dick ist und nicht damit sie Marathon laufen kann. Nur muss man sich nun mal bewegen um erfolgreich abzunehmen. Bei Sport ist es nun mal so: Macht man ein bißchen, passiert rein gar nichts. Macht man viel passiert etwas und nur wenn man richtig viel macht, sieht man auch Erfolge.
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