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12. Januar 2017, 10:51 Uhr

Mindesthaltbarkeitsdatum

So lange sind Lebensmittel wirklich haltbar

Nur weil sie abgelaufen sind, sind Lebensmittel noch nicht ungenießbar. Was aber bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum dann? Und was unterscheidet es vom Verfallsdatum? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Der Joghurt riecht gut und sieht aus wie immer - trotzdem wandert der Becher in den Müll. So etwas passiert jeden Tag, in Millionen Haushalten. Der Grund: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist überschritten. Den Joghurt hätte man trotzdem noch essen können.

"Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ganz klar kein Verfallsdatum oder Ablaufdatum", sagt Peter Loosen vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL). Trotzdem sind viele Menschen in Deutschland verunsichert. Etwa jeder Zwanzigste wirft Lebensmittel sofort weg, wenn sie abgelaufen sind. Bei den Jugendlichen ist es dem Ernährungsreport 2017 zufolge sogar mehr als jeder Zehnte. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema.

Was ist das Mindesthaltbarkeitsdatum?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt an, bis wann das ungeöffnete Lebensmittel seine spezifischen Eigenschaften mindestens behält. Also wie lange Farbe, Geruch, Geschmack und Nährwerte bleiben wie an dem Tag, an dem das Produkt abgepackt wurde - eine richtige Aufbewahrung vorausgesetzt. Daneben geht es darum, dass sich keine schädlichen Keime in der Packung ausgebreitet haben.

"Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird von den Unternehmen in eigener Verantwortung vergeben", erklärt eine Sprecherin des Bundesagrarministeriums. Um die Unversehrtheit des Produkts garantieren zu können, müssen die Unternehmen dabei einen Puffer einbauen. "Darum sind viele Lebensmittel auch nach Ablauf des angegebenen Datums noch genießbar", sagt Loosen.

Wo liegt der Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verfallsdatum?

Wenn ein Lebensmittel statt ein Mindesthaltbarkeitsdatums ein Verbrauchsdatum besitzt, ist deutlich mehr Vorsicht geboten. Erkennen lässt sich dies am Hinweis "Zu verbrauchen bis" (statt "Mindestens haltbar bis"). Das Verbrauchsdatum ist für Lebensmittel wie Hackfleisch oder frischen Fisch vorgesehen, die leicht verderblich sind. "Hier kann nach Ablauf des Verbrauchsdatums eine Gesundheitsgefahr durch Keime entstehen", sagt Gabriele Graf von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf. Deshalb sollten die Produkte dann nicht mehr gegessen werden.

Welche Lebensmittel halten sich wie lange?

Milch ist der Verbraucherzentrale Hamburg zufolge in einer ungeöffneten Verpackung noch rund drei Tage nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar. Auch Milchprodukte und Wurst sind ungeöffnet oft noch mehrere Tage haltbar.

Eier können noch bis zu zwei Wochen später verwendet werden - allerdings lieber zum Kochen und Backen und nicht roh, etwa für Nachspeisen wie Tiramisu.

Mehl, Reis, Getreide, Kaffee und Nudeln können mehrere Monate nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genutzt werden, wenn sie trocken gelagert werden. Dasselbe gilt für Marmelade, Saft, Bier und Wein.

Auf den Packungen einiger lange haltbarer Lebensmittel zum Beispiel bei Salz, Zucker und Essig muss aufgrund einer EU-Verordnung gar kein Mindesthaltbarkeitsdatum mehr stehen. Momentan versucht das Bundesagrarministerium, Produzenten dazu zu bringen, bei solchen Lebensmitteln auf die Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums zu verzichten, berichtet die Sprecherin des Ministeriums.

Sollte es ein zusätzliches Verbrauchsverfallsdatum geben?

Vielleicht wäre es besser, neben dem Mindesthaltbarkeitsdatum ein Verbrauchsverfallsdatum (VVD) auf Lebensmittelpackungen zu drucken. Das Ministerium lässt diese Idee gerade von einem Forschungsinstitut bewerten. "Es soll angeben, bis wann ein Lebensmittel bei Abstrichen von der Qualität noch verzehrt werden kann", erklärt die Sprecherin.

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde hält von dieser Idee nichts: "Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Verbraucher mit drei unterschiedlichen Daten besser zurecht kämen als mit den bestehenden zwei Daten - Mindesthaltbarkeitsdatum und Verfallsdatum", sagt Loosen, der mit dem BLL die Interessen der deutschen Lebensmittelindustrie vertritt.

Woran lässt sich erkennen, dass Lebensmittel nicht mehr genießbar sind?

Die beste Regel ist, seinen Sinnen zu vertrauen. Verdorbene Milchprodukte zum Beispiel lassen sich am Geruch erkennen.

Auch Schimmel ist ein deutlicher Warnhinweis. Wer etwa auf einem Brot Schimmelpilze entdeckt, sollte in jedem Fall das gesamte Brot entsorgen, rät Graf: "Wie weit der Schimmel im Brot verbreitet ist, ist schwer zu erkennen und zu schmecken." Isst man das verschimmelte Brot, können Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen die Folge sein.

Auf manche Käsesorten gehört Schimmel, weil er zur Reifung gebraucht wird. Allerdings kann auch solcher Käse von Fremdschimmel befallen werden. Hat ein Edelschimmelkäse eine ungewöhnliche zweite Schimmelschicht mit rötlichen, grünlichen oder grauen Flecken, sollte man den gesamten Käse entsorgen - andernfalls drohen auch hier Magen-Darm-Beschwerden.

Gleiches gilt bei Äpfeln mit einer faulen Stelle, erläutert Graf. Auch Gemüse, Säfte, Milchprodukte, Nüsse und Getreide sollten bei Anzeichen von Schimmel komplett entsorgt werden.

Bei Fleisch sind grundsätzlich Geruch und Aussehen wichtige Hinweise für Frische. Es sollte keinesfalls süßlich oder unangenehm riechen. Ebenfalls bedenklich sei, wenn die Oberfläche des Fleisches schmierig aussehe oder Druckstellen habe, schreibt die Verbraucherzentrale.

Spätestens, wenn man es probiert, bemerkt man, ob Fleisch noch gut ist oder nicht. Ein ranziger Geschmack weist eindeutig darauf hin, dass es nicht mehr genießbar ist.

irb/dpa

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