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10. Januar 2018, 18:04 Uhr

Höchstwerte für Nahrungsergänzungsmittel

Warum viel nicht immer viel bringt

Viele Deutsche schlucken Nahrungsergänzungsmittel - ohne sie zu brauchen. Weil manche Vitamine und Mineralien in zu großen Mengen schaden können, hat die zuständige Behörde nun die empfohlenen Höchstwerte aktualisiert.

In Deutschland werden pro Jahr etwa 165 Millionen Verpackungen Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Umsatz: rund 1,1 Milliarden Euro. Knapp ein Drittel der Erwachsenen (25 bis 30 Prozent) in Deutschland nimmt regelmäßig solche Präparate, die Mineralstoffe oder Vitamine enthalten, berichtet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Notwendig ist das in den meisten Fällen nicht. Das BfR empfiehlt für diese Präparate sogar Höchstmengen, um schädliche Überdosierungen zu vermeiden. Diese Empfehlungen hat das Institut jetzt aktualisiert. Denn auch für viele Vitamine und Mineralstoffe gilt, dass sie in zu großer Dosis Schaden anrichten können.

Durch die herkömmliche Ernährung nehmen Menschen bis auf wenige Ausnahmen ausreichende Mengen an Mikronährstoffen zu sich, schreibt das BfR. Die Nahrungsergänzungsmittel seien deshalb aus Ernährungssicht im Allgemeinen unnötig. Das gelte umso mehr, als dass sie eher von Menschen genommen werden, die ohnehin einen gesünderen Lebensstil pflegen und sich ausgewogen ernährten.

"Produkte, die unsere Empfehlungen einhalten und entsprechend den Herstelleranweisungen eingenommen werden, bergen nach derzeitigem Stand des Wissens für Menschen ab 15 Jahren kein gesundheitliches Risiko", sagt BfR-Präsident Andreas Hensel.

Bestseller Magnesium oft zu hoch dosiert

Den mit Abstand größten Umsatz erzielen laut einem Bericht des Ärzteblatts Magnesiumpräparate. Dabei gilt: Wer gesund ist, muss nicht extra Magnesium einnehmen. Auch wenn sich in Frauenzeitschriften auffällig oft Artikel finden, die eine Magnesiumeinnahme anpreisen - oft sogar gepaart mit konkreten Produktnennungen.

Zahlreiche Lebensmittel lieferten Magnesium, erklärte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Dazu zählen "viele Gemüsearten, Geflügel, Fisch, Himbeeren, Brombeeren. Sojabohnen, Vollkornprodukte und Milch sind ebenfalls gute Magnesiumquellen", so DGE. Auch Kaffee und Tee tragen demnach zur Bedarfsdeckung bei. Wer mag, kann zusätzlich magnesiumreiche Mineralwässer (mit mehr als 100 Milligramm pro Liter) trinken, so die DGE.

Möglicherweise greifen Hobbysportler häufiger zu Magnesiumtabletten, um Muskelkrämpfe zu bekämpfen. Dass die Präparate helfen, ist allerdings bis heute nicht stichhaltig belegt. Bei Überdosierung aber können Durchfall und Erbrechen auftreten.

Keine Verpflichtung für Hersteller

Sinnvoll können Magnesiumpräparate bei bestimmten Magen-Darm-Krankheiten, Diabetes, Asthma und Alkoholsucht sein. Betroffene sollten aber beim Arzt abklären, ob die Einnahme für sie empfehlenswert ist.

Das BfR hat seine Empfehlung zur Dosierung von Magnesiumpräparaten nicht verändert: Höchstens 250 Milligramm pro Tag solle man über Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen - und das besser aufgeteilt in zwei oder mehr Dosen, um Durchfall zu vermeiden.

Für die Hersteller sind diese Werte allerdings nicht bindend. Eine Stichprobe der Verbraucherzentralen hatte vergangenes Jahr gezeigt, dass viele der Präparate zu hoch dosiert sind.

Geändert hat das BfR unter anderem die empfohlene Höchstmenge für Vitamin-D-Präparate. Sie liegt jetzt bei 20 Mikrogramm pro Tagesdosis und damit deutlich über der Empfehlung von 2004.

wbr

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