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"Jedes Obst und Gemüse enthält andere gesunde Stoffe, die unter anderem für dessen Farbe verantwortlich sind", sagt die Ernährungsforscherin Caroline Stokes
"Jedes Obst und Gemüse enthält andere gesunde Stoffe, die unter anderem für dessen Farbe verantwortlich sind", sagt die Ernährungsforscherin Caroline Stokes
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Igor Madjinca / Stocksy United

Wissenschaftler erforschen Nährstoffverarbeitung Natürliches und gesundes Essen - was ist das eigentlich?

Paläo-Diät, Veganismus oder doch etwas ganz anderes? Welche Ernährung wirklich gut für den Körper ist, hängt stark von individuellen Faktoren ab. Nur ein paar Grundregeln gelten für alle Menschen.
Von Nina Weber aus SPIEGEL Wissen 3/2020

Als Ötzi vor rund 5300 Jahren starb, war sein Magen gut gefüllt. Der Steinzeit-Mann hatte größere Mengen von Steinbockfleisch gegessen, vermutlich in Form von luftgetrocknetem, sehr fetthaltigem Speck. Auch Einkorn, ein Getreide, hatte er verzehrt. Überrascht bemerkten Forscher, die seinen Mageninhalt untersuchten, dass Ötzi zudem Adlerfarn gegessen hatte. Die Pflanze ist giftig, in ihr stecken unter anderem Blausäureglykoside. Was hatte den Mann veranlasst, den Farn dennoch zu essen?

Fragen kann ihn keiner mehr, doch die Vermutung lautet: Ötzi wollte mit der Pflanze seine Verdauung kurieren. In seinem Magen nistete Helicobacter pylori, ein Bakterium, das bis heute sehr viele Menschen befällt. Möglicherweise litt Ötzi deshalb an einem Magengeschwür.

Die Ernährung mit ein paar Pflanzen bereichern, die nicht nur satt machen, sondern auch gesund – die Idee ist offensichtlich alt. Die Pflanzen sollen helfen, das Immunsystem zu stärken, Schmerzen zu lindern, Krankheiten vorzubeugen oder diese zu therapieren. Allerdings sind die Versprechen oft viel größer als die tatsächlich nachgewiesenen Effekte. Die Ärztin Natalie Grams hat sich für ihr Buch "Was wirklich wirkt" mit Naturheilkunde beschäftigt. Wissenschaftlich bestätigt ist eine Wirkung einzelner Nahrungsmittel ihrer Aussage zufolge selten so deutlich, wie erzählt wird.

Menschen kommen mit einer großen Vielfalt verschiedener Essensweisen klar

So etwa bei Ingwer, der zwar tatsächlich helfen könne, Übelkeit während einer Chemotherapie zu mindern. "Aber es fehlen schon Belege dafür, dass Ingwer auch bei anderen Formen der Übelkeit, etwa in der Schwangerschaft, wirkt", sagt Grams. Es spreche natürlich überhaupt nichts dagegen, wenn jemand mit der Extradosis Kurkuma, Kamillentee oder Manuka-Honig sein Wohlbefinden verbessern wolle. "Aber wir müssen zwischen Wellness und Medizin unterscheiden. Die großen Heilversprechen sind übertrieben."

SPIEGEL WISSEN 3/2020

Essen, was mir gut tut
Individuell, gesund, lecker: So finde ich die perfekte Ernährung für mich

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Unbestritten ist dagegen, dass die Ernährung an sich einen wichtigen Baustein der Gesundheit darstellt. Ist hier natürlich auch gesund? Dazu muss man erst einmal die Frage klären, wie eine natürliche Ernährung für Menschen eigentlich aussieht. Eine vermeintliche Antwort bieten sogenannte Paläodiäten: Wir sollen essen, wie die Menschen es in der Altsteinzeit taten, weil unsere Genetik und damit unser Körper insgesamt darauf eingestellt seien. Paläodiäten unterscheiden sich im Detail, ihr Grundkonzept ist aber gleich: Gegessen wird, was Menschen vor Jahrtausenden sammeln, fischen, jagen konnten, also Gemüse, Obst, Eier, Honig, Fleisch und Fisch. Verboten sind dagegen meist Zucker, Hülsenfrüchte, Milch sowie die meisten Getreideprodukte.

Ernährungsbedingte Krankheiten - und was dagegen hilft

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