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20. Mai 2019, 11:50 Uhr

Experiment bestätigt

Fertiggerichte machen dick

Zum Frühstück einen Joghurt mit Obst und Nüssen, oder doch lieber das gesund wirkende Hafer-Crunchy-Müsli mit Honig? Der Unterschied ist immens. Wie sehr Fertigessen dick macht, haben Wissenschaftler jetzt erforscht.

Tiefkühlpizza, Brot, Schokolade: Fast die Hälfte der Lebensmittel in Deutschland ist stark verarbeitet - Tendenz steigend. Gleichzeitig nimmt auch die Zahl der Übergewichtigen zu, jeder zweite Erwachsene hierzulande gilt inzwischen als zu dick. US-Forscher wollen nun in einem Experiment einen Zusammenhang zwischen beiden Phänomen gefunden haben. Demnach verleiten Fertiggerichte dazu, mehr zu essen, berichten die Forscher im Fachblatt "Cell Metabolism".

Schon länger stehen stark verarbeitete Nahrungsmittel im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein: Eine Studie von 2018 brachte einige davon mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung, erst vor Kurzem berichteten Forscher gar von einem höheren Risiko, frühzeitig zu sterben. Dennoch sind Chips, Wurst und Limo beliebt. Häufig enthalten sie allerdings auch mehr Kalorien, Salz und Zucker sowie Fett.

Wie stark Fertiggerichte Übergewicht beeinflussen können, wollten US-Forscher nun genauer überprüfen. Dafür wählten sie 20 gesunde Freiwillige aus, die über einen Zeitraum von einem Monat in einer Forschungseinrichtung lebten. Die eine Gruppe bekam jeden Tag drei Mahlzeiten plus Snacks, die aus hochverarbeiteten Lebensmitteln bestanden. Zum Frühstück gab es beispielsweise eine Portion Honig-Nuss-Cerealien und einen Fertig-Blaubeermuffin.

Halbes Kilo mehr pro Woche

Die andere Gruppe erhielt genauso viele Mahlzeiten, allerdings mit unverarbeiteten Lebensmitteln. Hier bestand das Frühstück etwa aus Joghurt mit Obst und Nüssen. Über den ganzen Zeitraum konnten die Probanden so viel essen, wie sie wollten. Nach zwei Wochen wurde getauscht.

Das Ergebnis: In den zwei Wochen, in denen die Probanden Fertigprodukte aßen, nahmen sie im Schnitt ein Kilogramm zu, in den zwei Wochen mit frischen Lebensmitteln nahmen sie etwa so viel wieder ab. Ähnlich verhielt es sich mit dem Körperfettanteil.

Die Wissenschaftler haben verschiedene Vermutungen zu den Ursachen. So aßen die Teilnehmer die hochverarbeiteten Lebensmittel schneller. "Wenn man sehr schnell isst, gibt man seinem Magen-Darm-Trakt möglicherweise nicht genügend Zeit, um dem Gehirn zu signalisieren, dass man satt ist", sagt Studienleiter Kevin Hall. Die Betroffen können sich schnell überfressen.

Fertigprodukte enthalten häufig mehr Kalorien, als Verbraucher denken, sagt auch Marc Tittgemeyer vom Kölner Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung, der nicht an der Studie beteiligt war. Zudem aktiviere Fertigessen häufig das Belohnungssystem des Körpers, der dann nach mehr verlangt.

In der Studie gaben die Teilnehmer allerdings an, beide Ernährungsformen hätten ihnen gleich gut geschmeckt. Trotzdem nahmen sie in den zwei Wochen mit Fertiggerichten knapp 500 Kilokalorien pro Tag mehr auf. Ein Grund dafür könnten auch zuckerhaltige Getränke wie Limonaden und Säfte gewesen sein, die viele Kalorien enthalten.

Über die Langzeitfolgen ungesunder Ernährung sagt die Studie jedoch nichts aus. Außerdem sind 20 Probanden zu wenig, um Rückschlüsse auf die Gesamtbevölkerung zu ziehen. Für verlässlichere Aussagen bräuchte es mehrere Hundert Teilnehmer.

Auch welche Rolle das Einkommen bei der Ernährung spielt, zeigt das Experiment nicht, weil die Probanden nicht selbst einkaufen oder kochen mussten. Doch aus vorherigen Studien ist bekannt, dass Menschen mit niedrigen Einkommen häufiger zu Fertigprodukten greifen, weil sie in der Regel preisgünstiger sind als frische Lebensmittel.

Einige Mediziner fordern deshalb, zucker- und salzhaltige Lebensmittel zu besteuern. Auch über eine Art Ampelsystem für Lebensmittel wird seit Langem heftig diskutiert. Dadurch sollen Verbraucher leichter erkennen können, wie gesund ein bestimmtes Produkt ist. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) kündigte nun an, im Sommer Verbraucher über verschiedene Modelle befragen zu wollen.

koe/dpa

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