Powernapping Prost Schlafzeit!

Der Mensch braucht seinen Mittagsschlaf, sagen Wissenschaftler. Im Alltag richtet sich jedoch niemand danach, dabei könnte ein kurzes Nickerchen sogar die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern steigern. Ob auf oder unter den Schreibtisch - legt euch endlich hin!
Schlafen im Büro: Ein kurzer Schlaf wirkt wunder

Schlafen im Büro: Ein kurzer Schlaf wirkt wunder

Foto: Corbis

Deutschland hat ein Problem: Man schert sich nicht um die Erkenntnisse der Schlafforschung. Seit langer Zeit ist bekannt, dass Mittagsschlaf gesund ist. In Asien, in den südlichen Ländern Europas tun es die Menschen. Sie leben gut damit: Mittagsschlaf wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus, er macht uns körperlich und geistig fit.

Ich behaupte, dass die Menge an bärbeißigen Menschen in diesem Land sich extrem reduzieren würde, wenn Arbeitnehmer nach dem Mittagessen nicht Kunden bedienen würden, auf Bildschirme starrten, Anrufe beantworteten - sondern ihrer ureigensten Bestimmung nachgingen, dem Pennen.

Aber es können noch so viele Studien erstellt werden zur Wirkung von Mittagsschlaf, es können noch so viele Forscher in Interviews seine segensreiche Wirkung preisen - man findet trotzdem keine Kollegen, die nach dem Mittagessen die Rollos runterfahren und sagen: "Ich bin eine halbe Stunde offline, ich muss knacken." Warum eigentlich nicht?

Die Arbeitgeber sollten am wenigsten dagegen haben, denn ein kurzer Mittagsschlaf steigert die Leistungsfähigkeit. Trotzdem habe ich noch nicht erlebt, dass ein Chef zum Powernapping aufgerufen hat. Abgedunkelte Ruheräume habe ich auch noch nicht in Betrieben gesehen - obwohl es die angeblich bei manchen Unternehmen geben soll. Dabei ließe sich jedes Büro mit Isomatten und Telefonumleitungen kurzfristig dazu umfunktionieren. Wahrscheinlich haben die Vorgesetzten Angst, Arbeitnehmer, die sie einmal aufforderten zu schlafen, würden ihr gesamtes Arbeitsleben nicht mehr aufwachen. Als ob das Arbeitsethos in diesem Land verloren ginge durch eine halbe Stunde Mittagsschlaf.

Schlafen kann man überall

Ich habe immer versucht, meinem nachmittäglichen Schlafbedürfnis zu folgen. Als Schüler lag ich in Freistunden auf Couchen im Aufenthaltsraum, als Student auf einer Matratze, die ein Menschenfreund unter eine dunkle Treppe gelegt hatte. Während der Ausbildung hatte ich eine Isomatte im schalldichten Hörfunkstudio, das war schön und Mitschüler und Ausbilder akzeptierten mein Schlafbedürfnis.

Schwieriger war der Einstieg ins Arbeitsleben. In einem Praktikum teilte ich mir das Zimmer mit einer Kollegin. Als sie sich verabschiedete, um zu einer Besprechung zu gehen, witterte mein Körper die Chance auf einen Mittagsschlaf. Voller Vorfreude ließ ich mich unter meinen Schreibtisch gleiten. Leider kam die Kollegin schon nach zehn Minuten zurück - und schrie vor Schreck, weil meine Füße unter dem Tisch herausschauten. Ich stand auf, um zu beweisen, dass ich noch am Leben war -da kann ja sowieso kein Mensch pennen bei so einem Krach, selbst mit Ohropax.

Schlaf und Arbeitsplatz gehen nicht zusammen

Diese Situation ging noch als Praktikanten-Folklore durch. Doch dann kam der erste Job, die aufblasbare Isomatte kam mit, aber es war unmöglich, sie zur Mittagszeit einzusetzen. Ich war jetzt drin in der Mühle, in der Schlaf mit Schwäche gleichgesetzt wird oder mindestens als Faulheit gilt. Vielleicht sogar als asozial, weil alle anderen arbeiten, während man selbst schläft. Der soziale Druck verhinderte meinen Mittagsschlaf.

Schlaf und Arbeitsplatz, das geht wohl nicht zusammen in diesem Land. Es ist eher akzeptiert, während der Arbeitszeit private Telefongespräche zu führen und Freunden E-Mails zu schreiben als zu schlafen. Wahrscheinlich wäre es sogar eher geduldet, Pornos am Arbeitsplatz zu schauen, als den Kopf auf die Tischplatte sinken zu lassen.

Was ist so schlimm am Schlaf? Warum wird er so geächtet in unserer Gesellschaft? Vielleicht fühlt sich mancher wehrlos im Schlaf, ausgeliefert rücksichtslosen Kollegen? Bestimmt haben viele Angst, als faul diffamiert zu werden, wenn sie schlafend am Arbeitsplatz gesehen werden. Aber sollte man sich wirklich durch sozialen Druck zu gesundheitsschädlichem Verhalten drängen lassen? Ich nicht mehr. Ich arbeite heute freiberuflich und schlafe wann ich will.