"Maischberger"-Talk über Ernährung Wohl bekomm's

Unter dem Motto "Ernährung als Religion: Kann denn Essen Sünde sein?" diskutierte Sandra Maischberger mit ihren Gästen. Es ging um "Zuckersucht", den Nutzen von Ratgebern und Diäten mit Eiern.

Die Talkrunde um Sandra Maischberger: Susanne Langguth, Manfred Lütz, Bas Kast, Andrea Ballschuh, Michaela May und Melodie Michelberger (von links nach rechts)
Max Kohr/ WDR

Die Talkrunde um Sandra Maischberger: Susanne Langguth, Manfred Lütz, Bas Kast, Andrea Ballschuh, Michaela May und Melodie Michelberger (von links nach rechts)


Sandra Maischberger eröffnet die Runde mit dem Wissenschaftsjournalisten Bas Kast. Dessen Ratgeberbuch "Der Ernährungskompass" hat es bis in die Bestsellerlisten geschafft. An einem gedeckten Tisch darf Kast Lebensmittel mit grünen, gelben und roten Punkten bewerten. Die Punktvergabe ist dabei wenig überraschend - grün gibt es für Vollkornprodukte, Gemüse, Joghurt, Nüsse und fetten Meeresfisch. Frisches Fleisch ist in Maßen okay (gelber Punkt), die Salami bekommt einen roten Punkt.

Immerhin kann Kast Maischberger damit überraschen, dass er Filterkaffee für gesund hält, und dass gut gereifter Käse eine gesundheitsfördernde Substanz namens Spermidin enthält: "Ich hoffe, dass er Ihnen trotzdem noch schmeckt." Milch hingegen sei von der Natur erfunden worden "um kleine Babys groß zu machen". Im Erwachsenenkörper aber wachse bei hohem Konsum womöglich Krebs.

Für die Recherchen zu seinem Buch will Kast "mehrere Tausend" Studien gelesen haben. Kast selbst hatte seine Ernährung umgestellt, nachdem er beim Joggen eines Tages Herzenge verspürt hatte. Ob das tatsächlich an seinen früheren Essgewohnheiten lag, bleibt allerdings offen.

Heftig kritisiert wird Kasts Buch von einem anderen Gast, dem Psychiater und Theologen Manfred Lütz. "Hier gibt sich etwas als wissenschaftlich aus, was keine Wissenschaft ist", schimpft Lütz. Zu dogmatisch fallen ihm Kasts Ernährungstipps aus. Er habe zudem mit Ernährungswissenschaftlern gesprochen, die das mit der Milch für Unsinn halten.

Kast bleibt gelassen, lenkt aber ein: Das Thema Milch sei umstritten, bei Gemüse und Fleisch sei die Datenlage klarer. "Ich versuche ja nur, einen gewissen Überblick zu geben." Worauf Lütz treffend bemerkt: "Das wussten wir auch schon vorher."

Tatsächlich fördert die Runde weder wirklich Neues noch Tiefgründiges zu Tage. So berichtet die Schauspielerin Michaela May, dass sie früher Diäten mit Eiern und Grapefruit ausprobiert habe, und dass sie nach einem Stück Schokolade nicht mehr aufhören könne. Mittlerweile hört sie beim Essen mehr in sich hinein und verzichtet außerdem auf Steinobst, weil das Blähungen mache.

Neben ihr sitzt TV-Moderatorin Andrea Ballschuh. Sie sagt, dass sie "auch total gerne esse", allerdings zuckersüchtig gewesen sei, auch wenn das "wissenschaftlich ja nicht anerkannt" wäre. Aus ihrer Facebook-Gruppe wisse sie aber, dass es anderen ähnlich gehe. Erst ein 90-tägiger Verzicht auf zugesetzten Zucker habe sie von der Abhängigkeit befreit.

Als Susanne Langguth vom Lebensmittelverband BLL gezuckerte Schulmilch verteidigt, regt Ballschuh sich auf: "Das pitscht die Kinder total auf und danach fallen sie in ein Energieloch!" Zucker aktiviere "die gleichen Zentren wie Alkohol und Kokain" im Gehirn. Psychiater Lütz mahnt, den Suchtbegriff nicht inflationär zu gebrauchen: "Wir haben jedenfalls noch keine Zuckerentzugsstation in unserer psychiatrischen Klinik."

Im Gespräch außen vor bleibt bis fast zum Schluss die Internet-Aktivistin Melodie Michelberger: Sie hatte früher Magersucht, heute postet sie auf Instagram Bilder von sich in Unterwäsche, um zu zeigen, dass nicht nur dünn schön sein kann - im Grunde wäre das ein eigenes Thema. Michelberger darf dann immerhin noch sagen, dass sie es problematisch findet, Lebensmittel in gesunde und ungesunde einzuteilen, weil dadurch leicht das Gefühl entstehe, etwas falsch zu machen: "Die Schlankheitsindustrie freut sich dann über unsere Unsicherheiten." Den Genuss dürfe man beim Essen nie vergessen.

Das Thema Ernährung, das zeigt sich bei Maischberger, ist zwar kompliziert, aber nur dann, wenn man krampfhaft meint, wirklich alles richtig machen zu müssen. Dass aber zuckerhaltige Limonaden eher schlecht, Obst, Gemüse und Vollkornprodukte eher gut sind, darauf kann sich auch die Runde schnell einigen. Bei anderen Lebensmitteln und vor allem bei Fertigprodukten im Supermarkt fällt den meisten die Beurteilung schwerer. Die oft geforderte Lebensmittelampel wäre eine sinnvolle Lösung, um Verbrauchern das Leben leichter zu machen.

In der Runde hat dann noch die Vertreterin der Lebensmittelindustrie einen guten Tipp für alle, die keine echten Probleme mit ihrer Ernährung haben, sich aber trotzdem ständig darüber den Kopf zerbrechen. Kompliziert ist der nicht: "Iss das, was dir schmeckt - und denke ein bisschen darüber nach, wie viel und wovon."

insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fatherted98 04.04.2019
1. danke für die Zusammenfassung...
....das erspart mir diese Sendung anzuschauen...wie immer bei diesem Thema....nichts neues außer Ideologen und Prominente Besserwisser....schön das Michaela May von ihren Flatulenzen berichtet hat....ich kann es fast riechen.
ralle58 04.04.2019
2. Einfach nur
bla-bla. " Die Dosis macht das Gift". Ach nee. Solche Promo- Aktionen für Buchautoren gehören als Werbung gekennzeichnet.
dasfred 04.04.2019
3. Der Schluss sagt alles
Ernährung ist immer stärker ein Tummelfeld für Nahrungsapostel. Jeder trägt seinen persönlichen Glauben unter das Volk. Der Verdauungstrakt ist sowohl für Fleisch als auch Pflanzenkost ausgelegt. Je nach Aktivitäten braucht man seine Kalorien, Vitamine, Mineralien und Hilfsstoffe. Von allem was und nicht zuviel reicht als Empfehlung völlig, solange keine Unverträglichkeiten oder Vorschäden durch Fehlernährung bestehen.
taglöhner 04.04.2019
4. Klassiker
Ernährungsfimmel ist weiblich. Davon profitieren überwiegend Männer. Böse Welt. :)
theuwe 04.04.2019
5. Bei der Ernährung geht es nicht nur ums Essen...
Zitat von dasfredErnährung ist immer stärker ein Tummelfeld für Nahrungsapostel. Jeder trägt seinen persönlichen Glauben unter das Volk. Der Verdauungstrakt ist sowohl für Fleisch als auch Pflanzenkost ausgelegt. Je nach Aktivitäten braucht man seine Kalorien, Vitamine, Mineralien und Hilfsstoffe. Von allem was und nicht zuviel reicht als Empfehlung völlig, solange keine Unverträglichkeiten oder Vorschäden durch Fehlernährung bestehen.
...also nicht nur darum, was für den Menschen gesund oder ungesund ist, sondern eben auch um ethische Fragen. Stichworte zB Fleischkonsum, Massentierhaltung, Tiertransporte, Rohdung enormer Waldflächen für Tierfutteranbau usw Dass es gesundheitlich und moralisch/ethisch gut ist auf va rotes Fleisch (sowie verabeitete Lebensmittel) möglichst zu verzichten und sich überwiegend oder völlig vegetarisch zu ernähren ist mE ebenso unstrittig und eine einfache Leitschnur für die persönliche Ernährung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.