Gaga-Diäten Teil 2 Morgens und abends Wodka

Schnell, bequem und möglichst ohne Verzicht Abspecken? Glaubt man den vielen Tipps in Abnehm-Foren, ist nichts leichter als das. Sogar Wodka, der Mond oder Asthmaspray sollen helfen. Fünf verrückte Diäten im Test.
Das Internet ist voll von vermeintlich guten Abnehm-Tipps: Doch was hilft wirklich?

Das Internet ist voll von vermeintlich guten Abnehm-Tipps: Doch was hilft wirklich?

Foto: Corbis

Die beste Freundin hat in sieben Tagen ihre Hochzeit, doch das gute Kleid vom letzten Jahr passt einfach nicht mehr. An Sport ist nicht zu denken, an Schonkost erst recht nicht, ein Wunder muss her. Was tun? SPIEGEL ONLINE hat zehn absurde Diätvorschläge unter die Lupe genommen und ihre vermeintliche Wirkung geprüft. Im zweiten Teil des Diäten-Tests lesen Sie, dass sogar Wodka zum Abnehmen geeignet ist, und auch der Mond wahre Wunder vollbringen soll. Angeblich.

Die Bockwurst-Wodka-Diät: Achtung, Suchtpotential!

Der Tipp:

Trinke morgens und abends ein kleines Glas Wodka, mittags ein großes. Iss dazu mittags eine Bockwurst, sonst nichts.

Wodka: Bei dieser kruden Diät gibt es Fleisch und hochprozentiges zu allen Tageszeiten

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Foto: DDP

Die angebliche Wirkung:

Wer sich streng an diesen schrägen Diätplan hält, nimmt weniger Kalorien zu sich, als er verbraucht, und verliert deshalb Gewicht. Die Methode war in der DDR beliebt, berichten Zeitzeugen.

Die wahre Wirkung:

Nadia Röwe, Ernährungswissenschaftlerin beim aid Infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz, rechnet vor: "Acht Zentiliter Wodka und eine mittelgroße Bockwurst haben etwa 650 Kilokalorien." Der tägliche Energiebedarf einer Frau, die überwiegend im Sitzen arbeitet, liegt bei etwa 2300 Kilokalorien. Also doch eine gute Idee, die Bockwurst-Wodka-Diät? Nein, sagt Röwe. "Die geringe Energieaufnahme führt zu einer Drosselung des Stoffwechsels, so dass der Energiebedarf vorübergehend sinkt. Isst man nach der Diät aber wie gewohnt, erhöht sich das Gewicht schnell wieder." Auch bezweifelt sie, dass man den Ernährungsplan wirklich durchhält: "Bei einer derart einseitigen Diät sind Heißhungergelüste auf andere Lebensmittel, zum Beispiel Süßigkeiten, zu erwarten."

Das Fazit:

Diese Diät wird niemanden dauerhaft schlank machen und schadet der Gesundheit: Eine so unausgewogene Ernährung kann schnell zu einer Mangelversorgung mit Nährstoffen führen. Wer regelmäßig so viel trinkt, kann süchtig werden und hat ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Trinken kann außerdem zu einer Fettleber und Leberzirrhose führen und Organe wie Bauchspeicheldrüse und Herzmuskel schädigen.

Die Asthmaspray-Diät: Mehr Doping als Diät

Der Tipp:

Inhaliere Asthmaspray, auch wenn du kein Asthmatiker bist.

Asthmaspray wird zweckentfremdet: Eine gefährliche Diätvariante

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Foto: OBS

Die angebliche Wirkung:

Asthmasprays sollen die Fettverbrennung ankurbeln, indem sie die Körpertemperatur erhöhen.

Die wahre Wirkung:

"Die sogenannten Beta-2-Sympathomimetika gelten auch als Anabolika und spielen im Doping eine Rolle", sagt Stefanie Joos, Leitende Oberärztin für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg. Diese Asthmamittel wirken in hoher Dosierung tatsächlich fettabbauend und muskelaufbauend. "Diese Wirkungen werden aber in den üblichen Dosen, die vom Asthmatiker eingenommen werden, meist nicht erreicht", sagt Joos. Zum Abnehmen sind Asthmasprays also nicht geeignet. Schlimmer noch: Sie haben massive Nebenwirkungen, gerade bei hoher Dosierung. Das Herz schlägt schneller und unregelmäßiger, die Muskeln zittern und krampfen, viele Anwender bekommen Kopfschmerzen, schwitzen oder fühlen sich unruhig. "Menschen, deren Herz vorgeschädigt ist, was sie oft gar nicht wissen, sind gefährdet, durch solche Medikamente eine Sauerstoffunterversorgung des Herzens zu bekommen. Im Extremfall kann das sogar tödliche Folgen haben", warnt Joos.

Das Fazit:

Wer ohne Not und ohne ärztliche Untersuchung Asthmaspray inhaliert, gefährdet unter Umständen sein Leben. "Man kann vor solchen Trends gar nicht genug warnen", sagt Stefanie Joos.

Die Abführmittel-Diät: Jojo-Effekt garantiert

Der Tipp:

Nimm Mittel wie Glaubersalz, denn nach dem Abführen wirst du dich leichter fühlen, dein Bauch wird flacher sein.

Abnehmen mit Abführmitteln: Auch von dieser Diät raten Mediziner dringend ab

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Foto: ? Dylan Martinez / Reuters/ REUTERS

Die angebliche Wirkung:

Die Nahrung verlässt den Körper schneller wieder - der Darm hat also nicht genug Zeit, Energie herauszuziehen. Gerade junge Mädchen nutzen häufig Abnehm-Foren im Internet, stoßen dort auf solche fragwürdigen Tipps und folgen ihnen, ohne die Gefahren zu kennen.

Die wahre Wirkung:

Wer seine Verdauung künstlich beschleunigt, wird nicht dauerhaft abnehmen. "Bei dieser Methode lernt man nicht, ausgewogen zu essen. Deshalb wird es nach Absetzen der Medikamente schnell zu einem Jojo-Effekt kommen", sagt Nadia Röwe. Dauerhaft Abführmittel zu nehmen, die in der Fachsprache Laxantien heißen, führt häufig zu Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts, insbesondere zu Kaliumverlusten. Es besteht auch die Gefahr, dass der Körper nicht genug Nährstoffe bekommt. "Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät grundsätzlich davon ab, Laxantien zur Gewichtsreduktion einzusetzen", sagt die Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer.

Das Fazit:

Diese Methode wird nicht dauerhaft schlank machen. Selbst wenn die Waage zunächst weniger Körpergewicht anzeigt, kann das am Wasserverlust liegen, spätestens nach Ende der gefährlichen Kur wird man wieder zunehmen.

Die Rohkost-Diät: Mangel an Nährstoffen

Der Tipp:

Iss vor allem Obst und Gemüse, und zwar in rohem Zustand.

Viel Obst und Gemüse: Bei der Rohkost-Diät kommt Rohes auf den Tisch

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Foto: DDP

Die angebliche Wirkung:

Die Ernährungsform geht auf den umstrittenen Offizier und Rohkostpionier Helmut Wandmaker zurück. Seiner Ansicht nach verträgt der Mensch gekochtes Essen nicht, weil er gar nicht die notwendigen Erbanlagen dafür hat. Nahrung verändert sich dieser Philosophie zufolge beim Kochen so, dass sie Krankheiten wie Krebs verursachen kann. Deshalb sollte man nur "lebendige" Rohkost essen: vor allem Obst und Gemüse, keinesfalls Getreide, Fett oder Milch. Die meisten, die heute mit der Rohkost-Methode dünner werden wollen, ignorieren die leicht esoterischen, naturreligiösen Züge dieser Philosophie und haben aus ihr die "Wandmaker-Diät" gemacht.

Die wahre Wirkung:

Rohes Gemüse ist gesund und sättigt vermutlich besser als gekochtes, da viele Gemüsesorten zu einem hohen Anteil aus Wasser bestehen und beim Kochen ihr Volumen verlieren. Außerdem muss man rohes Gemüse und Obst länger kauen, allein das macht schon satt. Allerdings warnen Experten vor den Nachteilen dieser Ernährungsform: Rohköstler leiden nach Auskunft der Deutschen Gesellschaft für Ernährung häufig an Nährstoffmangel, vor allem bei Protein, Vitamin B2, D, B12, Kalzium und Zink. Das liegt daran, dass sie auf Nahrungsmittel wie Milchprodukte und Getreide verzichten und dass fettlösliche Vitamine ohne Fett kaum vom Körper aufgenommen werden.

Das Fazit:

"Als Dauerkost ist die Ernährung nicht geeignet", sagt Silke Restemeyer.

Die Mond-Diät: Empfehlenswert - ganz unabhängig vom Mond

Der Tipp:

Beginne deine Diät bei abnehmendem Mond und achte auf dein Tierkreiszeichen.

Der Mond besitzt starke Kräfte: Ob diese auch beim Abnehmen helfen?

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Foto: AFP/ NASA

Die angebliche Wirkung:

Schlank werden klappt nur mit Hilfe des Universums. Abnehmen kann man der Philosophie zufolge am besten dann, wenn auch der Mond abnimmt. In dieser Phase verbrennt der Körper angeblich mehr Energie. Bei Voll- oder Neumond dagegen wandelt er die Nahrung besonders gut in Fett um und speichert es. An diesen Tagen sollte man deshalb fasten. Bei zunehmendem Mond darf man in Maßen süß und fettig essen. Die Mond-Gläubigen bekommen außerdem Ernährungstipps, die auf ihr Tierkreiszeichen abgestimmt sind.

Die wahre Wirkung:

Zusätzlich zu den Astro-Tipps bekommen Abnehmwillige Ratschläge für eine gute Ernährung: Diese ist abwechslungsreich und entspricht den gängigen Ernährungsempfehlungen. "Mit dieser Ernährung kann jeder abnehmen, unabhängig davon, wie der Mond steht. Der Gewichtsverlust erfolgt langsamer als bei Crash-Diäten, dafür stetig. Das Durchhalten fällt somit leichter", sagt Nadia Röwe vom aid. "Dass der Mond Einfluss auf die Gewichtsreduktion hat, ist allerdings unwahrscheinlich und wissenschaftlich nicht bewiesen."

Das Fazit:

Trotz der esoterischen Verpackung schadet diese Diät nicht. Wem es hilft, der sollte also ruhig an die Diät-Kraft des Mondes glauben und dabei gesund abnehmen!

Sie haben Teil 1 der zehn abstrusesten Diäten verpasst? Hier können Sie den SPIEGEL-ONLINE-Check nachlesen.

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