Saft statt Fett Schokolade ohne Reue

Gute Nachrichten für Schokoholiker: Britische Forscher haben eine Methode entwickelt, um den Fettgehalt von Schokolade zu halbieren - ohne dass die besondere Konsistenz verloren geht. Dabei setzen sie auf Fruchtsaft statt Fett. Doch wie gesund ist die Light-Nascherei wirklich?
Forscher Bon mit seiner Schokolade: Zart schmelzend dank Orangensaft

Forscher Bon mit seiner Schokolade: Zart schmelzend dank Orangensaft

Foto: UC of Warwick

Light-Produkte im Supermarktregal sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie sind so normal wie das Smartphone in der Hand der Bahnpendler. Die Jutetasche unter der Achsel der hippen Berlinerin. Und der Bioladen in der Fußgängerzone. Fettreduzierte Salami, fettreduzierte Chips, fettreduzierte Milch, alles längst bekannt. Doch jetzt haben Forscher eine weitere Stufe des Fettreduzierwahns erklommen: mit einer Schokolade, in der sie Fett durch Saft, Cola light und vitaminangereichertes Wasser ersetzen.

Die Vorstellung von gesünderer Schokolade dürfte viele Fans erfreuen - und ihnen noch mehr Argumente fürs Naschen ohne Reue bieten. Schließlich gibt es Hinweise darauf, dass Kakao den Blutdruck senken kann. Bisher allerdings stürzte das Fett die Schokolade-ist-gesund-Agumentatoren in ein Dilemma. In diesem Sinne wäre eine fettreduzierte Schokolade also doppelt gesund.

Genau das wollte ein Team junger Wissenschaftler um Stefan Bon von der University of Warwick  erreichen. Dabei mussten die Forscher insbesondere eine Hürde meistern: Wie macht man Schokolade gesünder - ohne dabei die besonders verführerische Konsistenz von zartem Schmelz auf der Zunge zu verlieren?

Einen Großteil ihres samtigen Gefühls erhält Schokolade durch winzige Fettkügelchen, die sich in der festen Masse lösen. Sie zu ersetzen ist schwierig - unter anderem weil die Ersatzsubstanzen gelöst bleiben müssen, während die Schokolade erhitzt wird und abkühlt. Hinzu kommt, dass die Kügelchen nur winzig sein und nicht zu größeren Blasen verschmelzen dürfen.

Für dieses Problem fand Bons Team eine Lösung. Indem sie Schokolade mit winzigen Wasser-, Saft- oder Limonadentropfen durchzogen, senkten sie den Fettgehalt um 50 Prozent. Das Besondere dabei: Jedes der Bläschen hat nur einen Durchmesser von weniger als 30 Mikrometern, der Durchmesser eines Haares ist mit etwa 70 Mikrometern in der Regel mehr als doppelt so groß. Von ihren Ergebnissen berichteten die Forscher auf der Tagung der "American Chemical Society". Ihre Ergebnisse hatten sie zuvor schon im "Journal of Materials Chemistry" veröffentlicht .

Ein fruchtiger Beigeschmack

In einem ersten Schritt behandelten die Wissenschaftler Milch-, Bitter- und weiße Schokolade mit Orangen- und Cranberry-Saft. Das Endprodukt schmecke zwar etwas fruchtig, so das Fazit der ersten Geschmackstests. Um den schokoladigen Geschmack nicht zu verfälschen, könne man allerdings auch Wasser und geringe Mengen Vitamin C in die Schokolade einbringen.

Damit könnte die Süßigkeit noch ein weiteres Stückchen gesünder werden: Light-Schokolade, die bisher auf dem Markt ist, kompensiert nämlich das Fett häufig durch Zucker. Dieses Problem könnte mit Wassertröpfchen statt süßer Safttröpfchen umgangen werden.

Bisher gibt es die Schokolade nur in Bons Labor, doch sie ist ein erster Schritt hin zu gesünderen Naschereien in den Supermarktregalen. "Wir haben einen Weg gefunden, alle Dinge zu erhalten, die Schokolade 'schokoladig' machen - aber mit Fruchtsaft statt Fett", sagt Bon. "Unsere Studie ist allerdings erst der Startpunkt. Wir haben die Chemie hinter der neuen Technik entwickelt, nun hoffen wir, dass die Lebensmittelindustrie unsere Methode nutzen wird, um leckere, fettreduzierte Riegel zu entwickeln."

Schokoladenhersteller müssten also erst noch von Bons Entwicklung überzeugt werden. Und auch dem Verbraucher müsste die Leckerei tatsächlich so gut schmecken, wie es die Chemie verspricht.

Gleichwohl befriedigt die Entwicklung der Forscher die Nachfrage nach immer fettärmeren Produkten. Wie sinnvoll Light-Lebensmittel sind, gilt allerdings als umstritten. So zeigte etwa eine Tierstudie, dass Ratten mehr fressen, wenn sie Light-Produkte vorgesetzt bekommen. Fett macht schließlich auch satt, laut einer Studie insbesondere edles Olivenöl. Ob eine Ernährung mit Halbfettmilch, Light-Salami oder fettreduzierter Schokolade demnach den gewünschten Kaloriensparerfolg bringt oder nur dazu führt, dass die Bilanz anschließend mit einem von Hunger getriebenen Snack wieder vermasselt wird, ist fraglich.

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irb
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