Weltweite Schrittzähler-Studie Wo viel gegangen wird, gibt's weniger Dicke

Von der Haustür zum Auto, von der U-Bahn ins Büro: Forscher haben untersucht, wie viele Schritte Menschen weltweit jeden Tag zurücklegen. Die Auswertung zeigt: In fußgängerfreundlichen Städten sind Menschen schlanker.

Fast jeder dritte Mensch auf der Welt ist übergewichtig - 2,2 Milliarden Menschen sind betroffen. Ein häufiges Problem ist mangelnde Bewegung. Besonders hoch sind die Gesundheitsrisiken bei starkem Übergewicht, der Adipositas. Das entspricht einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 und mehr.

Forscher der US-Eliteuniversität Stanford wollten herausfinden, warum Fettleibigkeit in einigen Ländern ein größeres Problem ist als in anderen. Dazu nutzten sie Daten von Schrittzählern in Smartphones.

Fast 720.000 Menschen aus 111 Ländern nahmen an der Studie teil. Die Forscher analysierten ihre tägliche Bewegung im Schnitt über 95 Tage hinweg. Die Daten wurden anonymisiert, ließen aber Rückschlüsse auf das Alter, das Geschlecht, die Herkunft und den Body-Mass-Index zu.

Das Ergebnis: Im Schnitt legte jeder etwa 4900 Schritte pro Tag zurück, wie die Forscher im Fachblatt "Nature" schreiben . Zudem gibt es einen engen Zusammenhang zwischen der Verteilung von Bewegung in einem Land und der Wahrscheinlichkeit für Adipositas.

Demnach sind weniger Menschen in den Ländern übergewichtig, in denen die Untersuchten an jedem Tag in etwa gleich viele Schritte zurücklegen. Ist die Spreizung bei den Schrittzahlen dagegen besonders hoch, steigt die Gefahr für starkes Übergewicht. Das passiert beispielsweise, wenn einige fast nie zu Fuß gehen und sich andere dagegen besonders viel bewegen.

Die Daten zeigten auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Demnach laufen Männer im Schnitt mehr als Frauen. Dieser Unterschied werde noch deutlicher, wenn die Aktivität in einem Land besonders ungleich verteilt ist. "Deshalb leiden besonders Frauen an den negativen Folgen von Übergewicht", sagt Jure Leskovec, der an der Studie mitgearbeitet hat.

Die Daten lassen auch einen Vergleich zwischen einzelnen Ländern zu. Deutschland landet leicht über dem Durchschnitt. Im Schnitt legte jeder der Untersuchten aus Deutschland etwa 5200 Schritte pro Tag zurück. Gleichzeitig waren etwa 14 Prozent der Studienteilnehmer fettleibig.

Was die erfassten Schrittzahlen betrifft, liegen deutsche Studienteilnehmer in etwa gleichauf mit Italienern, Finnen oder Norwegern. Briten gehen im Vergleich etwas häufiger zu Fuß, sie kommen im Schnitt auf 5400 Schritte pro Tag. Die Franzosen legen dagegen nur etwa 5100 Schritte zurück. Die Schweden laufen etwa tausendSchritte mehr pro Tag und gehören damit zu den Spitzenreitern.

"In Schweden gibt es kaum einen Unterschied zwischen bewegungsreichen und bewegungsarmen Menschen und den geringsten Unterschied zwischen Männern und Frauen. Schweden hat außerdem eine der niedrigsten Raten bei Adipositas", so Leskovec.

Auch in Russland, Spanien, Japan, Ukraine und China gehen die Menschen besonders viel zu Fuß. Auf Platz eins landet Hong Kong mit 6880 Schritten.

Die USA liegen im internationalen Vergleich dagegen mit etwa 4774 Schritten pro Tag auf den hinteren Plätzen. Hier ist die Lücke zwischen Menschen, die sich besonders viel bewegen und solchen, die kaum zu Fuß gehen, besonders hoch. Auch beim starken Übergewicht liegen die USA an der Spitze. Besonders gering ist die durchschnittliche Schrittzahl außerdem in Saudi-Arabien mit etwa 3800. Nur in Indonesien sind es noch weniger mit etwa 3500 Schritten pro Tag.

Die Forscher untersuchten auch, wie sich Städte auf die Aktivität ihrer Bewohner auswirken. Sie wollten herausfinden, ob Menschen mehr zu Fuß gehen, wenn die Städte besonders fußgängerfreundlich sind - etwa wenn es ausreichend Gehwege gibt oder Parks als Ausflugsziele oder wenn sich Restaurants und Supermärkte auch zu Fuß erreichen lassen. Dazu analysierten sie 69 Städte in den USA.

Es zeigte sich, dass die Städte, die Fußgänger fördern, auch den geringsten Unterschied bei der Bewegung aufweisen. "In fußgängerfreundlichen Städten neigen alle dazu, mehr Schritte pro Tag zu machen, egal ob sie männlich oder weiblich sind, jung oder alt, normalgewichtig oder übergewichtig", sagt Jennifer Hicks, die ebenfalls an der Studie mitgearbeitet hat.

Als positives Beispiel nennt sie San Francisco, wo die Menschen viel häufiger zu Fuß gingen als in anderen kalifornischen Städten wie San José oder Fremont.

koe
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