Verhalten an heißen Tagen "Bei Hitze lauwarmes Wasser trinken"

Bei Hitze sollte man salzig essen und lauwarm duschen. Warum eigentlich? Die Ärztin und Klimatologin Angela Schuh erklärt, wann wir effektiv schwitzen und was wirklich hilft, um im Hochsommer nicht zu überhitzen.
Klares Wasser: Viel trinken, aber nicht zu kalt

Klares Wasser: Viel trinken, aber nicht zu kalt

Foto: Oliver Berg/ dpa
Zur Person

Angela Schuh ist Professorin für medizinische Klimatologie am Lehrstuhl Public Health und Versorgungsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie leitet dort das Fachgebiet Medizinische Klimatologie. Neben zahlreichen Fachpublikationen hat sie für medizinische Laien das Buch "Biowetter - Wie das Wetter unsere Gesundheit beeinflusst" (CH Beck) verfasst.

SPIEGEL ONLINE: Man hört oft den Ratschlag, bei Hitze solle man heiße Getränke trinken, weil man dann angeblich weniger schwitzt. Stimmt das?

Schuh: Heiße Getränke sollte man bei hohen Temperaturen auf keinen Fall zu sich nehmen, da die Körperkerntemperatur dadurch steigt und der Körper noch mehr schwitzt.

SPIEGEL ONLINE: Welche Temperatur sollten Getränke bei Hitze haben?

Schuh: Wichtig ist, dass man keine heißen, aber auch keine eiskalten Flüssigkeiten trinkt. Denn auf die zugeführte Kälte reagiert der Körper mit einer Verengung der Blutgefäße. Das Blut bleibt verstärkt im Körperkern, der Körper heizt sich von innen wieder auf. Ich empfehle, bei Hitze lauwarme Getränke zu trinken. Die Temperatur sollte so sein, dass es sich angenehm anfühlt auf der Haut, so warm etwa, wie man Milch für Kleinkinder macht.

SPIEGEL ONLINE: Wasser direkt aus der Leitung wäre also zu kalt?

Schuh: Kaltes Leitungswasser hat etwa 14 Grad Celsius. Das sollte man bei Hitze besser ein bisschen stehen lassen, damit es sich ein wenig aufwärmt.

SPIEGEL ONLINE: Aber die kalte Dusche ist eine gute Idee?

Schuh: Nein, eiskalt sollte man nicht duschen. Das würde dazu führen, dass sich die Gefäße zunächst zusammenziehen, um die Wärme im Körperinneren zu halten. Danach steigert sich die Durchblutung der Haut aber, wir werden rot und schwitzen erst recht. Auch beim Duschen ist lauwarmes Wasser besser, damit der Körper sich leicht abkühlt, aber keine Gegenreaktionen entwickelt. Was auch hilft, ist ein absteigendes Bad.

SPIEGEL ONLINE: Wie funktioniert das?

Schuh: Man legt sich in die Badewanne, lässt lauwarmes Wasser einlaufen, sodass einem weder warm noch kalt ist. Dann lässt man so lange kaltes Wasser nachlaufen, bis es anfängt, unangenehm kühl zu werden - und steigt dann sofort raus aus der Wanne. Auf diese Weise kann man dem Körper langsam Wärme entziehen, ohne dass er gegenreguliert und die Schweißproduktion anregt.

SPIEGEL ONLINE: Wie wirkt sich Hitze auf den Körper aus?

Schuh: Sie wirkt sich vor allem auf das Herz-Kreislaufsystem negativ aus: Der Blutdruck sackt ab, weil sich die Gefäße weiten und weil der Körper durch Schwitzen Flüssigkeit verliert. Dadurch kann einem schwindlig werden. Besonders gefährdet sind Säuglinge und alte Menschen, da bei ihnen die Temperaturregulation noch nicht oder nicht mehr richtig funktioniert. Auch Patienten, die Blutdruckmedikamente nehmen, sind betroffen, weil die Medikamente den Blutdruck ohnehin absenken.

SPIEGEL ONLINE: Warum wird uns heiß, wenn die Außentemperatur unter unserer Körpertemperatur liegt?

Schuh: Der Körper hält die Temperatur in seinem Inneren konstant, in den Organen und dem Gehirn liegt sie bei 37 Grad Celsius. Nach oben gibt es keinen großen Spielraum, denn bei 42 Grad gerinnen bestimmte Eiweiße, die für den Menschen lebenswichtig sind. Es wird ständig Wärme produziert, die muss der Körper nach außen transportieren, um nicht zu überhitzen. Das macht er, indem er die Gefäße weitet.

SPIEGEL ONLINE: Wir erröten.

Schuh: Genau - und jetzt treten die Schweißdrüsen in Aktion. Sie geben an der Hautoberfläche Schweiß ab, dabei wird Verdunstungskühle frei. Das Blut in der Haut kühlt sich ab und fließt mit geringerer Temperatur in den Körperkern zurück. Wenn allerdings die Luft sehr feucht ist, kann der Schweiß nicht verdunsten und dieser Effekt der Kühlung bleibt aus. Der Puls steigt, um das Blut schneller zirkulieren zu lassen und Wärme loszuwerden.

SPIEGEL ONLINE: Was raten Sie bei schwüler Hitze?

Schuh: Man sollte sich möglichst in kühlen Räumen aufhalten und sich wenig bewegen. Trockene Hitze dagegen ist für einen gesunden Menschen gut auszuhalten, wenn er genug trinkt und Elektrolyte etwa durch salzige Suppen oder Salzstangen ersetzt.

Das Interview führte Frederik Jötten
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