Nebenwirkung von Sport Exzessives Training = müdes Hirn

Wer zu viel trainiert, handelt impulsiver: Forscher haben herausgefunden, wie sich Übertraining auf das Gehirn auswirkt. Die Ergebnisse könnten relevant für politische oder ökonomische Entscheidungen sein.
Zu viel Sport ist auch nicht gut: Übertraining schadet nicht nur dem Körper, sondern ermüdet auch das Gehirn

Zu viel Sport ist auch nicht gut: Übertraining schadet nicht nur dem Körper, sondern ermüdet auch das Gehirn

Foto: Jacob Ammentorp Lund/ iStockphoto/ Getty Images

Leistungssportler kennen das vielleicht: Man trainiert und trainiert und trotzdem fällt die Leistung ab. Grund dafür ist meist Übertraining - eine chronische Überlastung des Körpers, die durch zu hohe Trainingsintensitäten hervorgerufen werden kann. Begleiterscheinungen sind oft Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Appetitverlust und sogar depressive Verstimmungen.

Dass exzessives Training dem Körper nicht unbedingt guttut, ist bekannt. Forscher haben nun herausgefunden, dass auch bestimmte Bereiche des Gehirns durch übermäßiges Ausdauertraining ermüden können.

Französische Wissenschaftler verglichen dazu eine Gruppe von 19 männlichen Triathleten um die 35 Jahre, deren Trainingsvolumen drei Wochen lang um rund 40 Prozent angehoben wurde, mit einer gleichaltrigen Vergleichsgruppe von 18 Triathleten, die ihr normales Trainingspensum weiterverfolgten. Die Leistungssportler, die zu viel trainierten, zeigten nicht nur übermäßige physische, sondern auch mentale Ermüdungserscheinungen.

Lieber 80 Euro sofort als 100 Euro in zwei Wochen

Genauer gesagt war nach dem Training die Aktivität des Gehirnbereichs eingeschränkt, der für das bewusste Treffen von Entscheidungen verantwortlich ist: die kognitive Kontrolle. Dieses neuronale Kontrollsystem kommt immer dann zum Einsatz, wenn gewohnheitsmäßige Prozesse überwacht, unterbrochen und geändert werden müssen, um das Verhalten besser an langfristigen Zielen auszurichten.

Die Ermüdungserscheinungen dieses Gehirnbereichs zeigten sich auch im Verhalten der Athleten: Sie handelten impulsiver, wie die Forscher im Fachblatt "Current Biology"  berichten. In der Studie konnten die Sportler sich etwa entscheiden, ob sie lieber 80 Euro sofort oder 100 Euro in zwei Wochen bekommen wollten. Die Athleten der Gruppe, die eine zu hohe Trainingsintensität verfolgte, entschieden sich eher für die unmittelbare Belohnung als für die längerfristige und dafür größere.

Die Wissenschaftler leiten daraus auch eine Ursache für Übertraining ab: Die Sportler hörten trotz schmerzender Muskeln nicht auf zu trainieren, da sie dadurch in dem Moment ein höheres Leistungsempfinden hatten. Sie bedachten nicht die langfristigen, leistungsmindernden Folgen, die Übertraining haben kann, glauben die Forscher.

"Die Region des präfrontalen Kortex, die auf das übermäßige Sporttraining reagierte, war genau die gleiche, die in vorhergehenden Studien auf extreme mentale Belastung reagierte", sagte Mathias Pessiglione, einer der Autoren der Studie. Dieser Bereich des Gehirns scheine also der Schwachpunkt zu sein, der verantwortlich für die Fähigkeit sei, rationale Entscheidungen zu treffen.

Für das Trainingspensum bedeutet das: "Man muss sich bewusst dafür entscheiden aufzuhören, wenn beim Ausdauertraining etwa die Muskeln oder Gelenke schmerzen", sagt Pessiglione. "Um einen langfristigen Trainingserfolg zu erzielen."

Ausdauersport sei generell zwar gut für die Gesundheit, Übertraining jedoch könne ungünstige Effekte auf das Gehirn haben, schlussfolgern die Wissenschaftler. "Wir haben damit herausgefunden, dass man nicht die gleichen Entscheidungen trifft, wenn das Gehirn ermüdet ist", sagt Pessiglione.

kry
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