Stiftung Warentest Exotische Salze sind nicht besser als Haushaltssalz

Fleur de Sel und rosa Himalaja-Salz sind nicht besser als herkömmliches Salz. Die Stiftung Warentest hat 36 Produkte untersucht: Die Heilsversprechen der Werbung können die exotischen Produkte nicht halten. Käufer sollten stattdessen auf andere Dinge achten.
Speisesalz: Gute Qualität für vier Cent je 100 Gramm

Speisesalz: Gute Qualität für vier Cent je 100 Gramm

Foto: Stiftung Warentest

Berlin - Sie kosten teilweise das Hundertfache des normalen Speisesalzes, die Werbesprüche legen wundersame Kräfte nahe: "Absolut naturrein", "Wahrer Jungbrunnen" oder "Mystik des Kulturkreises". Die von der Stiftung Warentest zitierten Slogans werben für exotische Speisesalze, die vor allem mehr Genuss und Gesundheit versprechen, obwohl sie nicht besser als einfaches Haushaltssalz sind. Die Tester untersuchten für die Oktober-Ausgabe der Zeitschrift "test"  insgesamt 36 Salze.

Während Kunden für die Exoten bis zu 6,65 Euro pro 100 Gramm auf den Tisch legen müssen, kostet normales Speisesalz bei gleicher Menge nur vier Cent. Einige exotische Salze fielen im Test sogar mit der Note "mangelhaft" durch. Hingegen schnitten 15 der 21 einfachen Siede- und Meersalze insgesamt "gut" ab, bei den besonderen Salzen nur vier von 15.

99,9 Prozent Kochsalz gegen Berliner Blau

Chemisch unterscheiden sich die 36 untersuchten Salze wenig voneinander. Sie bestehen zu 93 bis 99,9 Prozent aus Kochsalz. Der Rest sind überwiegend schwer lösliche Verbindungen der Elemente Kalzium und Magnesium. Manche Anbieter werben mit besonders vielen Elementen. Im Sal de Ibiza fanden die Tester allerdings nur einen Bruchteil der angepriesenen "80 Mineralien und Spurenelemente", auch im Kristallsalz vom Himalaja konnten demnach keine 84 Verbindungen nachgewiesen werden.

Eine rosa Färbung erhalten Salze durch Eisenhydroxid; Veränderungen im Salzkristallgitter können Salz blau erscheinen lassen. Im "absolut naturreinen" Blausalz fanden die Tester allerdings Berliner Blau, einen Farbstoff, der nach Ansicht der Prüfer "in Lebensmitteln nichts zu suchen hat".

Keine Angst vor Jod-Überdosierung

15 der getesteten Salze sind entweder mit Jod und Fluorid oder nur mit Jod angereichert. Nach Ansicht der Stiftung Warentest ist die Aufnahme beider Zusätze über das Speisesalz für die meisten Menschen in Deutschland sinnvoll. Eine Jod-Überdosierung ist nicht zu befürchten, da die Gehalte von 1,5 bis 2,5 Milligramm Jod pro 100 Gramm Salz von allen getesteten Salzen eingehalten wurden. Selbst Menschen mit Schilddrüsenkrankheiten wie der Hashimoto-Thyreoiditis könnten die mit Jod angereicherten Salze nutzen, zitiert die Stiftung Warentest den Experten Roland Gärtner von der Universität München.

Fluorid bekommen fast alle Deutschen zu wenig über die Nahrung. Die damit angereicherten Salze halten im Test ebenfalls den vorgeschriebenen Wert ein. Die Fluoridierung soll die Zähne vor Karies schützen. Die von vielen Anbietern hervorgehobenen Elemente seien nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Salz in zu geringen Mengen enthalten, als dass man davon profitieren könnte, so Stiftung Warentest.

Siedesalz, Steinsalz, Meersalz

Die Salze werden auf unterschiedliche Arten gewonnen. Siedesalz kommt aus Salinen, das Salz wird aus konzentriertem Salzwasser - der Sole - gewonnen. Das reine Salz besteht fast nur aus Natriumchlorid, ein kräftiger Salzgeschmack ist die Folge. Die Hersteller geben häufig Rieselhilfen, Jod und Fluorid hinzu. Steinsalz dagegen wird aus Stollen gebohrt, gesprengt oder geschnitten. Es wird naturbelassen und unraffiniert verkauft, zum Beispiel als Ur-, Blau- oder Kalaharisalz. Beim Meersalz dagegen kristallisieren Sonne und Wind langsam das Salz aus dem Wasser. Fleur de Sel (deutsch Salzblume) ist ein selteneres Meersalz.

Wer besondere Salze möchte, dem empfehlen die Tester "Flor de Sal d'Es Trenc natural" für 5,50 Euro pro 100 Gramm oder "Fleur de Sel de Guérande" für vier Euro oder "Hartkorn Persisches Blausalz Grob" für 3,20 Euro, die alle mit "gut" bewertet wurden. Ebenfalls "gut" und deutlich günstiger ist "Erntesegen Ur-Salz" für 50 Cent.

Noch deutlich günstiger und ebenfalls "gut" schneiden die Jod- und Fluorid-Salze für jeweils vier Cent von Aldi Süd, Edeka, Lidl und Penny ab. Das beste Jodsalz ist für die Prüfer "Rapunzel Meersalz mit jodhaltigen Algen" für 46 Cent. Und wer es ganz ohne Zusätze mag, dem empfiehlt Stiftung Warentest "Byodo Atlantik Meersalz" für 20 Cent.

dba/AFP
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