Stiftung Warentest Vernichtendes Urteil für viele Fertigpestos

Cashew- statt Pinienkerne, Sonnenblumen- statt Olivenöl: Basilikumpesto aus dem Glas hat nur selten etwas mit dem italienischen Original zu tun, bemängelt Stiftung Warentest. Von 30 Produkten erhielten nur drei die Auszeichnung "gut".
Basilikumpesto, wie es sein sollte: Mit Pinienkernen

Basilikumpesto, wie es sein sollte: Mit Pinienkernen

Foto: Corbis

"Original Nürnberger Lebkuchen" müssen aus dem Nürnberger Stadtgebiet stammen, nur "Parmigiano Reggiano" darf als echter Parmesan verkauft werden: Die Bezeichnung vieler Spezialitäten ist streng geregelt. Bei der Rezeptur des "Pesto Genovese" hingegen fehlt ein solcher Schutz - aus einem einfachen Grund. Zwar verbirgt sich hinter der grünen Soße eine lange Tradition. Bisher wurde bei der EU jedoch noch kein korrekter Antrag gestellt, um die Rezeptur zu schützen.

So kommt es, dass kaum ein fertig gekauftes Pesto dem Original entspricht. Neben den Zutaten werde häufig bei der Bezeichnung auf dem Etikett geschummelt, berichtet die Stiftung Warentest . Von 30 Basilikumpestos bewerteten die Prüfer jedes dritte Produkt als "mangelhaft", nur drei erhielten die Auszeichnung "gut".

Traditionell besteht ein grünes Pesto aus sieben Zutaten: Basilikum, Pinienkernen, Olivenöl, Parmigiano Reggiano, Pecorino, Knoblauch und Salz. Bei vielen Pestos tricksten die Hersteller und ersetzten teures Olivenöl durch billigeres Sonnenblumenöl oder Pinienkerne durch Cashewkerne. Mit Hilfe von Kartoffelflocken oder Weizengrieß lasse sich zudem der Käseanteil im Pesto senken, schreiben die Prüfer. "Statt 20 Prozent, wie Traditionsrezepte empfehlen, findet man mitunter weniger als ein Prozent Käse", heißt es im Testbericht.

Teuer und unbefriedigend

Von den sechs untersuchten Soßen mit dem Aufdruck "Pesto Genovese" schnitten alle mangelhaft ab. Aufgrund des traditionellen Namens rechneten die Tester auch mit traditionellen Zutaten. Bei fünf der Produkte (Bio-verde, Bernbacher, La Gallinara, Lucchi & Guastalli, Terre de Liguria) waren allerdings Olivenöl oder Pinienkerne ersetzt. Das einzige "Pesto Genovese" aus den korrekten Zutaten, das Biopesto der Firma Ppura, hatte einen anderen, entscheidenden Haken: Die Tester fanden den potentiell krebserregenden Stoff Anthrachinon. Nachdem sie die Schweizer Firma über die Verunreinigung informiert hatten, rief das Unternehmen die Charge vom Markt zurück.

"Wir können kein "Pesto Genovese" aus dem Test empfehlen", heißt es in der Zeitschrift "test" 8/2013 . Dabei waren gerade diese Produkte besonders teuer, im Schnitt kosteten 100 Gramm 2,80 Euro. Andere Hersteller versprechen gar nicht erst ein "Pesto Genovese", sie nennen ihre Basilikumsoßen gleich "Pesto alla Genovese" oder einfach "Pesto Verde". Bei den Produkten sei häufig nicht deutlich erkennbar, aus welchen Zutaten sie bestünden, bemängeln die Tester. Jedes dritte untersuchte Produkt enthielt höchstens 1,5 Prozent Pinienkerne, darunter waren auch die Soßen von Edeka, Kaiser's Tengelmann, Lidl, Netto Marken-Discount, Kattus und Real.

Schlechter Geschmack und Etikettenschwindel

Vier der Produkte schnitten aufgrund ihres Geschmacks oder Mundgefühls "mangelhaft" ab, darunter auch das Pesto des Starkochs Jamie Oliver. Es schmecke "aromaarm und wässrig", schreiben die Tester. Das Produkt von Manufactum bewerteten sie als "dominant sauer". Auch verspricht das Etikett des Glases - Preis: 8,90 Euro - 180 Gramm. Tatsächlich passten jedoch nur 160 Gramm in das Gefäß, bemängelt die Stiftung Warentest.

Auch sonst stießen die Tester auf kleine Ungereimtheiten. So lobten sie etwa den Geschmack des Pestos der Hamburger Feinkostmanufaktur Flaschenweise als "fast wie hausgemacht", unter die Kategorie fiel auch das "Frische Pesto Basilico" der Liechtensteiner Firma Hilcona. Allerdings stand in der Zutatenliste des Flaschenweise-Pestos das Oliven- vor dem Rapsöl. Lebensmittelrechtlich bedeutet dies, dass mehr Olivenöl enthalten ist. Die Tests allerdings zeigten, dass das Rapsöl überwog.

TerraSana hingegen gab die enthaltenen Cashewkerne (15 Prozent) nicht auf dem Etikett an. Wegen der Allergiegefahr habe das Unternehmen den Verkauf mittlerweile gestoppt, heißt es in dem Warentest-Bericht. Beim Pesto von La Gallinara fanden die Tester Sorbinsäure, obwohl die Soße laut Etikett keine Konservierungsstoffe enthält.

Testsieger wurde das "Frische Pesto Basilico" von Hilcona (2,08 Euro pro 100 Gramm). Die Tester lobten Geschmack und Aussehen, nur bei der Verpackung schnitt das Produkt "befriedigend" ab. Ebenfalls "gut" waren die Produkte von Aldi Nord "Casa Morando Pesto Verde" und Rewe "Pesto alla Genovese". Der Preis von 63 beziehungsweise 78 Cent pro 100 Gramm zeigt: Gutes Pesto aus dem Glas muss nicht teuer sein - auch wenn Selbstgemachtes die Produkte bestimmt übertrumpfen kann.

irb
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