Keimbelastung und Rückstände Stiftung Warentest rät zu Leitungs- statt Mineralwasser

Keimbelastet, mineralstoffarm und teuer: Der Stiftung Warentest zufolge lohnt sich die Investition in stilles Mineralwasser nur selten. Leitungswasser enthält zum Teil sogar mehr Mineralstoffe.

Anass Bachar/ EyeEm/ Getty Images

In stillem Mineralwasser lassen sich häufig kritische Stoffe nachweisen. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Bericht der Stiftung Warentest. In der Hälfte von 32 untersuchten Produkten stießen die Tester auf Krankheitserreger, Spuren aus der Landwirtschaft und Industrie oder andere problematische Stoffe, heißt es in einem aktuellen Bericht.

Ein Biowasser bewertete die Stiftung Warentest mit "mangelhaft". Das Produkt ("Rheinsberger Preußenquelle") war den Prüfern zufolge mit außergewöhnlich vielen Keimen belastet. Darunter befanden sich auch Krankheitserreger, die Menschen mit einem schwachen Immunsystem - etwa Babys oder Krebskranken - gefährlich werden können.

In einem weiteren Biowasser ("Christinen") stießen die Tester auf Stäbchenbakterien, die für Patienten auf der Intensivstation eine Gefahr darstellen. Da die Keime für Gesunde unbedenklich sind, erhielt das Wasser noch die Bewertung "ausreichend".

Wie die Keime ins Wasser gelangt sind, sei unklar, schreiben die Tester. Stilles Wasser ist jedoch grundsätzlich anfälliger: "In sprudelnden Medium- und Classic-Wässern hemmt Kohlensäure das Keimwachstum. Im stillen Wasser fehlt dieser Schutz", heißt es in dem Bericht.

Mineralwasser - nur selten besser als Trinkwasser

Den Titel Mineralwasser dürfen nur Wässer tragen, die aus tiefen, geschützten Quellen stammen und kaum behandelt werden. Sie unterscheiden sich von Trinkwasser, das vor allem aus Grundwasser, aber auch aus Flüssen, Seen oder Talsperren stammt und von Wasserwerken aufbereitet wird. Es gelangt anschließend als Leitungswasser zum Verbraucher.

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Viele Konsumenten erhoffen sich von Mineralwasser eine größere Reinheit. Bei ihren Prüfungen entdeckte die Stiftung Warentest jedoch in vier Wässern Abbauprodukte von Pestiziden, eines enthielt Rückstände eines Korrosionsschutzmittels. Keiner der Stoffe war in den gefundenen Mengen gesundheitsgefährdend. Die Bezeichnung "natürliches Mineralwasser" sei jedoch fragwürdig, heißt es in dem Bericht.

Auch der Name Mineralwasser kann irreführend sein, da keine Mindestmengen an Mineralstoffen vorgeschrieben ist. 13 der 32 untersuchten stillen Mineralwässer enthielten bei den Untersuchungen weniger Mineralstoffe als der Durchschnitt des für einen weiteren Test geprüften Leitungswassers. Ausnahme waren die Produkte von Contrex und Extaler.

Interview mit Ina Bockholt von der Stiftung Warentest

Immerhin: Wer stilles Mineralwasser kaufen will, kann laut Stiftung Warentest zu den günstigen Flaschen greifen. Die Produkte mit den vier besten Bewertungen kosteten alle nur 13 Cent pro Liter, sie stammten von Edeka ("Gut & Günstig"), Aldi Nord ("Quellbrunn Naturell"), Rewe ("Ja still") und Kaufland ("K-Classic still").

Leitungswasser: Günstig, unverpackt, streng kontrolliert

Neben dem Mineralwasser prüfte Stiftung Warentest auch Leitungswasser von 20 verschiedenen Standorten in Deutschland auf 126 Verunreinigungen. In keiner der Proben stießen die Prüfer auf gesundheitlich bedenkliche Mengen eines Stoffes, alle Wässer hielten die strengen Vorgaben der Trinkwasserverordnung ein.

Allerdings enthielten manche Spuren von Pestiziden oder deren Abbauprodukten. In drei Wässern fanden die Tester außerdem Spuren von Medikamenten, bei denen selbst bei lebenslanger Aufnahme ein gesundheitliches Risiko auszuschließen ist. In ebenfalls drei Proben ließen sich minimale Mengen einer als krebserregenden Chromverbindung nachweisen. Das daraus resultierende Risiko gelte ebenfalls als sehr gering, schreibt die Stiftung Warentest in ihrem Bericht.

Das Fazit: "Unsere Stichprobe zeigt: Hahn aufdrehen und trinken - das ist nicht nur preiswert und ökologisch, sondern auch sicher", heißt es bei der Stiftung Warentest. Wer wissen will, wie sich das Trinkwasser in seiner Region zusammensetzt und ob es sich für die Zubereitung von Babynahrung eignet, kann bei seinem Wasserversorger nachfragen.

irb



insgesamt 147 Beiträge
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Seite 1
dasfred 26.06.2019
1. Warum die Schlepperei mit Wasserkisten?
Das Leitungswasser kommt bei mir in den vierten Stock und ich hab kein Leergut. Wenn ich kein Leitungswasser pur trinken will, mache ich Tee draus, gebe etwas Fruchtsaft dazu, ein paar Ingwer Scheiben oder worauf ich sonst Lust habe. Es ist doch Prima, wenn man nebenbei noch Tonnen an Plastikmüll vermeiden kann.
abu_kicher 26.06.2019
2. Wasserversorger fragen, ob die Qualität stimmt. Eine sehr gute Idee.
Die werden bestimmt antworten - "Ganz ehrlich... für Babies würden wir es eher nicht nehmen."
toll_er 26.06.2019
3. Nicht korrekt
Leitungswasser. Einfach Hahn aufdrehen und trinken. Sorry, bei hohen Temperaturen wird auch Leitungswasser in der Leitung wärmer und wird keimanfälliger. Stichwort: STAGNATIONSWASSER. Wenn das Wasser längere Zeit, mehr als 4 Stunden, in der Leitung steht ohne Entnahme: erst ein paar Liter ablaufen lassen. Dann erst ins Glas und trinken.
Thomasvon Bröckel 26.06.2019
4. Rohrperle
Auch ökologisch gesehen, ist Leitungswasser die bessere Wahl, wenn man bedenkt, dass viele Mineralwässer erst durch halb Deutschland oder gar Europa zu den Händlern gekarrt werden.
telekoma 26.06.2019
5. Interessant
Hier wird also der Mineralgehalt des Wassers als Qualitätsmerkmal beschrieben. Bei einem Wasser kommt es aber nicht darauf an, was man damit zu sich nimmt, sondern was der Körper damit ausschleusen kann. Ein möglichst geringer Feststoffgehalt ist also eher angebracht. Ich habe "mein" Wasser gefunden: Plose aus Südtirol. In Glasflaschen. Probiert es aus. Ihr werdet den Unterschied merken.
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