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StrongmanRun, Tough Guy und Co.: Ehrgeizige Schlammschlacht

Foto: Jorge Guerrero/ AFP

Extrem-Hindernisläufe Schlamm + Pein = Selbstbewusstsein

Eiskaltes Wasser, meterhohe Wände, brennende Heuballen: Bei Extrem-Hindernisläufen müssen die Teilnehmer an ihre Grenzen gehen, nicht alle kommen ins Ziel. Doch wer sich mit seinen Ängsten auseinandersetzt, profitiert auch im Alltag.

"Ich zähle die Männer, die ich während des Rennens überhole", sagt Friederike Feil. Die Hindernisläuferin war die schnellste Frau beim Tough Guy in England, dem Rennen, das als härtester Hindernislauf der Welt gilt. Dabei müssen die Teilnehmer auf einer 15 Kilometer langen Strecke Hindernisse überwinden. Dazu gehört: unter Elektrozäunen durchzukriechen, in eiskalten Tümpeln zu tauchen und durch brennende Heuballen zu laufen. Man denke zwar, dass man gleich sterbe, so die 27-Jährige, "aber das Gefühl, wenn man ein Hindernis geschafft hat, ist unglaublich ". Weil ihr Straßenläufe zu langweilig geworden waren, suchte sie nach neuen Herausforderungen. 2012 begann sie mit dem Hindernislaufen.

Wie ihr geht es vielen anderen Läufern. Tough Guy Challenge, Braveheart Battle oder Getting Tough - Hindernisläufe findet man mittlerweile vielerorts. Am Samstag etwa startete der StrongmanRun 2014 am Nürburgring : Etwa 13.000 Läufer hatten sich zum Wettbewerb angemeldet.

Die Inspiration für Hindernisläufe liegt zwischen Actionfilmen, Military-Drills und einer Trendsportart, die bereits in den Achtzigerjahren in einem Vorort von Paris entstand. Damals hatte der französischen Leichtathlet und Turner David Belle genug davon, sich immer nur in Hallen und auf Sportplätzen auszutoben. Er trainierte lieber draußen in der Natur, suchte sich Herausforderungen wie schwer zu erklimmende Bäume oder Wassergräben zum Überspringen. Auch die spielerischen Verfolgungsjagden von Kindern und Jugendlichen über Treppen, Tischtennisplatten und Papierkörbe waren sein Vorbild. Als er sein Training auf die Beton- und Straßenlandschaften des Pariser Vorortes Lisses übertrug, war der Trendsport Parkour geboren.

Die Teilnehmer von Hindernisläufen wollten nicht nur geradeaus laufen, sondern an ihre körperlichen Grenzen gehen, sagt Parkour-Trainer Martin Dworak. Im Gegensatz zu Marathonläufen, bei denen der Körper einer kontinuierlichen Anstrengung ausgesetzt ist, müsse man beim Überwinden eines Hindernisses seine ganzen Kraftreserven einsetzen. "Nach jedem Hindernis, das man erfolgreich überwunden hat, schüttet der Körper positive Botenstoffe aus. Das motiviert."

1986 fand im englischen Wolverhampton das Tough-Guy-Rennen zum ersten Mal statt, die Mutter aller Extrem-Hindernisläufe. Die Idee stammte von Billy Wilson, der schon Trainingscamps für die britische Armee entwickelt hatte. 2004 kam von 6000 Teilnehmern nicht einmal die Hälfte ins Ziel. Knochenbrüche, Platzwunden und Erschöpfung sind bei Extremläufen keine Seltenheit. Hindernisläufe würden oft nur als Spaßveranstaltungen wahrgenommen, sagt Friederike Feil. Doch die Hindernisse sollte man nicht unterschätzen. Wer sich nicht richtig vorbereitet, riskiere Verletzungen. "Wer an einem Hindernislauf teilnehmen will, sollte zusätzlich zum Lauftraining mindestens zwei Mal pro Woche Kraftübungen machen."

Imaginärer Ausbruch aus der JVA

Den Hindernisläufern geht es neben der körperlichen Anstrengung aber noch um etwas anderes: den Ausbruch aus dem Alltagstrott. Das Lauf-Event Break Out and Run Free , das im Herbst in Kassel stattfindet, stellt für die Teilnehmer einen Gefängnisausbruch nach. Die Läufer müssen als Team zusammenarbeiten, um aus einer JVA auszubrechen. Auf einer 18 Kilometer langen Laufstrecke müssen sie sich durch Schlamm und Matsch wühlen und hohe Kletterhindernisse überwinden.

"Man soll sich wie ein Held in einem Action-Film fühlen", sagt Marcel Sühwold, der Veranstalter des Laufes. Das Rennen wird deshalb von einem Kamerateam gefilmt. Am Ende soll jeder Teilnehmer sein persönliches Video erhalten.

Neben viel Show und Spektakel haben Hindernisläufe noch einen ganz anderen Effekt: Sie stärken das Selbstbewusstsein. Durch die Konfrontation mit Hindernissen müsse sich jeder Teilnehmer mit seinen Ängsten auseinandersetzen, sagt Parkour-Trainer Dworak. Wer es geschafft hat, die Hindernisse zu überwinden, nehme viele positive Gefühle mit in den Alltag. "Man muss seine Ängste kennen und lernen, mit ihnen umzugehen. Die Angst soll Freund und nicht Feind sein."

Anmerkung der Redaktion: Der Lauf am Nürburgring startete einen Tag eher als in einer früheren Version dieses Artikels zu lesen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Von Julia Schweinberger
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