TRX-Training Bloß nicht hängen lassen

Liegestütze an Schlaufen? Sieht erst mal nicht so schwierig aus. Aber das Training an den TRX-Schlingen fordert jeden Muskel. Michaela Rose hat es getestet - und musste ein schnelles Urteil revidieren.

André Siodla

Auf den ersten Blick sind meine Muskeln etwas enttäuscht: Das soll unser heutiger Sparringspartner sein? Wenig herausfordernd baumeln zwei Gurte von einem Holzbalken an der Decke. Personal Trainer Patrick Schreiber drückt mir die beiden Gurtenden in die Hände und verordnet mir erst einmal ein Warm-up.

Kinderspiel, vermuten meine Muskeln. Und staunen nicht schlecht, als ich sie mit einer Ruderzug-Kniebeugen-Sprung-Kombi auf Temperaturen bringen soll. Und das auch noch in ungewohnt schräger Lage und mit Verdrehung.

Das sogenannte Sling- oder TRX-Training eröffnet neue Dimensionen: Mit Händen oder Füßen in den Schlaufen hängend trainiert der Sportler in Schräglage gegen die Schwerkraft. Mein Berliner Coach schwört darauf: "Dadurch können wir seitliche Bewegungen einbauen, die aus einem zweidimensionalen ein dreidimensionales und damit funktionales Training machen."

Fotostrecke

3  Bilder
Trx Training: Bauch, Beine, Schlinge
Das freie Baumeln macht's effektiv

Trotzdem ein Kinderspiel, unken meine Muskeln bei der ersten Übung. Ein Irrtum, wie ich merke. Mit den Händen in den Schlaufen und den Füßen irgendwo hinter mir am Boden stemme ich mich liegestützend in die gestreckte Schräglage. Da ich mit meinen Armen weniger Körpergewicht stemmen muss, sollten mir die Liegestütze in der Schräge eigentlich deutlich leichter fallen als am Boden. Was ich nicht bedacht habe: Ich muss nicht nur mich in die Höhe drücken, sondern gleichzeitig die wackeligen Schlaufen stabilisieren. Alles andere als leicht.

Oha, murmeln meine Muskeln - nun etwas beeindruckt. Trainer Patrick bittet mich nach einer Runde Bauchmuskel-Übungen unerbittlich in eine andere Liegestütz-Variante. Diesmal doch in der Waagerechten, die Hände wie üblich unter den Schultern positioniert. Dafür stecken jetzt meine Füße in den Schlaufen. Allein das Halten dieser Startposition ist ein Kraftakt, die Übung harte Ganzkörperarbeit. Nach jedem Liegestütz soll ich den Po weit nach oben in die Luft schieben und die Füße mit gestreckten Beinen zu mir heranziehen. Danach geht's direkt in den Unterarmstütz - diesmal soll ich die Knie unter dem Körper zur Brust ziehen.

Mir (und mittlerweile auch meinen Muskeln) wird klar: Das freie Baumeln in den Gurten ermöglicht völlig neue Bewegungen, bei denen vor allem Ganzkörperspannung gefragt ist. Das ist ebenso anstrengend wie praktisch, denn die zunächst verwirrend komplexen Übungen kräftigen den ganzen Körper auf einmal. Apropos verwirrend: Als Highlight meiner Trainingseinheit verordnet Patrick mir einbeinige Ausfallschritte. Ein Fuß in der Schlinge. Dazu Knie-Hand-Abklatschen. Und Hüpfer. Mehr geht nicht - ich bin platt. Und meine Muskeln alles andere als enttäuscht: Dieses Reinhängen lohnt sich!

Zur Autorin
  • bewahrediezeit.de
    Michaela Rose probiert gerne alles aus, was sie in Bewegung bringt. Deshalb schreibt die freie Journalistin und Diplomsportlehrerin vor allem über "bewegende" Themen.
  • Homepage der Autorin

insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
xcver 10.04.2015
1. Core-Muskulatur
Ein fürchterlicher Begriff der Fitness-Sprache. Warum man nicht Stütz-, Kern- oder Rumpf-Muskulatur sagen ist echt nervig. Aber dann würde es ja nicht zum Core-Training passen :)
wolfgangreusch 10.04.2015
2. Schlingentraining!
TRX ist EINER von zahlreichen Anbietern von Schlingentrainern. Und den Namen lässt man sich gut bezahlen: Etwa 300€ für ein paar Gurte und Metallteile, und es sind wahnwitzig viele Fälschungen im Umlauf. No-Name-Produkte bekommt man natürlich ab etwa 50€, da ist die Qualität aber dann wohl doch eher zweifelhaft. Der Eigenbau aus Komponenten des Bergsports kostet ca. 70€, ist nicht kompliziert und hält ewig. Es gibt da genügend Anleitungen im Netz.
elimik31 10.04.2015
3. Nettes Spielzeug, kein Wundermittel
Schlingentraining. Ganzkörpertraining mit dem eigenen Körpergewicht mit einer instabilen Komponente, sodass es den ganzen Körper und die Koordination fordert. Super Sache. Einen instabilen Untergrund kann man aber auch auf anderen Wege erzeugen, zum Beispiel mithilfe von (z.B Gymnasik-) Bällen. Das ist nichts, wofür man unbedingt extra ins Fitness-Studio oder unmengen an Geld für die Marken-Schlingen ausgeben muss. Bereits ein Handtuch kann ein wunderbares Trainingsgerät sein, wenn man kreativ ist, nur sollte man sich da der Gefahr des Reissens bewusst sein. Damit meine ich nicht, dass "TRX"-Schlaufen weggeworfenes Geld seien. Solche Ausgaben lohnen sich durchaus, immerhin geht es um den eigenen Körper und um die Gesundheit. Es scheint eine gute Ergänzung zu sein. Wichtiger als das Gerät ist aber, dass man sich überhaupt bewegt und von der Couch aufsteht. Kein Gerät kann einen Sixpack herbeizaubern. Das Marketing-getue hier bei SPON nervt etwas, angefangen bei so Markenbezeichnungen wie "TRX". Auch bei einem Blog-ähnlichen Format würde ich mir etwas mehr Objektivität wünschen.
DidiViefie 10.04.2015
4. Alter Zopf
HAENGE Schon seit 2 Jahren. SUPER.
nexo 10.04.2015
5. Extreme Effektivität
Erst wer es einmal vesucht hat, weiß, wie extrem effektiv Schlingentraining ist. Aber die absolute Steigerung habe ich in einem Studio in München erlebt: Schlingentraining in Kombination mit EMS, das ist Effektivität im Quadrat. Ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern, irgendetwas mit "shape". Kann ich empfehlen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.