Ex-160-Kilo-Mann Meine zehn peinlichsten Situationen als Dicker

Wer 160 Kilogramm wiegt, erlebt im Alltag viel Unangenehmes. Michael Klotzbier hat zwar mittlerweile 45 Kilo abgenommen. Vergessen hat er aber nicht, wie schwer es sich als Dicker lebt.

Michael Klotzbier nimmt ab: Noch im Februar wog der 35-Jährige 160 Kilogramm, mittlerweile sind es 45 Kilo weniger
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Michael Klotzbier nimmt ab: Noch im Februar wog der 35-Jährige 160 Kilogramm, mittlerweile sind es 45 Kilo weniger


Kann man mit weit mehr als hundert Kilo Marathon laufen? Eher nicht. Deswegen speckt Michael Klotzbier ab. Anfang des Jahres wog der 35-Jährige noch 160 Kilo, im Juli hatte er bei seinem Projekt "Unter 100" schon mehr als 40 Kilo verloren, jetzt sind es nochmal fünf weniger. Er ernährt sich gesund, bewegt sich viel und fühlt sich fitter. Je mehr er abnimmt, desto wohler fühlt er sich in seinem Körper. Im Rückblick erzählt er, wie unangenehm das Leben als Schwergewicht in unserer Gesellschaft sein kann. Und warum die Überwindung sich lohnt, das Gewicht dauerhaft zu reduzieren.

1. Flugzeug

Der Platz in Flugzeugen ist sehr begrenzt. Die Freigepäckmenge ist limitiert. Zum Glück gilt das nicht für Menschen. Sonst hätte ich öfter nicht mitfliegen dürfen. Vor anderthalb Jahren war ich auf einem Geschäftsflug in die Schweiz. Ich quoll aus meinem Sitz, so eng war es. Die Flugbegleiterin zählte durch, blieb bei mir stehen und fragte laut: "Brauchen Sie eine Gurtverlängerung?" Ich schüttelte schnell den hochroten Kopf. Toll, dass noch eine Arbeitskollegin dabei war. Sehr peinlich.

2. Kino

Wenn ich ins Kino gegangen bin, habe ich immer darauf geachtet, pünktlich zu kommen. Schon unangenehm genug, wenn man neben seinem eigenen Sitz auch gleich noch beide Armlehnen links und rechts in Beschlag nimmt - und zwar nicht nur mit seinen Armen. Wenn ich doch mal zu spät gekommen bin und mich durch die Reihen quetschen musste, sagten die Blicke: "Fett sein und dann noch zu spät kommen". Zum Glück ist es während der Filme dunkel.

3. Restaurant

Die meisten schauen im Restaurant nach gutem Essen und ordentlichen Preisen. Mir ist auch die Qualität des Mobiliars wichtig. Bei einem Geschäftsessen im vergangenen Sommer gingen wir in ein Restaurant mit Terrasse. Die klapprigen Holzstühle bereiteten mir schon Kopfzerbrechen. Und tatsächlich krachte der Stuhl unter mir zusammen. Mit hochrotem Kopf schnappte ich mir einen anderen und hoffte, dass der hält. Appetit hatte ich keinen mehr.

4. Urlaub

Ich war beim Canyoning mit Freunden in Österreich. Was nach Spaß klingt, geriet zum Horrortrip. Der Neoprenanzug ging gerade noch so zu. Ich konnte zwar kaum atmen oder mich bewegen, aber er hielt. Beim Anlegen des Sicherungsgeschirrs sagte der Führer: "Keine Angst, das haben wir bisher bei jedem zubekommen." Bis jetzt. Der Gurt ging nicht zu. Ich schälte mich aus dem Neoprenanzug und schlurfte mit gesenktem Kopf ins Schwimmbad, während die Jungs ihr Abenteuer genossen. Abends beim Grillen war ich wieder dabei.

5. Supermarkt

Kinder sind gefährlich. Sie sagen laut, was alle denken. Oft hörte ich folgende Frage beim Einkaufen: "Mama, warum ist der Mann so dick?" Die Eltern gucken beschämt weg und dann verstohlen in meinen Einkaufswagen - da liegt die Antwort. Schoki, Chips und andere Dickmacher.

6. Auto

Das Einsteigen ins Auto war für mich wie ein Hindernislauf. Selbst in große Kombis musste ich mich reinquetschen. Bei meinem eigenen Auto passte der Bauch gerade so hinters Lenkrad. Nur: Dann konnte hinter mir keiner mehr sitzen. Das Gummi an der Tür ist vom Reinpressen mit dicker Winterjacke ganz abgenutzt. Einmal saß ich auf dem Beifahrersitz einer Freundin - und irgendwie auch auf ihrem Schoß. Sie hatte einen Sportwagen. Naja, da habe ich das Fenster runtergekurbelt und mich rausgelehnt.

7. Shopping Mall

Klamotten kaufen ist als Dicker wirklich nicht einfach. Ich fand tatsächlich einen Laden, der Bekleidung von XXL bis 10XL hat. Aber wenn die Verkäuferin sagt: 4XL passt nicht, versuchen Sie mal 5XL, fühlt man sich richtig mies. Ich habe mir schnell was zum Drüberwerfen ausgesucht und bin geflüchtet. Ab und zu habe ich versucht, mich selber zu motivieren, indem ich zu kleine Klamotten gekauft habe - hat nie funktioniert. Überflüssig zu sagen, dass Kleiderschränke auch nicht ausgelegt sind für solche Bekleidungsgrößen.

8. Schwimmbad

Wer als Dicker richtig mitleidige und angeekelte Blicke ernten möchte, sollte ins Schwimmbad gehen. Die Badehose ist so groß wie ein Schlauchboot und die Rettungsringe befinden sich direkt am Körper. Da hilft nur volle Kraft voraus: Wenn ich vom Sprungturm Obelixmäßig ins Wasser gesprungen bin, habe ich Applaus bekommen von den Kindern am Rand, die sich über die Abkühlung gefreut haben. Im Wasser war es okay, ich habe mich gefühlt wie ein Wal. Wenn ich ungelenk und schwerfällig aus dem Wasser steigen musste, habe ich mich allerdings auch gefühlt wie ein Wal. Leider.

9. Spielplatz

Schaukeln oder Rutschen mit dem Sohnemann geht nicht. "Papa ist zu groß dafür" hat eine andere Dimension, wenn man doppelt so schwer und doppelt so breit ist wie die anderen Väter. Schwer zu sagen, wen die Eltern mehr bemitleidet haben: mich oder meinen Sohn.

10. Buffet

Essen am Buffet ist eine feine Sache - außer, wenn man aussieht, als hätte man bereits ein ganzes Buffet allein verdrückt. Wenn ich mir den Teller vollgeladen habe, schauten die anderen mit einem Blick, der sagte: "Als wenn der nicht schon genug gegessen hätte." Aus Frust habe ich dann noch mehr gefuttert.

Zum Glück ist mein Leben leichter, seit ich 45 Kilo weniger auf den Rippen habe. Mit rund 115 Kilo gelte ich zwar immer noch als übergewichtig, aber immerhin bin ich jetzt normal-dick und nicht mehr super-dick. Unter 100 - das ist mein Ziel.

Wie es mit Michael Klotzbiers Marathon-Vorhaben weitergeht, lesen Sie in regelmäßigen Abständen auf SPIEGEL ONLINE und auf Michas Abnehm-Blog bei achim-achilles.de.

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