Zeitmangel Viele Übergewichtige schlingen beim Essen

Höchstens 20 Minuten pro Mahlzeit: Übergewichtige Deutsche essen schneller als normalgewichtige. Das hat jetzt eine repräsentative Umfrage ergeben. Doch nicht nur zwischen dick und dünn zeigen sich deutliche Unterschiede. Auch Menschen unter 30 nehmen sich nur wenig Zeit zum Essen.
Schnelles Essen als Dickmacher: Erst nach 20 Minuten setzt die Sättigung ein

Schnelles Essen als Dickmacher: Erst nach 20 Minuten setzt die Sättigung ein

Foto: Arno Burgi/ dpa

Menüs aus dem Kühlregal, fertige Salate in Tüten verpackt, vermeintlich frische Fertigsuppen im Plastikbecher: Im stressigen Alltag vieler Menschen gerät der Genuss beim Essen in den Hintergrund. Immer weniger Menschen nehmen sich Zeit dafür.

Das gilt jedoch nicht nur für die Zubereitung der Speisen - vor allem beim Verzehr ist Zeit inzwischen ein knappes Gut. Eine aktuelle Umfrage hat jetzt ergeben, dass dies für Übergewichtige mehr zutrifft als für Menschen mit durchschnittlichem Gewicht. Wie eine repräsentative Umfrage der DKV Deutsche Krankenversicherung zeigt, nehmen übergewichtige Menschen sich durchschnittlich weniger Zeit zum Essen als normalgewichtige.

Das Ergebnis der Umfrage, die am Montag veröffentlicht wurde: Eine Hauptmahlzeit dauert bei 44 Prozent der Übergewichtigen höchstens 20 Minuten. Unter den Normalgewichtigen sind es dagegen nur 38 Prozent, die höchstens 20 Minuten Zeit für eine Hauptmahlzeit benötigen. Im Umkehrschluss heißt das: 62 Prozent der Normalgewichtigen lassen sich für eine Hauptmahlzeit mehr als 20 Minuten Zeit, bei den Übergewichtigen sind es nur 56 Prozent.

Dabei bringt langsames Essen viele Vorteile: Experten wissen, dass es ungefähr 20 Minuten dauert, bis das Gehirn ein Satt-Signal erhält. Eine halbe Stunde sollte man sich fürs Essen reservieren. So hat der Körper ausreichend Zeit, die Sättigung zu spüren und das entsprechende Signal vom Magen ans Gehirn weiterzuleiten. Wer sehr schnell isst, verdrückt häufig mehr als jemand, der sich Zeit nimmt. Wie Wolfgang Reuter, leitender Arzt der DKV, sagt, beuge langsames Essen zudem Sodbrennen und Blähungen vor und lasse uns das Essen besser genießen.

Die Umfrage offenbart aber nicht nur deutliche Unterschiede im Essverhalten von dicken und dünnen Menschen. Auch das Alter spielt demzufolge eine große Rolle: Fast die Hälfte der jungen Menschen unter 30 Jahren nimmt sich höchstens 20 Minuten Zeit zum Essen, zehn Prozent erledigen ihre Hauptmahlzeiten in höchstens zehn Minuten. Die Älteren dagegen essen tendenziell langsamer: 64,1 Prozent nehmen sich mehr als 20 Minuten Zeit.

Wie schnell man isst, hängt der Umfrage zufolge auch davon ab, ob man Gesellschaft hat. Zwölf Prozent der Menschen, die allein leben, brauchen höchstens zehn Minuten für eine Hauptmahlzeit. Bei jenen Menschen, die mit anderen zusammenwohnen, betrifft das nur sechs Prozent.

Für die Untersuchung ließ die DKV im Rahmen ihres Reports "Wie gesund lebt Deutschland?" im März und April 2012 3000 Menschen zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragen. Die Zahlen sind repräsentativ für die entsprechenden Bevölkerungsgruppen in Deutschland.

cib
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