Genussvoll essen, Gewicht halten Ist schon okay!

Entgegen der landläufigen Meinung sind viele Menschen beim Essen nicht zu undiszipliniert - sondern zu streng mit sich selbst. In dieser Woche lernen Sie, Ihr Essverhalten und Ihre Figur mehr zu akzeptieren.


Westend61/ Getty Images

SPIEGEL WISSEN hat ein neunwöchiges Genuss-Coaching entwickelt, mit dem Sie lernen können, genussvoller zu essen und gleichzeitig Ihr Gewicht zu halten. Dies ist der achte Teil. Die anderen Teile finden Sie hier.

In diesem Coaching geht es darum, mit Genuss und Bewusstheit zu essen - und mit diesem neuen Essverhalten das eigene Gewicht zu halten, gesund und bekömmlich zu essen.

Das heißt: Es geht hier um eine Veränderung in Sachen Ernährung. Auch wenn die Übungen und Aufgaben dazu oft nicht schwer sind, kommen viele Menschen - vor allem auf Dauer - unter Stress, wenn sie versuchen, ihre Essgewohnheiten zu modifizieren. Viele klagen sich selbst an, wenn sie die Neuerungen nicht gleich so durchhalten, wie sie es sich vorgenommen haben. Oder sie hadern mit ihrer Willensschwäche. Dann läuft bei allen Übungen und trotz der Änderungsabsicht immer eine Art unangenehme Stimme mit, die kommentiert und abwertet, was man ausprobiert und versucht. Das ist quälend - und noch dazu sinnlos.

In dieser Woche beschäftigt das Coaching sich deshalb mit der Frage, wie man lernt, das eigene Essverhalten, seine Gelüste und seine Figur zu akzeptieren. Das klingt erst mal paradox: gleichzeitig etwas zu verändern UND anzunehmen, was gerade Status quo ist. Doch genau dies ist die Grundvoraussetzung dafür, dass man in Ruhe und über eine längere Zeit das Essverhalten wirklich umstellt.

Deshalb bekommen Sie nun eine Übung, mit der Sie mehr Akzeptanz lernen. Sie stammt aus dem verhaltenstherapeutischen Ansatz der "Akzeptanz- und Commitment-Therapie" (ACT).

Das Monster umarmen

Schauen Sie noch mal zurück auf die vergangenen Wochen und Ihre Erfahrungen mit dem genussvollen Essen. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit ganz bewusst auf das, was nicht so gut gelaufen ist: Haben Sie Essgewohnheiten an sich festgestellt, die Sie entsetzt haben? Haben Sie sich eingestanden, dass Heißhunger oder emotionales Essen ein Thema für Sie sind? Haben Sie zwischendurch gedacht: "Das ist ja schön und gut. Aber ich wiege zehn Kilo zu viel, und da hilft mir das alles auch nichts."

Bitte seien Sie kleinlich. Zerren Sie die negativen Gedanken und Zweifel hervor oder die Selbstvorwürfe, die Sie sich aufgrund Ihrer Figur machen. Stellen Sie sich nun dieses Knäuel an Vorwürfen und Zweifeln als ein Monster vor, schmücken Sie dieses Bild ruhig aus und nutzen Sie Ihre Fantasie (denken Sie an Augen, Maul, Klauen, Zähne). Hat das geklappt? Gut, nun kommt der nächste Schritt.

Stellen Sie sich nun zweierlei vor: zum einen, dass Sie mit diesem Monster kämpfen. Zum anderen, dass Sie Arm in Arm mit diesem Monster durchs Leben gehen.

  • Versuchen Sie sich auszumalen, wie Sie sich fühlen, wenn Sie gegen das Monster kämpfen: Haben Sie Ihr Ziel und Ihren Weg dorthin noch im Blick, wenn Sie kämpfen, können Sie dann Ihr Leben und auch Ihr Essen noch genießen?
  • Stellen Sie sich nun vor, wie Sie sich fühlen, wenn Sie Arm in Arm mit dem Monster durchs Leben gehen. Wie ist Ihre Sicht auf Ihre Ziele und Ihren Weg jetzt? Wie können Sie Ihr Essen genießen, wenn das Monster an Ihrer Seite geht? Spüren Sie den Unterschied?

Versuchen Sie in der kommenden Woche immer, wenn Sie anfangen zu hadern oder sich selbst für Ihr Aussehen oder Ihre mangelnden Fortschritte zu beschimpfen, an das Bild von Monster und Mensch zu erinnern. Prüfen Sie immer wieder: Kämpfe ich? Oder hake ich das Monster unter und gehe mit ihm Arm in Arm? Der Psychotherapeut Steven Hayes, einer der Begründer von ACT, hat in Studien festgestellt, dass solche bildlichen Vorstellungen Menschen dabei helfen, auf Dauer mehr Akzeptanz zu entwickeln.

Preisabfragezeitpunkt:
13.08.2019, 13:58 Uhr
Ohne Gewähr

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Matthias Wengenroth
Das Leben annehmen: So hilft die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)

Verlag:
Hogrefe AG
Seiten:
308
Preis:
EUR 24,95

Wenn Sie merken, dass Akzeptanz Ihnen schwer fällt, Sie aber von dieser Übung profitieren, könnte es lohnen, mehr zu dem Thema zu lesen. Ein empfehlenswertes Buch zum Thema Akzeptanz ist etwa von Matthias Wengenroth: "Das Leben annehmen. So hilft die Akzeptanz- und Commitment-Therapie".

Zu jeder Ausgabe bietet SPIEGEL WISSEN ein praktisches, leicht im Alltag umsetzbares Online-Coaching passend zu seinem jeweiligen Heftthema an. Während dieser Zeit erhalten Sie immer freitags per E-Mail eine Übungseinheit, die Ihnen helfen kann, Ihr Leben besser zu gestalten. Hier den Newsletter bestellen:

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
murun 05.10.2019
1. Theorie gut und schön, Praxis sieht bei mir anders aus...
Das "Coaching" ist ja theoretisch gut und schön, die Praxis sieht bei mir anders aus... Gerade im Arbeitsalltag muss ich sehr flexibel sein, sowohl was den Ort als auch die Dauer der Essenspausen betrifft. Beides ist eigentlich essenziell und wichtig (kann ich was Selbstgemachtes mitbringen und gegebenenfalls aufwärmen, habe ich genug Zeit fürs Essen, ist notfalls was in der Nähe zum "Fremdessen", zumal ich Typ-1-Diabetiker bin?), aber oft nicht einplanbar. Dieser Beitrag mag für Arbeitnehmer mit geregeltem Tagesablauf und für den Feierabend hilfreich, für vermutlich nicht wenige wirkt das Ganze arg konstriuert und theoretisch...
niveau_creme 05.10.2019
2. Sehr steile These...
Zitat: "Entgegen der landläufigen Meinung sind viele Menschen beim Essen nicht zu undiszipliniert - sondern zu streng mit sich selbst." - Zu dieser sehr steilen These der Autorin würde mich mal die Quelle interessieren - die Realität spiegelt nämlich das exakte Gegenteil wider. Und nein, die ganzen adipösen Leute da draußen sind weder so geboren noch haben sich die Pfunde von heut auf morgen auf ihre Körper gezaubert.
Newspeak 07.10.2019
3. ....
Der Beitrag ist sehr kurz. Was soll es denn konkret bringen, wenn man sich das Monster vorstellt? Und selbst wenn man es nicht bekämpft, was Energie raubt, dann ist doch die entscheidende Frage ob man mit dem Monster durchs Leben geht, oder das Monster mit einem? Ich denke nicht die Anwesenheit des Monsters ist das Problem, sondern der Kontrollverlust, den man erlebt.
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