Gesüßte Getränke Zwei Wege gegen die Dickmacher

Wie lässt sich der Konsum von zuckerhaltigen Getränken begrenzen? Ein Weg wären Strafsteuern, ein anderer neue Rezepte der Hersteller. Für beide Ansätze gibt es nun interessante neue Erkenntnisse.
Trinkendes Mädchen: Süße Limo oder einfaches Wasser?

Trinkendes Mädchen: Süße Limo oder einfaches Wasser?

Foto: Corbis

Cola, Fruchtsaft, Eistee - vielen, gerade jungen Menschen schmecken sie gut. Doch die zuckerhaltigen Getränke haben ein entscheidendes Problem: Sie liefern mit jedem Schluck viele Kalorien, ohne zu sättigen. So können sie zu Übergewicht beitragen. Viele Staaten der Welt haben längst mit einer Adipositaswelle zu kämpfen, die über Jahrzehnte die Gesundheitssysteme belasten wird.

Gefragt sind also Wege, um das Problem zumindest abzuschwächen. Und gleich zu zwei Ansätzen gibt es aktuelle Nachrichten - und sie sind durchaus Erfolg versprechend:

Da ist zunächst der mexikanische Weg. Seit Anfang 2014 erhebt das Land eine zehnprozentige Zusatzsteuer auf zuckerhaltige Getränke. Und wie eine aktuelle Auswertung zeigt, bringt das offenbar tatsächlich etwas: Die Mexikaner trinken etwas weniger Limonade - und dafür mehr Wasser.

Seit Einführung der Steuer kauften die Mexikaner im Schnitt sechs Prozent weniger süße Softdrinks als 2013. Gleichzeitig stiegen die Käufe nicht zusätzlich besteuerter Getränke um vier Prozent, berichten Shu Wen Ng vom nationalen Gesundheitsinstitut Mexikos und Kollegen im "British Medical Journal"  (BMJ). Vor allem werde mehr stilles Wasser gekauft.

Die Verkaufszahlen zuckerhaltiger Getränke sanken innerhalb des Jahres stetig stärker ab, zum Ende betrug die Differenz zum Vorjahr zwölf Prozent. Durchschnittlich kaufte jeder Mexikaner im Jahr 2014 also rund 4,2 Liter weniger Softdrinks - und dafür 12,8 Liter mehr ungezuckerte Getränke.

Mexiko hatte 2013 beschlossen, nicht nur Softdrinks, sondern auch Lebensmittel mit hoher Energiedichte - beispielsweise Süßigkeiten, Erdnussbutter und Eis - höher zu besteuern. In dem Land sind etwa 70 Prozent der Erwachsenen und 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig. Die nun vorgelegte Untersuchung untersuchte nur das Kaufverhalten in Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern.

Die beobachtete Veränderung sei nicht groß, aber wichtig, schreiben die Forscher. Man müsse nun analysieren, wie sich das Kaufverhalten langfristig verändert. In einem begleitenden Kommentar im "BMJ"  weist Franco Sassi von der OECD darauf hin, dass Steuern ein wichtiger Teil der Strategien sein können, mit denen sich die Gesundheit der Bevölkerung verbessern lasse. "Aber andere Maßnahmen seien ebenso notwendig, darunter etwa die Lebensmittelkennzeichnung und das Regulieren der Werbung.

Zucker schrittweise reduzieren

Eine zweite Variante beim Kampf gegen überzuckerte Getränke, haben britische Forscher gerade durchgerechnet. Sie haben sich mit der Frage befasst, welchen Effekt es haben könnte, den Zuckergehalt von Limonaden und gesüßten Fruchtsäften innerhalb von fünf Jahren schrittweise um 40 Prozent zu senken. Und zwar ohne als Ausgleich Süßstoffe zuzusetzen. Ihre Modellrechnung präsentieren Graham MacGregor von der Queen Mary University of London und Kollegen im Fachblatt "Lancet Diabetes & Endocrinology" .

Demnach würde jeder Brite am Ende der Fünfjahresfrist im Schnitt 38 Kilokalorien weniger täglich konsumieren und 1,2 Kilogramm weniger wiegen. Was für den Einzelnen nach wenig klingt, hätte dennoch einen großen Effekt auf die Bevölkerung insgesamt: Die Forscher rechnen mit 1,5 Millionen weniger Übergewichtigen durch die Maßnahme - und bis zu 309.000 weniger Diabtes-Typ-2-Erkrankungen.

Kritiker könnten einwenden, dass die merkliche Zuckerreduktion die Getränke weniger schmackhaft macht. Doch die Forscher sehen das nicht so. Sie schreiben, die Wahrnehmung von Süße passe sich mit der Zeit dem Zuckerkonsum an, und es sei unwahrscheinlich, dass diese Maßnahme das Konsumverhalten ändere, wenn die Senkung des Zuckergehalts schrittweise über fünf Jahre passiere.

In einem Begleitkommentar  schlägt Tim Lobstein von der World Obesity Federation vor, die Maßnahme mit einer Zusatzsteuer auf gezuckerte Softdrinks zu kombinieren und die Werbung für ungesunde Lebensmittel, die insbesondere auf Kinder abzielt, einzuschränken.

Zucker-Quiz
wbr
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