US-Immunologe Fauci zweifelt an Sicherheit von chinesischen und russischen Corona-Impfungen

Russland und China meldeten gewaltige Fortschritte bei der Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen. Der führende US-Seuchenexperte Fauci hofft, dass die Seren vor dem Einsatz auch getestet werden.
Anthony Fauci vor der Anhörung im US-Kongress: Wirbt für Masken

Anthony Fauci vor der Anhörung im US-Kongress: Wirbt für Masken

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KEVIN DIETSCH/ imago images/UPI Photo

Der führende US-Seuchenexperte Anthony Fauci beurteilt die Jagd nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus in seinem Land vorsichtig optimistisch. Sobald ein Impfstoff als sicher und wirksam zugelassen sei, sollten US-Bürger innerhalb eines angemessenen Zeitraums breiten Zugang haben, versicherte er bei einer Anhörung im US-Repräsentantenhaus.

Er glaube, dass die Amerikaner im Lauf des Jahres 2021 einen Impfstoff erhalten könnten. Dabei werde dann nach einer Prioritätenliste geimpft, da er nicht glaube, dass sofort alle versorgt werden könnten.

Andere Länder wie China und Russland hatten zuletzt eine noch schnellere Verfügbarkeit von Impfstoffen in Aussicht gestellt. Fauci äußerte jedoch Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der dort entwickelten Impfungen. "Ich hoffe, dass die Chinesen und die Russen den Impfstoff tatsächlich testen, bevor sie ihn jemandem verabreichen", sagte Fauci auf die Frage, ob die USA die Impfstoffe verwenden würden, wenn diese vor anderen verfügbar seien. Nach Ansicht des Virenexperten werden die USA bei der Beschaffung von Impfstoffen nicht auf andere Länder angewiesen sein.

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Fauci nennt Vorgehen "bestenfalls problematisch"

Fauci äußerte Zweifel an dem Vorgehen von China und Russland: "Behauptungen, einen Impfstoff vertriebsbereit zu haben, bevor man ihn testet, halte ich bestenfalls für problematisch." Vor allem mehrere chinesische Unternehmen stehen an der Spitze des weltweiten Impfstoffwettlaufs, während Russland erklärte, bis September der Öffentlichkeit einen Impfstoff zur Verfügung stellen zu können.

Zwei chinesische Unternehmen, Sinovac und Sinopharm, haben in Brasilien und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Versuchen die dritte Testphase eingeleitet. Ein weiterer Impfstoff wird bereits den Angehörigen des chinesischen Militärs verabreicht, ohne die letzte Testphase durchlaufen zu haben.

Drei von westlichen Firmen entwickelte Coronavirus-Impfstoffe befinden sich ebenfalls in der dritten und letzten Testphase. China und Russland wird vorgeworfen, versucht zu haben, Informationen zur Impfstoffforschung von anderen Ländern zu stehlen. Peking und Moskau streiten die Vorwürfe ab.

Mit Blick auf die sich erschreckend schnell ausbreitende Corona-Pandemie in seinem Land kann Fauci nicht einschätzen, ob sich diese dem Ende nähert oder noch in der Anfangsphase steckt. Eine Vorhersage sei unmöglich, hatte er im Lauf der Woche dem Sender CNN gesagt. Die Länge der Pandemie hänge davon ab, ob die Amerikaner beispielsweise Mund-Nasen-Schutz-Masken trügen, einen Mindestabstand einhielten und anderen Empfehlungen folgten, die eine Verbreitung des Virus stoppten.

Es müssten alle Stoppzeichen herausgeholt werden, sagte Fauci. "Wenn wir das machen, denke ich, sind wir gut unterwegs, das unter Kontrolle zu bringen. Wenn nicht, dann können wir wirklich keine Vorhersage treffen, wie lange das dauern wird."

apr/AFP/dpa
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