Verschlechterte Gesundheitsversorgung Mehr Coronainfizierte, weniger Betten

Die Inzidenz steigt rasant. Das schränkt die Gesundheitsversorgung ein – auch weil so viele Klinikangestellte selbst infiziert oder in Quarantäne sind.
Patientin, Krankenpflegerin im Klinikum Stuttgart

Patientin, Krankenpflegerin im Klinikum Stuttgart

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Marijan Murat / dpa

Fast 300.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden, ein neuer Rekord – und dennoch haben Bundestag und Bundesrat heute die Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das Robert Koch-Institut (RKI)  mit 1706 an, auch das ist ein Höchststand. Zum Vergleich: Vor einer Woche wurden 252.836 Neuinfektionen erfasst, die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 1439. Die Rekordzahlen machen sich auch in den Krankenhäusern und in der Gesundheitsversorgung bemerkbar.

»Zurzeit behandeln die Kliniken so viele Infektionspatienten wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Vom 1. Februar 2022 bis heute sind die Zahlen um 60 Prozent auf mittlerweile mehr als 24.000 Patientinnen und Patienten gestiegen«, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Die Folge sei, dass immer mehr Kliniken immer größere Infektionsabteilungen einrichten müssen. Denn auch wenn die allermeisten Infizierten nicht auf Intensivstationen liegen, müssen sie doch separiert und mit besonderem Aufwand gepflegt und versorgt werden. »Das kostet Personal, das dann an anderer Stelle fehlt, und belastet die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr stark, denn sie müssen rund um die Uhr maximalen Infektionsschutz betreiben«, sagt DKG-Vorstandschef Gerald Gaß.

In einem Videokommentar für die »Apotheken Umschau«  kritisierte der Vorstandsvorsitzende des LMU Klinikums, Markus Lerch, die Neuregelung des Infektionsschutzes als »brandgefährlich«: »Wie messen wir denn die Belastung der Krankenhäuser? Am Burn-out oder den Überstunden der Pflegenden? An den geschlossenen OPs, die wegen Covid nicht betrieben werden können? Messen wir das an der Zeit, um die Krebsoperationen verschoben werden müssen?« Die Covid-Welle nehme weiter Fahrt auf, so Lerch, was die Krankenhäuser zunehmend belaste. Allein am LMU Klinikum würden aktuell auf acht Stationen Covid-Patienten behandelt. »Diese Stationen wieder anderen Patienten zur Verfügung zu stellen, das wird nicht möglich sein.«

Auch immer mehr Krankenhauspersonal ist inzwischen infiziert oder befindet sich in Quarantäne: Rund 90 Prozent der Krankenhäuser haben aktuell höhere krankheitsbedingte Personalausfälle als sonst um diese Jahreszeit üblich, ergab eine Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI). Am stärksten betroffen von krankheitsbedingten Ausfällen sei der Pflegedienst: Hier berichtet knapp die Hälfte der Krankenhäuser von höheren Personalausfällen (das bedeutet: fünf Prozent bis 20 Prozent mehr Erkrankte als gewöhnlich) beziehungsweise deutlich höheren Ausfällen (mehr als 20 Prozent). Im ärztlichen Dienst haben demnach Dreiviertel der Häuser höhere Krankenstände als üblich, und Dreiviertel der Kliniken können aufgrund des Personalmangels Betten auf ihren Allgemeinstationen nicht belegen. Im Vergleich zum Januar entspricht dies einer Zunahme von 24 Prozent, heißt es in der DKI-Umfrage .

jul
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