Auch Haarausfall kann ein Long-Covid-Symptom sein
Auch Haarausfall kann ein Long-Covid-Symptom sein
Foto: Siam Pukkato / iStockphoto / Getty Images

Long Covid Auch Haarausfall und Libidoverlust können auf Corona folgen

Wer an Langzeitsymptomen nach seiner Covid-Infektion leidet, büßt Lebensqualität ein. Nun berichten Experten von Beschwerden, die offenbar häufig vorkommen – aber bislang kaum erwähnt wurden.

Ein bisschen Unbehagen ist immer dabei, wenn die Coronainfektion überstanden ist, die Atmung aber noch schwerfällt. Ist das schon Long Covid? Unter dem Begriff werden Dutzende unspezifische Symptome zusammengefasst, die durch keine andere Erkrankung erklärt werden können. Die bekanntesten sind bislang Atembeschwerden, Müdigkeit, kognitive Störungen, Geruchs- und Geschmacksverlust und Fatigue. In einer Studie, die im Fachmagazin »Nature« veröffentlicht wurde , heißt es jetzt: Haarausfall, Libidoverlust und Ejakulationsstörungen gehören mit zu den häufigsten Symptomen. In der breiten Öffentlichkeit war das bislang so nicht bekannt.

Das Forscherteam von der University of Birmingham in Großbritannien verglich 486.149 Erwachsene mit einer bestätigten Sars-CoV-2-Infektion und 1.944.580 Erwachsene ohne bekannte Sars-CoV-2-Infektion. Die Infektion lag im Zeitraum zwischen Januar 2020 und April 2021.

Dabei fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heraus, dass Geruchsverlust in der Gruppe der Infizierten rund 6,5 Mal häufiger vorkam als in der Gruppe der Nicht-Infizierten. Haarausfall trat bei den Infizierten rund viermal so häufig auf, Niesen rund dreimal so häufig. Ejakulationsstörungen wurden von den Infizierten rund 2,6 Mal häufiger genannt als von den Nicht-Infizierten und ein Verlust der Libido (Sexualtrieb) rund 2,3 Mal häufiger.

Erst danach folgten die Symptome, die bislang als typisch für Long Covid bekannt waren: Kurzatmigkeit, Fatigue, Schmerzen auf der Brust, Heiserkeit und Fieber.

Auch deutsche Experten beobachten Symptome

»Aus der klinischen Erfahrung heraus ist Haarausfall ein Symptom, das wir nahezu bei 90 Prozent der Long-Covid-Patienten beobachten«, sagt Jördis Frommhold, Internistin und führende deutsche Expertin für Long Covid. »Libidoverlust wird durchaus häufiger von Männern berichtet – allerdings ist hier offensichtlich die Hemmschwelle relativ groß, darüber zu reden. Aber es spielt als Symptom eine nicht zu unterschätzende Rolle und die Ärzte sollten danach gezielt fragen.«

Auch der Leitende Oberarzt der Augenklinik am Universitätsklinikum Erlangen, Christian Mardin, hat bereits häufiger Haarausfall bei seinen Long-Covid-Patientinnen und -Patienten beobachtet. In der Erlanger Augenklinik wird unter anderem an den Ursachen von Long Covid geforscht und Augenuntersuchungen in die Diagnostik miteinbezogen. »Die Durchblutung und Mikrozirkulation der Haarfollikel kann infolge der Infektion beschädigt sein, so wie auch in anderen Organsystemen«, sagt Mardin. »Das führt wahrscheinlich zum Haarausfall.« Da die Organe nicht bei allen Patienten einheitlich und flächendeckend befallen seien, unterscheiden sich die Beschwerden von Patient zu Patient.

Long Covid trat der Studie zufolge bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Damit bestätigte sie, was zuvor bereits andere Expertinnen und Experten beobachtet hatten. Weiterhin bestätigte sie, dass eher jüngere Menschen an den Langzeitfolgen erkranken als Ältere. Auch der sozioökonomische Status, Rauchen, ein hoher BMI und Vorerkrankungen scheinen demnach Risikofaktoren für Long Covid zu sein.

Wie Long Covid genau entsteht und was dagegen helfen könnte, ist bislang nicht klar. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass es verschiedene Ursachen für Long Covid gibt, neben Autoantikörpern wird beispielsweise auch darüber diskutiert, dass im Körper bleibende Viren oder Virusbestandteile die Beschwerden einiger Betroffener auslösen könnten. Zudem haben auch Menschen Long Covid, bei denen die Covid-19-Erkrankung Schäden an Organen hinterlassen hat. Oftmals gehen Gerinnungsstörungen in den Blutgefäßen mit den Beschwerden einher.

Mehrere Studien zu Diagnose- und Therapiemöglichkeiten sind angelaufen. Erste Ergebnisse werden frühestens Ende des Jahres erwartet.

kry
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