Demo von Coronaleugnern in Dresden Medizinstudenten stellen sich schützend vor ihre Klinik – Polizei zeigt sie an

Über Telegram verabredeten sich Coronaleugner und Impfgegner in der Nähe der Dresdner Uniklinik zum »Spaziergang«. Studenten organisierten einen Gegenprotest – und wurden prompt von der sächsischen Polizei eingekesselt.
Ein Teilnehmer der als »Spaziergang« deklarierten Demonstration von Impfgegnern redet auf die Medizinstudierenden ein

Ein Teilnehmer der als »Spaziergang« deklarierten Demonstration von Impfgegnern redet auf die Medizinstudierenden ein

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Mit einem Großaufgebot hat die Polizei am Donnerstagabend in Dresden einen Demonstrationszug gegen die Coronamaßnahmen verhindert. In mehreren Gruppen des Messengerdienstes Telegram sei zu einem sogenannten Spaziergang aufgerufen worden – mit Start in der Nähe des Universitätsklinikums, so die Polizei.

Dutzende Studierende der Fächer Human- und Zahnmedizin der Technischen Universität Dresden stellten sich schützend vor das Klinikgelände. Sie hatten sich in weißen Kitteln aufgereiht und trugen Schilder mit Aufschriften wie »Impfen statt Schimpfen« und »Keine Macht den Rücksichtslosen«. Via Instagram hatten die Studierenden einen spontanen Gegenprotest organisiert, um ein »stilles Zeichen gegen Wissenschaftsleugnung und rechte Hetze« zu setzen.

Polizisten unweit des Universitätsklinikums Dresden

Polizisten unweit des Universitätsklinikums Dresden


Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Schon nach kurzer Zeit kesselten Beamte die Studierenden jedoch ein. Der Vorwurf: Verstoß gegen die sächsische Coronaverordnung und das Versammlungsgesetz.

Laut diesem dürfen sich aktuell nur maximal zehn Personen zum Protest zusammenfinden. Die von rechtsextremen Kräften organisierten »Spaziergänger« verstoßen seit Wochen in mehreren sächsischen Städten gegen diese Auflage.

Große Empörung im Netz

Laut Polizei wurden 22 Ordnungswidrigkeitsanzeigen gegen die Studierenden verhängt.

Auf Twitter empören sich nun die Studierenden über die Aktion. Sie seien friedlich gewesen, hätten den Protest kurzfristig angemeldet und sich mit Masken in Kleingruppen aufgestellt. Es müsse sich niemand mehr wundern, dass die Studierenden wegbleiben, »wenn hier so mit dem Mut und der Zivilcourage von denjenigen umgegangen wird, die in 4-5 Jahren den Laden hier weiter am Laufen halten sollen«, schreibt eine.

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Auch gegen die Coronaleugner ging die Polizei nach eigenen Angaben vor. Die Beamten hätten die Identität von mehr als 200 Personen festgestellt und gegen diese Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Verstoßes gegen die Sächsische Corona-Notfallverordnung eingeleitet. Zudem seien drei Strafanzeigen wegen Beleidigung sowie drei wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte geschrieben worden. Es wurden mindestens 45 Anzeigen wegen Verstößen gegen die sächsische Corona-Notfallverordnung aufgenommen, wie die Polizei auf Twitter mitteilte.

Mehr als tausend Beamte im Einsatz

Die Polizei war mit zahlreichen Kräften im Einsatz. Der Fokus habe auf der Absicherung des Universitätsklinikums und auch des Sächsischen Landtages gelegen, zudem sollte ein größerer Aufzug durch die Innenstadt verhindert werden. Am Uniklinikum habe es am Abend einen vehementen Zulauf potenzieller Teilnehmer gegeben, teilte die Polizei mit.

Die Beamten hätten diese angesprochen und so verhindert, dass sich ein größerer Aufzug bilden konnte. Später seien mehrere Gruppen im Stadtgebiet festgestellt worden.

Die Einsatzkräfte hatten das Gelände der Universitätsklinik rundum abgesichert. An jedem Eingang standen Polizeiwagen, berichtete ein dpa-Reporter. Es waren mehr als tausend Beamte aus Sachsen und Thüringen sowie von der Bundespolizei im Einsatz. Zudem waren zwei Wasserwerfer und ein Räumpanzer aufgefahren. Ein Hubschrauber kreiste über der Stadt.

tfb/mrc/dpa
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