"Besser streiten"-Training Bitte klein anfangen!

Wenn ein Streit ausufert, wenn plötzlich alles auf den Tisch kommt, führt dies unvermeidlich zu Wut und Frust. Besser ist es, ein kleines Problem zu identifizieren - und darüber zu sprechen.

Frederick Strasche/ SPIEGEL WISSEN

Wenn Sie regelmäßig die Tipps unseres "Besser streiten"-Trainings gelesen oder sogar angewandt haben, beschäftigen Sie sich seit einigen Wochen mit dem Thema Konflikt in Ihrer Partnerschaft. Allein diese systematische und leicht distanzierte Reflexion über die immer gleichen, oft sehr emotionalen Konflikte ist bereits ein Teil der Klärung. Deshalb wird es Ihnen vielleicht leichter fallen, wenn Sie in dieser Woche die Aufgabe bekommen, einen - kleinen - Konflikt auch wirklich zu klären.

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Bevor Sie mit Ihrem Partner sprechen, überlegen Sie noch mal in Ruhe, über welchen ganz konkreten Konflikt Sie reden möchten und was sich wirklich ändern soll, beziehungsweise an welcher Stelle Sie sich von ihrem Partner ein anderes Verhalten wünschen oder für die Beziehung einen anderen Modus. Versuchen Sie, einen konkreten Satz zu formulieren, zum Beispiel "Ich wünsche mir, dass wir mehr zusammen unternehmen." Oder "Ich wünsche mir, dass du mit mir darüber sprichst, wenn du ein Problem bei der Arbeit hast" oder "Ich wünsche mir, dass du auch ein oder zwei Stunden in der Woche die Wohnung aufräumst".

Wenn Sie mit diesem Satz in das Gespräch mit Ihrem Partner gehen, gibt es drei Dinge zu beachten:

1. Machen Sie sich die Tipps zum "Zuhören lernen" aus der vergangenen Woche bewusst und überlegen Sie, ob Sie eine Phase des aktiven Zuhörens vor die Klärungsphase schalten. Wer das Zuhören ernst nimmt, hat manchmal in der Klärung gar nicht mehr so viele Probleme, hat die Therapeutin Dagmar Kumbier festgestellt.

2. Seien Sie beharrlich mit Ihrem Wunsch - und zeigen Sie trotzdem Verständnis. Sagen Sie zum Beispiel "Ich weiß, dass du wenig Zeit hast - aber ich wünsche mir, dass wir etwas mehr unternehmen". Oder "Ich weiß, dass du unordentlich bist - wie können wir hier einen Kompromiss finden, denn ich wünsche, dass du dich auch daran beteiligst, die Wohnung aufzuräumen." Wer bei dieser Technik freundlich bleibt, erreicht, dass der Partner zumindest versteht, dass einem dieser eine Punkt wichtig ist.

3. Vorsicht vor windelweichen Ich-Botschaften! Auch wenn die "Ich wünsche..."-Sätze der zur Selbstverständlichkeit gewordenen Strategie entsprechen, dass man im Streit in "Ich-Botschaften" reden soll: Übertreiben Sie es nicht. Das wirkt schnell unecht oder zu distanziert.

Wichtig ist, sich wirklich auf eine Sache zu beschränken. Die meisten Streits ufern aus, weil plötzlich über "alles, was schwierig ist" geredet wird. Solche Kräche enden unvermeidlich mit Wut und Frust.

In der nächsten Woche können Sie ja ein weiteres konkretes Problem besprechen.

Übrigens: In dieser Woche ist das neue SPIEGEL WISSEN auf den Markt gekommen. Dieses Mal geht es um das Thema "Heimat".

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