Coach-Geflüster Wenn der Mann schweigt

Sie ist unzufrieden mit ihrer Ehe - er reagiert nicht darauf. Lässt sich die drohende Scheidung noch abwenden? Der Coach Ekkehard Rüdiger Neumann erklärt, was ein Perspektivwechsel bewirken kann - und warum immer zwei zum Tango gehören.

Unzufrieden mit der Beziehung? Manchmal kann ein Perspektivwechsel helfen
Corbis

Unzufrieden mit der Beziehung? Manchmal kann ein Perspektivwechsel helfen


Angela Geyer* war in ihrer Ehe mit Gero unzufrieden: Es fehlte ihr an Zuneigung und Zeit für Zweisamkeit, sie bemängelte, dass Gero sich zu wenig für ihre Welt interessiere, dass er langweilig und antriebslahm geworden sei.

Seit geraumer Zeit schon sendete Angela deshalb entsprechende Signale des Missmuts aus. Sprach sie die Probleme ihm gegenüber an, zeigte Gero sich sogar verständnisvoll: Er wolle sich ändern, versprach er ihr. Doch Gero handelte nicht.

Als Angela bei mir zum ersten Mal in der Praxis erschien, war sie der Meinung, sie hätte ausreichend dokumentiert, dass Gero sich ändern müsse. Mehr könne sie nicht tun, sagte sie mir. Sie sei ratlos und verstehe einfach nicht, wie sich der Mann, in den sie sich verliebt hatte, sich so habe ändern können. Den "alten Gero", den wolle sie zurück!

Das von ihr gezeigte Verhalten ist natürlich - und das erlebe ich in der Praxis sehr häufig - eine einseitige Schuldzuweisung an den Partner. Es gilt aber: It takes two to tango!

Das Problem der verdrängten Unzufriedenheit

Die Unzufriedenheit mit ihrer Situation, das versuchte ich Angela bewusst zu machen, ist letztlich auch die Unzufriedenheit mit sich selbst. Im Gespräch erfuhr ich, dass Angela keine Vorstellung von ihrer eigenen persönlichen Zukunft hatte. Sie konnte keine Lebensziele formulieren - weder hinsichtlich ihres Berufs noch ihres Privatlebens. Indem sie die Orientierungslosigkeit ausschließlich Gero zuschrieb - "Er ist ein Lahmarsch! Er macht keine Ansagen! Er weiß nicht, was er will!"-, verdrängte sie die Unzufriedenheit über ihre eigene Perspektivlosigkeit und übernahm noch dazu keine Verantwortung für die eheliche Gesamtsituation.

Angela hatte also einen Status erreicht, in dem sie die Wahrheit gepachtet und damit eine - aus ihrer Perspektive - kontrollierte Situation geschaffen hatte. Das Problem war nur: Diese Situation, also die Ehe und das Zusammenleben mit Gero, befriedigte sie nicht.

Kontrolle zu haben, bedeutet immer auch die Angst vor ihrem Verlust. Häufig aber dominiert dabei die positive Wahrnehmung: Man fühlt sich in der kontrollierten Sicherheit eben auch geborgen. Hinzu kam eine familiäre Prägung bei Angela, die das neutrale Verhältnis ihrer Mutter zu ihrem Vater miterlebt hatte. In gewisser Weise war Gero ein Charakter-Abbild ihres Vaters.

Gemeinsam neue Perspektiven finden

Schließlich riet ich Angela, einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Sie sollte sich in Geros Position versetzen, um die von ihr kontrollierte Situation zu umgehen und ihm auch eine neue Wertschätzung zuteil werden zu lassen. Ich riet ihr, mit ihm gemeinsam über Lebensperspektiven zu sprechen. Nicht nur um herauszufinden, ob diese noch miteinander in Deckungsgleichheit zu bringen sind. In erster Linie können solche Gespräche dazu dienen, überhaupt Ziele zu definieren - und sie schließlich gemeinsam festzulegen, um dadurch (wieder) zu einer Einheit zu finden.

Angela befolgte meine Ratschläge, war endlich wieder voll mit positiven Gedanken, war motiviert und freute sich auf den Neustart der Liebe zu ihrem Mann. Doch Gero nahm das Angebot seiner Frau nicht wahr. Möglicherweise hatte Gero die Beziehung innerlich bereits beendet. Zumindest lässt sein ablehnendes Verhalten diesen Schluss zu. Angela entschied sich trotz aller Frustration, erst mal eine Weile bei ihrem Mann zu bleiben. Sie zog sich zurück, ihr Wille die Ehe zu retten nahm rapide ab. Inzwischen sind Angela und Gero geschieden. Zum Tango gehören eben immer zwei.

*Namen von der Redaktion geändert



insgesamt 54 Beiträge
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arminpillhofer 05.11.2013
1. Ein typischer Spiegel Artikel
Und Schuld ist natürlich wieder hauptsächlich der Mann. In dem Beispiel kommt die männliche Seite extrem schlecht weg und die Frau macht zwar auch Fehler aber sie scheint doch die Vernünftigere zu sein. Es ist typisch für die Berichterstattung des Spiegel über den Geschlechterkrieg, dass der Mann das Mängelwesen ist und die Frau nicht perfekt, aber doch in der moralisch überlegenen Position. Lieber Spiegel: Wie wäre es mal einen Mann vorzustellen, dessen Frau nicht redet und die er als "Lahmarsch" bezeichnet. Unmöglich: Das wäre natürlich frauenfeindlich.
kakadu 05.11.2013
2. ein hoch auf die angela
die angela ist wie ein roboter. zunächst kapiert sie nichts. aber dann steckt man ihr die information zu. und schwups, sie ist wie ausgewechselt. schon haben sich ihre gefühle verändert. die persönlichen probleme sind wie wegradiert. sie ist voller motivation und kann nicht nur sich, sondern auch gleich den ehepartner verstehen. wow. angela, du bist wie mein computer, dem man einfach ein neues und sauberes betriebssystem installieren kann. ohne gefühle und ohne persönlichkeit. dein mann sollte sich schnell eine andere suchen
Ulf Schild 05.11.2013
3. Verändert?
Was bringt uns dieser Artikel? Angela und Ihr Lahmarasch trennen sich, es hat also nichts gebracht. Nach der Überschrift und der Einleitung hätte ich erwartet (und erhofft), dass Tipps kommen, wie Ehen in dieser Situation anzugehen und ggf. zu "retten" sind. Stattdessen nur: Hat nichts gebracht! Solche Artikel sind Zeitverschwendung.
klauswerner2 05.11.2013
4. Müsste über diesem Text nicht ...
... "Anzeige" stehen? Als Redaktionsbeitrag getarnte Werbung eines Beraters? Auch der Tenor des Textes entspricht irgendwie den bekannten Texten aus der Bäckerblume und der Apothekenrundschau. Ach ja, @arminpillhofer: absolut richtig!
querollo 05.11.2013
5. Schweigen
Man wünscht sich Schweigen doch zumindest von einem Mann: Ekkehard Rüdiger Neumann. SPON bringt ja gern mal banale und uninformative Beiträge, aber selten mit einer solchen Konsequenz wie hier in der offenbar als Werbeplattform neu eingerichteten Coach-Ecke. Und darf man auch mal erfahren, warum diese als Kolumne verkleidete PR nicht, wie es der Gesetzgeber vorschreibt, als Werbung gekennzeichnet ist? Der Autor betreibt ja nun zumindest in seiner Vorstellung am linken Rand ziemlich unverhohlen Werbung und hat den Link zu seiner Website angegeben. Das hat ja nun wirklich mit Journalismus nichts mehr zu tun.
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