Hilfe bei psychischen Problemen Der richtige Weg zur Therapie

Sich dazu zu entschließen, eine Psychotherapie zu machen, ist ein großer Schritt. Doch jetzt geht die Arbeit erst richtig los. Wie man den passenden Therapeuten findet und warum eine Therapie schmerzhaft sein kann, sich aber lohnt.
Hilfe in der Not: Wenn man mit seinen Problemen nicht weiter weiß, hilft der Psychotherapeut

Hilfe in der Not: Wenn man mit seinen Problemen nicht weiter weiß, hilft der Psychotherapeut

Foto: Corbis

"So geht es nicht weiter. Ich schaffe es nicht allein." Sich einzugestehen, dass man eine Psychotherapie braucht, ist schon ein Erfolg. Jetzt muss nur noch ein passender Arzt gefunden werden. Klingt leichter, als es ist.

Psychische Krankheiten sind heute anerkannter als früher. Einige, wie etwa die Depression, zählen inzwischen sogar zu den Volkskrankheiten. Deshalb haben Menschen eine größere Bereitschaft, sich behandeln zu lassen. Die Zahl der Kassensitze für Psychotherapeuten ist allerdings begrenzt und muss zwischen Ärzten und Psychologen aufgeteilt werden. Es gibt zwar genügend gut ausgebildete Psychotherapeuten aber keine ausreichende Zahl an Kassensitzen.

Die Folge: Besonders in Großstädten oder sehr ländlichen Gebieten gibt es lange Wartezeiten bis zum ersten Termin. Drei Monate gelten als normal. Daher wird empfohlen, sich bei mehreren Psychotherapeuten auf die Warteliste setzen zu lassen, um die Chancen auf einen schnellen Termin zu erhöhen. Je flexibler man in Bezug auf Zeit und Wochentag des Termins ist, desto schneller klappt es.

Hat man einen Termin, heißt das noch nicht, dass man die Behandlung auch abschließen wird. 5 bis 27 Prozent der Patienten brechen sie vorzeitig ab. Oft, weil die Chemie zwischen Patient und Facharzt nicht stimmt. Besser als Aufgeben ist es, den Facharzt zu wechseln. Nach dem Erstgespräch gibt es noch einmal fünf Probestunden. Während diesen Stunden muss man sich noch nicht verpflichten, beim aktuellen Therapeuten zu bleiben. "Nur wenn die Chemie stimmt und Vertrauen da ist, sollte man weitermachen", sagt Helmut Kolitzus, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

Wenn Selbst- und Wunschbild nicht übereinstimmen

Ist man von seinem Psychotherapeuten überzeugt, gilt es dranzubleiben. Denn eine Therapie bedeutet unangenehme Arbeit, das muss einem bewusst sein. Unzulänglichkeiten werden aufgedeckt. Es ist schmerzhaft, wenn man erkennt, dass das eigene Selbstbild nicht mit dem Wunschbild übereinstimmt. Außerdem blickt man gemeinsam mit dem Psychotherapeuten auf die Kindheit zurück, die oft mit aktuellen Problemen in Verbindung gebracht wird. "Ich bin für lösungsorientiertes Vorgehen", sagt Kolitzus: "Wie stelle ich so weit wie möglich Gesundheit wieder her, wie erhalte ich sie - und was kann ich selbst dafür tun?"

Zwei Drittel der Patienten hilft die Behandlung

Trotz aller Überwindungen, Wartezeiten und Anstrengungen: Eine Psychotherapie lohnt sich. Studien, die die Wirksamkeit von Psychotherapie aus der Sicht von Patienten untersuchten, haben gezeigt, dass zwei Drittel der Patienten die Behandlung sehr hilft.

Deutliche Ergebnisse hierzu erbrachte eine Umfrage der Stiftung Warentest  2011, an der sich 4000 Menschen mit seelischen Problemen beteiligten. 77 Prozent empfanden ihre Leiden vor der Behandlung als "sehr groß" oder "groß". Nach Beendigung der Therapie lag dieser Anteil nur noch bei 13 Prozent. Ihr Wohlbefinden hatte sich um 63 Prozent gesteigert. Auch die Einschränkungen im Alltag, im Beruf, in Freizeit und Familie sanken bei vielen Befragten deutlich.

Doch nicht nur Leid nahm ab, positive Effekte nahmen sogar zu: 68 Prozent spürten wieder mehr Lebenfreude, 63 Prozent hatten ein stärkeres Selbstwertgefühl, und 61 Prozent konnten besser mit alltäglichem Stress umgehen.

Wichtig: Dieser Artikel gibt Beispiele für das Vorgehen bei leichten mit mittelschweren psychischen Problemen. Falls Sie selbst oder Ihr Partner sich in einer scheinbar ausweglosen Situation befinden oder Ihre Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie bitte mit Menschen, die dafür ausgebildet sind. Hier finden Sie - auch anonyme - Hilfsangebote. Per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch.