Umstrittene Juul-E-Zigarette Schmeckt nach Bonbon, kann tödlich sein

Sie sieht aus wie ein USB-Stick, steckt aber voller Nikotin: In den USA hat die E-Zigarette Juul in kurzer Zeit Hunderttausende Jugendliche abhängig gemacht. Jetzt kommt sie auf den deutschen Markt.
Jugendlicher mit E-Zigarette Juul

Jugendlicher mit E-Zigarette Juul

Foto: Magdalena Tröndle/ dpa

Sie soll erwachsene Raucher vom Tabakkonsum abbringen, aber gleichzeitig einen härteren "Hit" liefern als konventionelle E-Zigaretten, versprechen die Hersteller der Trend-E-Zigarette Juul in Präsentationen, die sie potenziellen Investoren vorführen. Ein Widerspruch. In den USA ist die E-Zigarette, die einem USB-Stick ähnelt, vor allem bei Jugendlichen beliebt. Für viele dürfte es der erste Kontakt mit dem Suchtmittel Nikotin sein. Nun ist Juul auch in Deutschland erhältlich - Eltern und Ärzte sind alarmiert.

Der Verkauf beginne bundesweit zunächst in rund tausend Tabakgeschäften und sogenannten Vape Stores, die sich auf E-Zigaretten spezialisiert hätten, teilte der Hersteller Juul Labs in Hamburg mit, wo die deutsche Tochtergesellschaft ihren Sitz hat.

E-Zigaretten in Deutschland

In Deutschland haben laut Verband des E-Zigaretten-Handels im Jahr 2016 geschätzte 3,5 Millionen Menschen zumindest gelegentlich E-Zigarette geraucht. Anders als bei herkömmlichen Zigaretten entsteht bei der elektronischen Variante kein Tabakrauch, der etwa 4800 Chemikalien enthält, von denen 90 nachgewiesen krebserregend sind. Viele, die der E-Zigarette positiv gegenüberstehen, sehen sie deshalb als Chance zum Ausstieg aus der Tabakabhängigkeit, um damit das Risiko für Krankheiten zu reduzieren. In Deutschland sterben pro Jahr etwa 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens.

Einrichtungen wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigen, dass ausgewählte Hauptschadstoffe des Rauchs - darunter krebserzeugende Substanzen - im Dampf der E-Zigarette deutlich reduziert sind. Das bedeute aber nicht, dass E-Zigaretten harmlos sind. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ)  können auch durch E-Zigaretten je nach dem verwendeten Liquid und dem Nutzerverhalten giftige und krebserregende Stoffe wie Formaldehyd aufgenommen werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fürchtet zudem, dass Jugendliche über die E-Zigarette überhaupt erst in den Tabakkonsum einsteigen könnten. In den USA hat sich diese Befürchtung bereits erfüllt, wo "Juuling" zum Trend an Highschools geworden ist.

"Der Fall Juul zeigt, dass man den E-Zigaretten-Markt nicht sich selbst überlassen kann", sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), dem SPIEGEL. "Wir müssen uns genau anschauen, ob die aktuelle Obergrenze beim Nikotin so in Ordnung ist."

Deutlich niedrigerer Nikotingehalt als in den USA

Juul soll auf dem deutschen Markt in fünf Geschmacksrichtungen mit einem Nikotingehalt von 20 Milligramm je Milliliter angeboten werden. Das entspreche dem zulässigen europäischen Höchstwert. Deutschland ist der siebte Markt, auf dem Juul zu kaufen ist.

In den USA bietet Juul seine Produkte mit deutlich höheren Nikotinwerten an, die in Europa verboten wären. In den USA steckt in einer Kartusche so viel suchterzeugendes Nikotin wie in 20 Zigaretten. Dazu liefert die Flüssigkeit nach Herstellerangaben auch noch einen schnelleren, härteren Kick als konventionelle E-Zigaretten.

Das von zwei Stanford-Studenten in Kalifornien gegründete Start-up konnte gegen Großkonzerne wie Philip Morris in den USA einen Marktanteil bei E-Zigaretten von 70 Prozent erreichen. In Deutschland wird der Markt für E-Zigaretten auf 300 bis 400 Millionen Euro geschätzt, Tendenz steigend.

Kritiker warnen seit Langem davor, dass Jugendliche mit E-Zigaretten mit Bonbon- oder Fruchtgeschmack in den Nikotinkonsum einsteigen - und später bei Tabakzigaretten landen.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Textes wurden Tabakerhitzer mit E-Zigaretten gleichgesetzt. Wir haben den Fehler korrigiert.

koe/dpa
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