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15. April 2014, 06:25 Uhr

Konfliktbewältigung

Wenn Geschwister immerzu streiten

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Frederike und Markus kennen ihr Leben lang nur eines: Streit. Die Konflikte belasten die ältere Schwester - sie leidet an Essstörungen und ist mitunter depressiv. Beim Coaching lernt die 52-Jährige schließlich, ihre Blockaden abzubauen.

Frederike Bernd*, 52, und ihr jüngerer Bruder Markus, 47, streiten seit ihrer Kindheit. In jenen Tagen genoss es Frederike, dass sie oft bevorzugt wurde - insbesondere von ihrem Vater. Markus ließ sie das gewaltig spüren: Sie, die große Schwester, hatte immer recht. Wo sie nur konnte, unterdrückte sie ihren kleinen Bruder. Daran hatte Markus sehr zu knabbern.

Als er zehn Jahre alt war, nutzte Markus seine erste große Chance, es der Schwester heimzuzahlen. An einem Sonntag beim Mittagessen: Frederike, die damals in der Pubertät war, litt unter Essstörungen. Ihre vermeintliche Fettleibigkeit bekämpfte sie mit Pillen, die eine Gewichtsreduktion versprachen. Als die Familie am Tisch saß, weigerte sich Frederike mal wieder zu essen. Im Streit kam schließlich heraus, dass sie diese Pillen schluckte. Ihr Vater war außer sich. Markus platzte mitten in das Wortgefecht hinein: "Ich habe meinen Teller aufgegessen!"

"Das kleine Scheißerchen"

Viele Jahre später, bei unserem ersten Coaching-Treffen, erzählt mir Frederike von dieser Episode. Die Situation sei für sie ein Trauma gewesen. Da habe sich ihr Bruder doch glatt erdreistet, sie vom Thron zu stoßen. "Das kleine Scheißerchen", sagt Frederike, habe ihr einfach das Licht genommen. Plötzlich sei sie nicht mehr die klare Nummer eins gewesen - mit fatalen Folgen: Ihre Essstörung verstärkte sich, fortan hatte sie immer wieder mit stark depressiven Phasen zu kämpfen und leidet seither unter Beziehungsproblemen. Fast vierzig Jahre lang.

Für Erstgeborene, das versuchte ich Frederike klarzumachen, ist es zunächst ein absolutes Privileg: Sie erhalten die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern - solange, bis das zweite Kind, oder bis es zum ersten großen Aufstand des Jüngeren kommt. Darauf reagieren die Älteren unterschiedlich - mitunter aber eben mit Rechthaberei oder Unterdrückung des Kleineren, so wie es bei Frederike der Fall war. Interessanterweise geschieht das nicht nur im Kindesalter: Auch bei Jugendlichen oder Erwachsenen lässt sich dieses Phänomen beobachten.

Einsicht des Stärkeren

Fast zwei Jahre dauerte das regelmäßige Coaching mit Frederike, bis sie einsah: Auch der Größere kann sich kleinmachen. "Es tut mir leid, dass ich Fehler gemacht und dich schlecht behandelt habe." Diesen Satz brachte sie lange Zeit nicht über die Lippen, schließlich sagte sie ihn doch ihrem inzwischen erwachsenen Bruder.

Mit Hilfe ausführlicher Analysegespräche und zusätzlichen Massagen zur Entspannung schaffte es Frederike langsam, ihre mentalen Blockaden zu lösen. Sie begann zu erkennen, dass ihre Glaubenssätze im Verhältnis zu ihrem Bruder mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmten. Frederike lernte, in Phasen der Entspannung, neue und positive Glaubenssätze zu platzieren.

Durch spezielle Übungen, in denen Frederike wechselnde Rollen einnahm, lernte sie, sich in Demut zu üben, ihren Bruder als eigenständiges Wesen zu erkennen und sich ihm schließlich auch anzunehmen. Das war ein langer Weg.

Zu Ende ist er noch nicht: Obwohl sie inzwischen ein riesengroßes Stück weiter ist, erlebt Frederike mit ihrem jüngeren Bruder auch heute noch konfliktreiche Momente. Aber das Verhältnis hat sich grundlegend geändert - auch Markus hat dazu beigetragen. Als er merkte, wie sich seine Schwester ihm gegenüber verändert, konnte er auch seine eigene Haltung ändern. Frederike und Markus bewegen sich aufeinander zu. Das ist neu in ihrer Beziehung. Und sie genießen es.

*Name von der Redaktion geändert

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